Rocinante Espresso von Quijote

Neu von Quichote aus Hamburg: Rocinante. Probieren lohnt sich.

Aaahhhh. Schon als der Espresso volumig aus dem Siegträger rinnt, ist die Freude groß. Die Crema ist üppig und haselnussbraun marmoriert und löst bei mir Freude aus. Und dass, obwohl neulich im Magazin Crema zu lesen war, dass die Crema beim Espresso tendenziell überbewertet ist. Subjektiv kann ich diese optische und sensorische Komponente nicht außer Acht lassen.

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Gute Frage: Wieso denn Kassel?

In den Hinterzimmern meines Gehirns hat sich das Vorurteil von Kasel mit der langweiligsten Innenstadt Deutschlands festgesetzt. Dazu kommt noch die leichte Verkrampfung bei den Kasseler Bergen, um rechtzeitig auf der Autobahn vor dem Blitzer das Tempo anzupassen. Subjektiv keine gute Ausgangslage, um nach gut 30 Jahren mal wieder die 200.000 Einwohnerstadt zu besuchen.

Die Kaffeerösterin

Am Ende wird es nur ein Aufenthalt von nicht einmal einer Handvoll Stunden. Bei der Gelegenheit habe ich bei der Kaffeerösterin vorbeigeschaut. Aus Gendersicht ist das durchaus auffallend, Frauen allein an der Spitze von Röstereien finden sich meiner Erfahrung zufolge nicht so häufig. Auf Anhieb fällt mir jedenfalls keine andere ein.  

Die Kaffeerösterin in Kassel
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Morgen Kiiiiinder, wird es etwas geheebeen…

Weihnachtszeit für Espressofreunde sind eine harte Zeit. Viele Röstereien haben sich in die Ferien verabschiedet und lassen ihren Laden einfach dicht. Das ist wahrscheinlich gerechtfertigt, für potenzielle Besucher, die an der verschlossenen Tür rütteln, allerdings schade.

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Espressolab marschiert in Nürnberg auf

Das Espressolab Germany in der Nürnberger Schillerstraße

An einem Samstagvormittag ein paar Wochen nach Eröffnung ins Nürnberger Espressolab? Keine gute Idee, denn der riesige Laden ist gerammelt voll, Direktor Özgür Cam rotiert, um nachströmenden Gästen noch einen Platz anzubieten und dem Team im Vorbeigehen noch Anweisungen zuzurufen. Als Notbehelf wird sogar die durch eine Glastür getrennte Schaurösterei geöffnet, um weiteren Platz zu schaffen. Vielleicht hatten alle den Artikel Espressolab Im alten Malzlager Cappuccino trinken der Nürnberger Nachrichten gelesen.

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„Gutes Geld“ für gute Bohnen

Ob das Jahr 2018 für Kaffeebauern ein gutes Jahr war, hängt von deren Geschäftsmodell ab. Wer Arabica-Bohnen über die New York Board of Trade (NYBOT) gehandelt hat, musste das Jahr mit einem ordentlichen Minus abhaken. Mit einem Minus von über 15 Prozent und einigen zackigen Ausschlägen nach oben und unten fiel der Kaffeepreis zum Jahreswechsel auf 1,01 US Dollar.

Für Kleinanleger, die sich als Rohstoffspekulanten betätigen, finden sich Fonds, ETFs oder Futures. Oder sie legen sich die Aktien der italienischen Massimo Zanetti Beverages Group (MZBG) ins Depot. Doch die Kaffee-Holding, die insbesondere durch Segafredo und die gleichnamigen Bars bekannt ist, zeigt sich beim Aktienkurs eher als Wertvernichter.

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Lotterie beim Espresso bestellen

Beim Espresso bestellen überkommt mich manchmal ein mulmiges Gefühl. Da meine ich dann, vom Gesicht des Anderen abzulesen, dass ich nur einen kleinen Kaffee will. Ein echtes Negativ-Highlight war ein zweiter Aufguss bei einer italienischen Espressobar an einer deutschen Autobahn.

Aber selbst beim Besuch von Röstereien ist man vor Unglück nicht gefeit. Manche arbeiten mit ganz neuen Kräften, die noch nicht ordentlich eingearbeitet sind. Das äußert sich in einer ordentlichen Wuselei, wenn zu den sechs Gästen im Raum weitere drei sich an der Bar anstellen. Dann bricht der Betrieb zusammen. Allerdings: Manche führen ihren Betrieb auch so gut, dass jeder Espresso oder Cappuccino immer akkurat serviert wird.

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Nicht nur Teatime in Irland (I)

Wer sich für zwei oder drei Wochen nach Irland zur Rundreise aufmacht, sollte sich schon einmal auf Tee bis zum Abwinken einstellen. Mit dieser mentalen Selbst-Kasteiung habe ich Irland gebucht. Doch wie so häufig im Leben belehrt einen die Realität eines Anderen – in diesem Fall sogar eines Besseren. Lassen wir mal die Kaffee-Angebote von Hotels und B&Bs außen vor – quer durch die irische Republik stößt man auf ziemlich ordentlichen Espresso.

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Bewusstseinserweiterung in der Kaffee-Fabrik

Beim Espressobestellen an der Bar der Braunschweiger Kaffee-Fabrik gibt es die Qual der Wahl. Etwas Robustes oder etwas Fruchtiges wird gefragt und fast schon reflexartig winke ich bei dem Thema Frucht ab. Frucht ist bei vielen Röstern eine Art Tarnname für saures Getränk. Als ich meine Bedenken äußere, schaltet sich Michael Jäger, Röster und Chef, in die Diskussion ein.

Er empfiehlt mir einen Blaubeeren-Espresso, der tatsächlich nach Frucht und nicht nach Säure schmeckt. Ich soll einen Doppio wählen und je einen Schluck heiß, mittel und lau trinken. Das werde für eine „Bewusstseinserweiterung“ führen. Ich bestelle einen, natürlich ungläubig, aber gut – man kann immer schlauer werden.

Bewusstseinserweiterung in der Tasse

Tatsächlich ist von „sauer“ nicht viel zu schmecken, dafür aber von einer Frucht, die dominanter wird, je kälter der Espresso wird. Die laue Version schmeckt tatsächlich schon wie ein Beerensaft. Das habe ich tatsächlich noch nie gehabt.

Es handelt sich dabei um den Espresso Intenso Due Nicaragua Blueberry Candy Microlot Nr. 93. Es handelt sich um die Varietät Red Catuai, die bei konstanten Temperaturen von 21 Grad wachsen und von Hand geerntet werden. Die gesamte Ernte im Januar 2017 habe gerade mal 20 Säcke á 69 kg betragen, 20 Säcke davon hat sich die Kaffee-Fabrik gesichert. Jäger schwärmt von „einer limitierter Rarität mit einem absolut einzigartigen Aromaprofil“.

So kommt der Espresso Intenso Due Nicaragua Blueberry Candy Microlot Nr. 93 in der Tasse daher und sorgt für Bewusstseinserweiterung

Solide Variante

Der zweite Espresso ist ein „Espresso Forte“, ein Blend aus Brasilien, Indien und Robusta aus Guatemala. Die Crema kommt tatsächlich fein und kräftig daher und ist vier von fünf Punkten auf meiner Skala wert. Der Geschmack ist rund und erdig, liegt bei mir aber eher im mittleren Bereich, als 3 von 5 Punkten.

Von Forte Espresso habe ich mir ein Kilo mitgenommen, das Blueberry Candy Microlot habe ich leider stehenlassen. Die Forte-Crema habe ich auchgefühlt in gleicher Qualität hinbekommen, auch wenn ich längst nicht so penibel zubereite, wie es die Kaffee-Fabrik tut.

Der Espresso Forte der Kaffee-Fabrik

Präzision der Zubereitung

Das Wasser mache viel aus, ansonsten notiert Jäger auch seine strenge Anleitung zur Zubereitung. Das ist für ein Röster-Cafe quasi auch unumgänglich, für den Heimbetrieb halte ich es für unnötig. Weder gehe ich penibel mit dem Kaffeemehl im Gramm um, noch bei der Wassermenge. Tendenziell liege ich eher im Ristretto-Bereich. Trotzdem für mich ein interessanter Ort, das eine oder andere auch in Zukunft dort zu entdecken und vielleicht eine weitere Bewusstseinserweiterung zu erfahren.

Strenge Anleitung für die präzise Zubereitung

Die Kaffee-Fabrik in Braunschweig

Schock im Blauen Haus

Glück ist wohl etwas anderes. Als ich endlich mal nach Schwabach zum Blauen Haus Kaffee war auf einen Blick klar, dass der Zeitpunkt ganz blöd war. Denn in dem Röster-Cafe im historischen Teil der Goldschlägerstadt stand die Espressomaschine auf dem Fußboden, es wurde fleißig gewerkelt. Das hatte bitte Konsequenzen: An Kaffee gab es entweder eine Brühversion oder die nostalgische Variante aus einer Bialetti. Bialetti erschien als kleineres Übel, aber richtig froh bin ich damit auch nicht geworden.

In der Altstadt der Goldschlägerstadt Schwabach

 

Erst auf dem Boden, dann wird auf der Theke die Marzocco installliert – noch geht nix

Über den Wert der Crema

Dafür allerdings ließ sich doch interessant fachsimpeln über die Frage, ob die Crema auf dem Espresso überbewertet ist oder doch ein wichtiger Teil des Genusses. Ich bleibe dabei: Es ist sogar ein Indiz für die Qualität, die in der Espressotasse serviert wird – für Robusta-Bohnen sowieso, aber auch bei den Arabica-Verwandten. Allerdings scheint es so, als würde ich mich mit dieser Einschätzung auf dem absteigenden Ast befinden. So werde bei internationalen Verköstigungen schon mal die Crema als bitter-störender Zusatz vor dem Probieren einfach weggelöffelt.

Zum Trost habe ich mit Bohnen gekauft, Äthiopien Aricha leider nur im 250 Gramm-Beutel, statt 500 Gramm oder Kilosack. Das treibt am Ende des Gebrauchs meinen persönlichen Müllberg weiter in die Höhe. Das Aroma von Äthiopien Aricha wird auf der Packung mit Waldbeeren, Heidelbeeren, Steinobst und saftig beschrieben. In der Tat: Nachdem meine Mühle passend eingestellt ist, bekomme ich einen guten Espresso. Angenehm fruchtig mit feiner – keiner sauren – Säure, darunter aber noch überraschend viel Körper. Dafür gebe ich vier von fünf Punkte, für die Crema drei von fünf Punkten. Sie hat ein mittleres Braun, ist fein und stabil.

Extra-Infos

Hilfreich finde ich übrigens auch das Etikett der Bohnen von Schwabachs erster Röstmanufaktur Blaues Haus Kaffee. Sie informieren knapp aber immerhin über die alten äthiopischen Varietäten aus der Region Yirgacheffe (oder auch Yirga Cheffe) im Südwesten des Kaffeelandes (Yirhacheffe, Aricha, 1900m – 2100m), naturell aufbereitet.

Die Röstung Äthiopien Aricha gabs leider nur im 250 Gramm-Beutel

 

Die Milch machts!

Fast hätte der Besuch in der Hamburger Rösterei nicht geklappt. Denn so schön alternativ OpenStreetMap ist, es verzeiht keine Rechtschreibfehler. Das kann bei der Ditmar-Koel-Straße – oder war es Dietmar oder Köhl – schnell passieren. Nur dank eines analogen Blicks auf das Straßenschild wird klar, die Ditmar-Koel-Straße ist erreicht – und dann die Fassade mit der kultigen 50er Jahre Schrift Milch- Feinkost schnell entdeckt. Theoretisch gibt es zwar eine Homepage unter www.milchfeinkost.de. Bei Testaufruf lande ich aber immer bei Facebook – ein no go für den Facebook-Abstinenzler.

Rösterei Milch im guten 50er Jahre Look and Feel

Dreierlei Espresso

Im Ausschank gibt es dreierlei Espresso mit klangvollen Namen, wie „Elbvertiefung“, „Hamburger Rummel“ und „Tanzania Iyela“ (allesamt zwischen 6,50 Euro bis 8,50 Euro je 250 Gramm). Sie thronen auf den drei Mühlen auf der blau gekachelten Bar neben der futuristischen Spirit-Maschine, ein Kultdesign aus niederländischer Handarbeit aus dem Hause Kees van der Westen.

Echte, kleinteilige Handarbeit im Hause Milch

 

Die „Milch-Bar“

Die Elbvertiefung bekommt für eine solide Crema 3 von 5 Punkten, der Körper ist fruchtig und wird nach hinten überraschen größer (3 von 5). Tanzania hat eine deutlich hellere und schwächere Crema (2 von 5) und für die einfach fruchtige Note (2 von 5). Der Rummel hat durchaus knappe 5 Punkte für die Crema verdient, für den komplexen Geschmack 4 von 5 Punkten.

Anders als manchmal beschrieben röstet Inhaber Nico Ueckermann mittlerweile selbst in beschaulichen Größen. Der kleine Röster fasst gerade Mal zwei Kilo Rohbohnen und ist der offensichtliche Beleg für die Handarbeit rund um das schwarze Gold.

Leider ohne „Kult-Branding“

Ein schönes Cafe und eine Rösterei, deren Besuch lohnt. Man sitzt in dem reduzierten Ambiente angenehm. Obwohl ein ständiges Kommen und Gehen herrscht, sorgt es für keinerlei Unruhe. Das Hamburger Portugiesenviertel hat einen guten Grund auch ohne Hunger in diese Gegend zu kommen.