Nicht nur Teatime in Irland (I)

Wer sich für zwei oder drei Wochen nach Irland zur Rundreise aufmacht, sollte sich schon einmal auf Tee bis zum Abwinken einstellen. Mit dieser mentalen Selbst-Kasteiung habe ich Irland gebucht. Doch wie so häufig im Leben belehrt einen die Realität eines Anderen – in diesem Fall sogar eines Besseren. Lassen wir mal die Kaffee-Angebote von Hotels und B&Bs außen vor – quer durch die irische Republik stößt man auf ziemlich ordentlichen Espresso.

Dublin

Den ersten Espresso bekomme ich im Avoca in der Suffolk Street. Das Laden- und Gastro-Konzept der marketingstarken Weberei in dem Örtchen Avoca war mir bis dato unbekannt. Wer aber im irischen Nationalpark die Wicklow Mountains besucht und einen Abstecher in der Weberei macht, kommt voll auf seine Kosten. Die Manufaktur kann im laufenden Betrieb besichtigt werden. Beim benachbarten Shop ist man so von der Haptik und den Farben begeistert, dass man ohne Einkauf quasi fast herauskommt.

Avoca-Cafe in der Suffolk Street

 

Espresso im Avoca

 

Schönes Ambiente mit einer interessanten Stuhl-Ansammlung

Aber zurück nach Dublin: Das Avoca-Cafe im dritten Stock über dem Laden kann sich sehen lassen. Service top, eine anregende Einrichtung und einen Espresso der mit einer 4er-Crema serviert wird. Die Bohnen sind hart und dunkel geröstet und bekommen ebenfalls 4 Punkte, weil die Bohnen nicht verbrannt sind.

Mit den Craft Coffee Roasters hatte ich eine Rösterei gefunden, die schon fast zum Schwärmen verleitet. Leider haben sie nur einen Facebook-Account, auf den ich als Abstinenzler keinen Zugriff habe. Ansonsten findet man Infos dazu bei Tripadvisor. Der Espresso mit einer 4er Crema bekommt auch für die Bohnen 4 von 5 Punkten. Er hinterlässt einen weichen und runden, säurearmen Geschmack im Mund.

Den Weg hierhin habe ich übrigens über den Independent Ireland Coffee Guide gefunden. Das 10 Euro-Druckwerk gibt zwar einen kompakten Überblick, allerdings habe ich die Logik zwischen Cafes und Röster nicht verstanden. Das Ergebnis: Manche Röster, die nur unter Cafes geführt werden, habe ich schlicht übersehen.

Bei der Rösterei 9th Degree Coffee Roasters (Portal: Dublintown) ist das Ambiente zwar ganz schön, der Espresso, der mir serviert wurde, kam bei der Crema nur auf 2 Punkte, geschmacklich waren 3 von 5 Punkte drin.

Das Cafe Kaph ist ein Kleinod. Leider sind die dortigen Bohnen nur Auftragsröstungen fürs Haus. Aber immerhin: Die Crema hat stattliche 4 Punkte verdient, für den Geschmack gab es 3 Punkte.

 

Eine echte Überraschung war der Espresso in der Riesenbrauerei Guinness. Erster Glücksfall war, dass es nur ein kleines Gedränge war, weil wohl die Hauptsaison schon vorbei war. Zweiter Glücksfall war meine Reiseausrüstung. Angesichts der vielen ToGo-Pappbecher, die allerorts präsent sind und teils das Porzellan komplett ersetzen, findet sich in meiner Reisetasche eine einsatzbereite Espressotasse. Die wurde mir hier aber auch an anderen Orten problemlos befüllt. Der Guinness-Espresso brachte es bei der Crema auf 4 Punkte, geschmacklich solide mit 3 Punkten.

Brauerei-Audioguide weg und Espresso in mitgebrachtem Porzellan – ohne Untertasse – probiert

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