Neugier auf Leogold

Gab es einen guten Grund, noch einmal in die Braunschweiger Rösterei Leogold zu fahren? Der erste Besuch im letzten Jahr war eine pappige Enttäuschung, als der Espresso tatsächlich im Pappbecher serviert wurde.

Der gute Grund heißt Neugier. Die ist wohl so stark ausgeprägt, dass sie auch Frustrationen abhaken kann und einen neuen Versuch startet. Bleibt noch die Frage: Neugier für mehr Wissen? Neugier auf Erfahrung? Gibt es am Ende auch eine Sammlerneugier?

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Lust auf den Zweitbesuch hat sich – auch angetrieben von den außergewöhnlichen Bildern auf der Homepage – gelohnt. Die Rösterei in einem alten, schmucklosen Gewerbegebäude ist jetzt fertig eingerichtet. Und es gibt natürlich Porzellan, inklusive einer Tasse für meine Sammlung.

Hauskaffee

Als Hauskaffee gab es als erstes einen Blend Espresso Mild, der für meinen Geschmack allerdings enttäuschend war. Die Crema (4 von 5 Punkte) war zwar ordentlich, die Bohnen waren allerdings dunkel geröstet und hinterließen nicht viel Erlebnis im Mund. Der zweite Hausespresso, Blend Espresso Kräftig, kam mit einer schwächeren Crema daher, war aber geschmacklich eher meine Linie.

Seltsamerweise kam er bei mir daheim deutlich besser aus dem Siebträger. Obwohl ich nicht mit deutscher Gründlichkeit und Prozesspräzision die Zubereitung kultiviere. Ich schütte einfach die Bohnen in die Mühle, schaue mir – ohne Waage oder Stoppuhr – das Ergebnis in der Tasse an und spiele dann am Mahlgrad rum. Und siehe da: Eine feine, volumige Crema rinnt in die Tasse und belohnt so meine Neugier wie ein Stimmungsaufheller. Mit dieser Konstitution probiere ich und stelle genussvoll fest: schön kräftig, angenehm dunkel mit erdigem Geschmack. Leogold gibt die Herkunft mit Brasilien, Indien, Guatemala, Kolumbien und Kenia an mit einem Arabica-Anteil von 75 Prozent. Wäre ich auf der Suche nach einem Hauskaffee, käme er durchaus in die engere Auswahl.

Zwischenstopp in Halle

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass ich auf dem Weg noch in Halle an der Saale angehalten habe. Endlich hatte die Kaffeerösterei am alten Markt zu meinen Reisezeiten mal offen. Und ehrlich gesagt: Der Zusatz `am alten Markt´ hat durchaus meine Neugier und Phantasie beflügelt. Die Stadtarchitektur war in meiner Erinnerung als auffällig und interessant abgespeichert.

Die Kaffeerösterei am alten Markt in schönen Halle an der Saale

Mein Besuch war allerdings eine Enttäuschung. Na gut, das Ambiente ist tatsächlich Geschmackssache, das hätte man in jedem Fall mit einem spannenden Espresso ausbügeln können. Auch wenn auf der Homepage von „und plantagenreinen Kaffee garantieren den Kaffeegenuss in allen Lebenslagen“ die Rede ist – ich konnte davon nicht viel entdecken. Wohlwollend habe ich dem Cremaansatz 2 Punkte gegeben – weil: schlechter geht immer. Für das dunkle Getränk in der kleinen Tasse hatte ich allerdings auch nur 2 Punkte übrig. Mir kam es verbrannt und schwarz geröstet vor. Für Menschen hinter der Theke vergebe ich keine Punkte – an solchen Tagen weiß ich auch, warum. Aber – ganz – vielleicht treibt mich ja die Neugier noch einmal hin.

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