„Gutes Geld“ für gute Bohnen

Ob das Jahr 2018 für Kaffeebauern ein gutes Jahr war, hängt von deren Geschäftsmodell ab. Wer Arabica-Bohnen über die New York Board of Trade (NYBOT) gehandelt hat, musste das Jahr mit einem ordentlichen Minus abhaken. Mit einem Minus von über 15 Prozent und einigen zackigen Ausschlägen nach oben und unten fiel der Kaffeepreis zum Jahreswechsel auf 1,01 US Dollar.

Für Kleinanleger, die sich als Rohstoffspekulanten betätigen, finden sich Fonds, ETFs oder Futures. Oder sie legen sich die Aktien der italienischen Massimo Zanetti Beverages Group (MZBG) ins Depot. Doch die Kaffee-Holding, die insbesondere durch Segafredo und die gleichnamigen Bars bekannt ist, zeigt sich beim Aktienkurs eher als Wertvernichter.

Oikocredit-Gutes Geld on Tour

Ein Gegenmodell, dass nicht den persönlichen Reichtum, sondern die Existenzsicherung von kleinen Kaffeebauern im Blick hat, hat die Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit etabliert. Bei ihrer „Gutes Geld on Tour“ hat sie die Arbeit von Fapecafes vorgestellt. Dieser Dachverband bündelt fünf Kaffee-Genossenschaften aus dem Süden des lateinamerikanischen Kaffeeanbaulandes Ecuador. Dahinter stehen über 1200 kleinbäuerliche Betriebe, die mit viel Handarbeit Kaffeebohnen für den Weltmarkt produzieren – und zwar gemäß Fair Trade und in Bio-Qualität.

„Ohne das Geld von Oikocredit könnten viele Familien nicht überleben“, berichtet der Präsident von Fapecafes Arturo Vinicio Martinez Jaramillo, Vinicio genannt. Beim konventionellen Verkauf an globale Zwischen- und Großhändler schneiden die Kaffeebauern wesentlich schlechter ab. Denn sie bekämen ihr Geld für ihre Ernte erst nach Monaten und wüssten bis dahin kaum, wovon sie leben sollen. Also verkaufen sie einen Teil ihrer Ernte an sogenannte „Coyoten“, die zwar sofort bezahlen, allerdings nur einen deutlich schlechteren Preis. Das stürzt manchen Kleinbauern in so große Not, dass er gezwungenermaßen sein Land versilbern muss.

Oikocredit und Fapecafe zu Gast bei der Nürnberger Rösttrommkel mit der „Gutes Geld on Tour“

In dieser Phase kommt Oikokredit ins Spiel. Die vielen kleinen Kaffeeproduzenten können ihren Rohkaffee an Fapecafes zu „einem deutlich besseren Preis verkaufen“, weil Oikocredit mit einem Überbrückungskredit über die Runden hilft. Als Sicherheit für den Kredit über rund eine Million Dollar wird der Rohkaffee akzeptiert. Banken vor Ort würden zwar auch Geld geben, aber nur zu einem deutlich höheren Zinssatz. Außerdem müsste Vinicio persönlich für den Betrag mit seinem privaten Hab und Gut bürgen. „Das ist unmöglich“, stellt er klar.

Absicherung des Erntepreises

Die finanzielle Absicherung durch Oikocredit erlaubt es, nicht an den erstbesten Händler zu Weltmarktpreisen zu verkaufen. Stattdessen handelt Fapecafes bereits zu Jahresanfang einen Festpreis für die Ernte aus. Dadurch sind sie auch vor Spekulationswellen geschützt, die den Preis in die eine oder andere Richtung treiben wollen. Die Kooperative hat im Jahr 2017 80 Prozent ihrer Ernte überwiegend nach Europa und in die USA exportiert, das waren rund 6500 Zentner. Gerechnet wird übrigens in amerikanischen Pfund, abgekürzt: lb. Ein amerikanisches Pfund entspricht 0,453592 kg.

Mit dem höher erzielten Preis werden verschiedene Projekte finanziert. So greift die Kooperative mit ihrem Sozialfonds etwa Bauern unter die Arme, die durch einen Unfall nicht arbeiten können. Außerdem wird viel in Bildung und Weiterbildung investiert. Da geht es dann beispielsweise darum, einen Bio-Dünger in Eigenregie herzustellen statt auf chemische Keulen zu setzen. Oder um die Vorteile, statt mit Monokulturen mit der natürlichen Vegetation zu arbeiten, also etwa neben Kaffeesträuchern auch größere Bananenbäume als zusätzliche Erwerbsquelle mit Bio-Bananenchips zu kultivieren. Gleichzeitig wird der Nutzen der alles überragenden Urwaldriesen verdeutlicht, die den Kaffeepflanzen Schatten spenden und bei Regen den Boden vor Erosion schützen.

Gerade für die Jugendlichen seien Schulungen zu Kaffeequalität, Produktivität und Marketing besonders wichtig, um ihnen eine berufliche Perspektive zu geben. Ansonsten drohe – wie überall auf der Welt – eine Landflucht hin in die großen Städte.

Joachim Pietzcker, Geschäftsführer von Oikocredit Bayern, will mit bei der Tour `Gutes Geld´ zeigen, dass man bei Kapitalanlagen unterschiedlich vorgehen kann. „Wir bei Oikocredit investieren in Menschen.“ Ziel ist es, in der Realwirtschaft die Lebenschancen von Menschen insbesondere im „globalen Süden“ zu verbessern. Unterstützer können über eine Mitgliedschaft bei der Genossenschaft ihr Geld investieren. Als Gewinn winke in erste Linie eine „soziale Rendite“, darüber hinaus betrug die finanzielle Rendite z.B. im Jahr 2017 ein Prozent.

Bei der Veranstaltung zeigt der oberste Kaffee-Verkoster und Qualitätskontrolleur von Fapecafes, José Hernesto Apolo Espinoza, wie man den Genuss am Kaffee beurteilt. Er lässt die Gäste am Kaffeemehl schnuppern und aufgebrühten Kaffee probieren und berichtet über die gut 400 Aromen, mit denen der Geschmack begeistert werden kann.

José Hernesto Apolo Espinoza, oberster Kaffee-Verkoster und Qualitätskontrolleur von Fapecafes, bereitet das Cupping vor.

 

Kaffee-Verkoster José Hernesto Apolo Espinoza at work.

 

Überzeugt vom eigenen Produkt: Vinicio, eigentlich Arturo Vinicio Martinez Jaramillo, der Präsident von Fapecafes (li.) und der oberste Kaffee-Verkoster José Hernesto Apolo Espinoza.

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