Espresso und die Neue Normalität

Jetzt ist nach Wochen der gastronomischen Askese der Weg zur Neuen Normalität beschritten. Der erste Outdoor-Espresso seit mehr als acht Wochen wird vor dem Nürnberger Caffe Centrale serviert. Wie war die Regel nochmal? Hingehen, davor Maske aufsetzen, hinsetzen und Maske wieder runter. Die Neue Normalität hat durchaus deutliche Erlebnisgrenzen. Immerhin, die Sonne scheint und der Hausbrandt aus dem italienischen Triest tut gut.

Der erste Espresso nach dem wochenlangen Corona-Lockdown im Nürnberger Caffe Centrale

Big Data und Neue Normalität

Beim zweiten Espresso schweifen die Gedanken zur neuen Corona-App, die immer noch auf sich warten lässt. Deutsche Gründlichkeit mit persönlichem Datenschutz beim Bluetooth-Tracing scheint eine Gleichung zu sein, die sich nicht auflösen lässt. Anders als in manch anderen Staaten oder bei der Datenkrake Google, die bei mir schon mal die Corona-Nachverfolgung installiert hat. Die findet sich interessanterweise irgendwo versteckt in den Einstellungen.

Da ist sie wieder, die Abneigung gegenüber globalen Systemen, die sich bis zur Kaffeekultur fortsetzt. Globale Röster haben wohl eine ökonomische Berechtigung, fallen aber überwiegend als belanglos auf. Man könnte eine lange Liste dieser Häuser aufsetzen, deren Produkte in der Tasse eine hohe Variationsbreite haben – leider überwiegend auf der Skala nach unten. Schon deshalb ist die third wave bei den Röstern, die sich bärtig und experimentierfreudig den Möglichkeiten des Schwarzen Goldes widmen, zu begrüßen und zu unterstützen. Einmal mehr muss das Schlagwort der Demokratisierung des Geschmacks fallen.

Big Data und Espresso-Love

Wie würde eigentlich eine Big Data-Auswertung von espresso-love.de ausfallen? Es könnte vielleicht eine Häufung an positiven oder negativen Bewertungen herauskommen. Vielleicht gibt es auch einen Zusammenhang zwischen Bewertungen und den Städten, in denen die Röster Flagge zeigen.

Wahrscheinlich würde auch auffallen, dass es eine Ost-West-Dominanz gibt. Die Trennlinie dürfte zwischen München und Hamburg verlaufen oder entlang von Europas zweitlängster Autobahn A7 nach Süden mit einem Knick über Nürnberg nach München. Big-Data-Analysten können sich da vielleicht einen Reim drauf machen, es könnte aber auch Zufall sein.

Letzter Espresso vor der Zeitenwende

Die Corona-Pandemie wird gern als Zeitenwende bezeichnet, auch wenn man mit diesem Etikett vorsichtig sein sollte. Erst im Nachhinein wird deutlich, ob sich wirklich etwas geändert hat oder sich die Neue Normalität den alten Gepflogenheiten wieder annähert. Das wird zum Beispiel bei den globalen Lieferketten interessant. Ohne sie geht es nicht, aber der Preis für den Einkauf im letzten Winkel der Welt hat bislang nicht die externalisierten Kosten etwa der Umweltbelastung mit CO2 widergespiegelt.

Ich habe die letzten Bohnen vor dem Lockdown übrigens in Heilbronn gekauft – entgegen einer vorzeitigen Big-Data-Auswertung. Der statistisch unwahrscheinliche Abstecher zum Hagen hatte sich trotz aufkommenden Corona-Virus gelohnt. Demnächst hierzu mehr.

Die stattliche Fassadenfront der Familienrösterei Hagen, immerhin schon 1934 gegründet.
Die Tasse der Rösterei Hagen

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