Espresso: Rösttrommel im Akimoto oder Entscheidung unter Risiko

Rösttrommel Espresso im Suhsi-Restaurant Akimoto

Hinterher ist man immer schlauer. Über das Suhsi Restaurant Akimoto in der einstigen Nürnberger Industriebrache „Auf AEG“ lässt sich Gutes sagen. Die Garnelen in Knoblauchsoße (Ebi Ninniku) sind außergewöhnlich lecker, gleiches gilt für Ura Maki, etwa mit Lachs, Avocado und Sesam. Eigentlich hätte man das Essen mit einen Ingwer- oder Reis-Tee beschließen sollen. Doch für die Risiko-Entscheidung eines abschließenden Espressos gab es zwei gute Gründe. Zum einen warb die Nürnberger Kaffeerösterei Rösttrommel explizit auf der Akimoto-Karte für ihren Espresso. Zum anderen konnte man vom Tisch aus einen Blick auf den Rösttrommel-Standort „Auf AEG“ – Luftlinie ca. 200 Meter – werfen. Dort wurde vor ein paar Jahren die zweite Nürnberger Rösterei eröffnet.

Entscheidung unter Risiko

Entscheidungen unter Risiko sind eine zutiefst menschliche Angelegenheit. Das gilt nicht nur für Kinder, die risikoreich auf Weltentdeckung in Wohnzimmer oder Garten gehen. Es gilt oft auch für Entscheidungen für ein Haus, einen Job oder eine Ehe. Der große Irrtum dabei: Wir legen uns rationale Gründe für eine Entscheidung zurecht, die uns bei Erfolg bestätigen. Geht die Wahl schief, sind es fehlende Informationen oder falsche Experten gewesen. Prof. Gerd Gigerenzer, Chef des Max Planck Instituts für Bildungsforschung hat das sogar für die Hälfte der Entscheidungen von Top-Managern in Dax-Konzernen nachgewiesen. Man weiß es vom Bauchgefühl eigentlich besser, wählt aber scheinbar die rationale Möglichkeit – um auf Nummer sicher zu gehen.

Ein Japaner ist ein Japaner ist ein Japaner…

Der servierte Espresso gehört zu den schlechtesten, die mir jemals serviert wurden. Auf der Skala von 1 bis 5 für Geschmack und Crema gibt es jeweils negative Bewertungen. Das liegt auch an dem Vollautomaten, aus dem die nahezu durchsichtige Flüssigkeit herausgelassen wurde. Aber selbst aus solchen Maschinenmodellen lässt sich mit etwas Interesse noch ein trinkbares Gebräu produzieren, wenn man Mahlgrad, Kaffeemenge und Temperatur engagierter bedient. Bleibt die Frage offen, warum die Rösttrommel laut Eigenbeschreibung eine Spezialitätenkaffeerösterei ihre Bohnen an diesen quasi-Nachbarn verkauft. Der Verkauf ist Geschäftsprinzip, ohne Erträge kein Überleben. Wenn ich aber als Röster auch noch werbe – und damit vor Ort meinen Espresso aktiv empfehle, sollte das beworbene Produkt mindestens genießbar sein. Und das wirft die Frage auf, ob der Vormarsch der kleinen Röstereien ein Segen ist? Im Prinzip ja, aber vielleicht sollte man im Geschäftsvertrieb (B2B) auch ein Auge auf die Zubereitungskompetenz werfen, zumindest wenn man als Röster dort wirbt. Sonst wird der Endkunde, wie in diesem Fall, vor dem Konsum warnen.

Espresso der Nürnberger Rösttrommel beim Japaner Akimoto

Espresso der Nürnberger Rösttrommel beim Japaner Akimoto

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