Espresso kostet Geld

Das erste Mal ist es mir in der Kaffeekommune in Mainz aufgefallen, welche Folgen die Neue Normalität hat. Dass man an der Außentheke mit der Maske seine Bestellung nuscheln muss und für die Tischnummer 12 seine Daten hinterlassen muss – geschenkt. Dass der Espresso Dank Mehrwertsteuersenkung mit einem Euro und ein paar Zerquetschten einen völlig krummen Betrag kostet, holt einen von der üppig aprikosen-fruchtigen Note zurück in die Welt des schnöden Mammons.

Die Kaffeekommune in Mainz mit Neuer Normalität
Leider nichts für die Sammlung in der Kaffeekommune

Die gespreizten Preise für Espressotassen treffen um noch mehr auf die Bohnen zu. Manchmal ist mir das Preisgefüge nicht mehr transparent. Das gilt gerade dann, wenn keine Kilo- oder Halbkilo-Packungen angeboten werden und dafür das 250-Gramm-Päckchen mit zehn Euro oder mehr zu Buche schlägt. Einmal mehr verweise ich auf die Hamburger Kult-Röster von Quichote, die ihre Löhne gedeckelt, einen hohen Mindestpreis an die kleinbäuerlichen Organisationen und unter dem Schlagwort „Return to Origin“ (RTO) die Produzenten prozentual am Verkaufspreis beteiligen. Das Ganze ist im Transparenzbericht nachzulesen.

Kaffeesteuergesetz

Die Europäische Kommission hat mich noch an einen anderen Aspekt zum Thema „Espresso kostet Geld“ erinnert. Im Juli hat die EU ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Im Fokus steht das Kaffeesteuergesetz, neben der Mehrwertsteuer für uns eigentlich noch eine zusätzliche Verbrauchssteuer – die in die Kassen des Bundes fließt -, die aus Kommissionssicht Einzelhändler aus anderen Mitgliedstaaten benachteiligt, wenn sie Kaffee nach Deutschland verkaufen. Für ein Kilo Röstkaffee sammelt Vater Staat 2,19 Euro ein.

Die Initiativen, dass Kaffeesteuergesetz anzuschaffen, sind zahlreich. Immer wieder wird gefordert, dass sie wie die einstigen Steuern auf Salz, Essig oder Zucker den Weg allen Irdischen gehen und verschwinden. Sie kann sich aber auch als so widerstandsfähig und langlebig wie die Schaumweinsteuer (auch Sektsteuer genannt) erweisen. Die wurde 1902 eingeführt, um die kaiserliche Kriegsflotte mitzufinanzieren und so den Weg des Deutschen Kaiserreiches zur Seemacht zu ebnen. Im Jahr 2019 spülte die Steuer auf Kaffee und kaffeehaltige Produkte 1,06 Milliarden Euro in die Kasse des Bundesfinanzministeriums. Aktuell sieht die Behörde die nationale Kaffeesteuer von der EU-Harmonisierung noch ausgenommen. Ob die Insel Helgoland, die ohne Kaffeesteuer leben kann, ein Espresso-Paradies ist und es sich lohnt, ständig dahin zu tuckern, darf bezweifelt werden.

Politische Dimension

Ein Grundrecht auf einen günstigen Espresso gibt es nicht. Aus deutscher und europäischer Brille ist eher aus dem Blickwinkel der Steuersystematik zu diskutieren. Blick man auf die Folgen auf des Deutschen Lieblingsgetränk im Globalen Süden, wird aus der Steuerdiskussion gleich eine Frage der Gerechtigkeit und Ökologie. Das Bundesentwicklungsministerium unter Gerd Müller hat hier eine plakative Zusammenfassung  vorgelegt.

CSU-Mann Müller war es auch, der immer wieder die Abschaffung der Kaffeesteuer für Fair Trade-Bohnen fordert. Das führt zwar nicht zu einer besseren Steuerpolitik und wirft erneut die Frage nach dem Wert die vielen kursierenden Siegeln auf, umgekehrt würde das Ziel – mehr Geld für Kleinbauern und Kaffeekooperativen – unterstützt.

Geschichte der Kaffeesteuer

Der Urahn der Steuer auf den „Türkentrunk“ findet sich im alten Preußen. Aus dieser Zeit dürfte auch das Kaffeelied mit seinem politisch inkorrekten Text stammen, das lässt sich auch mit diesen Noten mitsingen lässt.

C-A-F-F-E-E,
trink nicht so viel Kaffee!
Nicht für Kinder ist der Türkentrank,
Schwächt die Nerven, macht dich blaß und krank,
Sei doch kein Muselmann,
der ihn nicht lassen kann.

Egal, eine kompakte Zusammenfassung findet sich im hinteren Teil eines Artikels bei Roastmarket.

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