Lotterie beim Espresso bestellen

Beim Espresso bestellen überkommt mich manchmal ein mulmiges Gefühl. Da meine ich dann, vom Gesicht des Anderen abzulesen, dass ich nur einen kleinen Kaffee will. Ein echtes Negativ-Highlight war ein zweiter Aufguss bei einer italienischen Espressobar an einer deutschen Autobahn.

Aber selbst beim Besuch von Röstereien ist man vor Unglück nicht gefeit. Manche arbeiten mit ganz neuen Kräften, die noch nicht ordentlich eingearbeitet sind. Das äußert sich in einer ordentlichen Wuselei, wenn zu den sechs Gästen im Raum weitere drei sich an der Bar anstellen. Dann bricht der Betrieb zusammen. Allerdings: Manche führen ihren Betrieb auch so gut, dass jeder Espresso oder Cappuccino immer akkurat serviert wird.

Pech in Speyer

Die Kaffeerösterei Schramm in Speyer

Pech habe ich wahrscheinlich auch beim Kaffeeröster Schramm in Speyer gehabt. Nach dem Besuch des Doms ging es schnurstracks durch die Altstadt zum Schramm. Dort wurde der Santo Cielo ausgeschenkt, der in Schramms Shop als vollmundiger, mittelkräftiger Espresso beschrieben wird. Noch dazu mit „sehr guter Crema“. Umso größer war die Enttäuschung, als ein dunkles belangloses Getränk gebracht wurde.

Pech gehabt bei der Zubereitung

Trotzdem habe ich die Dame gefragt, welchen Espresso sie mir zum Mitnehmen empfehlen würde. Und siehe da, es war der Santo Cielo. Da habe ich abgewunken: „Den hatte ich gerade, der war nicht so toll.“ Da entgegnet sie mir, dass habe sie schon selbst gemerkt, als der Espresso viel zu schnell durchgelaufen ist (!!!). Sie hat mir dann noch mal einen neuen gemacht, der tatsächlich in Ordnung war.

Der Santo Cielo kann durchaus mit etwas Mühe besser ausschauen.

 

Sind Espressotrinker blöd?

Was bleibt ist über Schramm hinaus die Frage: Sind Espressotrinker blöd? Es kommt immer wieder vor, dass ich einen zweiten Espresso bestelle, wenn man in der Tasse Potenzial entdeckt. Dann frage ich nach einer Variante „mit Liebe gemacht und mehr Crema“, die es dann oftmals auch gibt. Das heißt unterm Strich: Es mangelt nicht immer am Können, sondern an der Lust, einen ordentlichen Espresso zuzubereiten. Das allerdings ist ein beklagenswertes Manko.

Ich habe mir trotzdem ein paar Päckchen von Schramms Espresso mitgenommen, um ihn zu Haus zu probieren. Der Santo Cielo ist mit einer doppelten 4 für Geschmack und Crema ziemlich gut aus meiner Maschine gekommen. Noch besser war der Bio-Espresso Regenwald. Der kam satt und dunkel-cremamäßig in die Tasse und punktet zweimal mit 5 Punkten in meinem Ranking. Schramm beschreibt den Regenwald Espresso als „unglaubliche Fülle würziger, unvergleichlicher `wilder´ Aromen“. Laut Beschreibung stammt der weltweit einzige Wildkaffee aus den letzten Bergregenwäldern der uralten Region Kaffa im Ursprungsland des Kaffees Äthiopien.

 

Blick in Schramms Sortiment

 

Das habe ich daheim mit mehr Erfolg probiert.

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Nicht nur Teatime in Irland (I)

Wer sich für zwei oder drei Wochen nach Irland zur Rundreise aufmacht, sollte sich schon einmal auf Tee bis zum Abwinken einstellen. Mit dieser mentalen Selbst-Kasteiung habe ich Irland gebucht. Doch wie so häufig im Leben belehrt einen die Realität eines Anderen – in diesem Fall sogar eines Besseren. Lassen wir mal die Kaffee-Angebote von Hotels und B&Bs außen vor – quer durch die irische Republik stößt man auf ziemlich ordentlichen Espresso.

Dublin

Den ersten Espresso bekomme ich im Avoca in der Suffolk Street. Das Laden- und Gastro-Konzept der marketingstarken Weberei in dem Örtchen Avoca war mir bis dato unbekannt. Wer aber im irischen Nationalpark die Wicklow Mountains besucht und einen Abstecher in der Weberei macht, kommt voll auf seine Kosten. Die Manufaktur kann im laufenden Betrieb besichtigt werden. Beim benachbarten Shop ist man so von der Haptik und den Farben begeistert, dass man ohne Einkauf quasi fast herauskommt.

Avoca-Cafe in der Suffolk Street

 

Espresso im Avoca

 

Schönes Ambiente mit einer interessanten Stuhl-Ansammlung

Aber zurück nach Dublin: Das Avoca-Cafe im dritten Stock über dem Laden kann sich sehen lassen. Service top, eine anregende Einrichtung und einen Espresso der mit einer 4er-Crema serviert wird. Die Bohnen sind hart und dunkel geröstet und bekommen ebenfalls 4 Punkte, weil die Bohnen nicht verbrannt sind.

Mit den Craft Coffee Roasters hatte ich eine Rösterei gefunden, die schon fast zum Schwärmen verleitet. Leider haben sie nur einen Facebook-Account, auf den ich als Abstinenzler keinen Zugriff habe. Ansonsten findet man Infos dazu bei Tripadvisor. Der Espresso mit einer 4er Crema bekommt auch für die Bohnen 4 von 5 Punkten. Er hinterlässt einen weichen und runden, säurearmen Geschmack im Mund.

Den Weg hierhin habe ich übrigens über den Independent Ireland Coffee Guide gefunden. Das 10 Euro-Druckwerk gibt zwar einen kompakten Überblick, allerdings habe ich die Logik zwischen Cafes und Röster nicht verstanden. Das Ergebnis: Manche Röster, die nur unter Cafes geführt werden, habe ich schlicht übersehen.

Bei der Rösterei 9th Degree Coffee Roasters (Portal: Dublintown) ist das Ambiente zwar ganz schön, der Espresso, der mir serviert wurde, kam bei der Crema nur auf 2 Punkte, geschmacklich waren 3 von 5 Punkte drin.

Das Cafe Kaph ist ein Kleinod. Leider sind die dortigen Bohnen nur Auftragsröstungen fürs Haus. Aber immerhin: Die Crema hat stattliche 4 Punkte verdient, für den Geschmack gab es 3 Punkte.

 

Eine echte Überraschung war der Espresso in der Riesenbrauerei Guinness. Erster Glücksfall war, dass es nur ein kleines Gedränge war, weil wohl die Hauptsaison schon vorbei war. Zweiter Glücksfall war meine Reiseausrüstung. Angesichts der vielen ToGo-Pappbecher, die allerorts präsent sind und teils das Porzellan komplett ersetzen, findet sich in meiner Reisetasche eine einsatzbereite Espressotasse. Die wurde mir hier aber auch an anderen Orten problemlos befüllt. Der Guinness-Espresso brachte es bei der Crema auf 4 Punkte, geschmacklich solide mit 3 Punkten.

Brauerei-Audioguide weg und Espresso in mitgebrachtem Porzellan – ohne Untertasse – probiert

Bewusstseinserweiterung in der Kaffee-Fabrik

Beim Espressobestellen an der Bar der Braunschweiger Kaffee-Fabrik gibt es die Qual der Wahl. Etwas Robustes oder etwas Fruchtiges wird gefragt und fast schon reflexartig winke ich bei dem Thema Frucht ab. Frucht ist bei vielen Röstern eine Art Tarnname für saures Getränk. Als ich meine Bedenken äußere, schaltet sich Michael Jäger, Röster und Chef, in die Diskussion ein.

Er empfiehlt mir einen Blaubeeren-Espresso, der tatsächlich nach Frucht und nicht nach Säure schmeckt. Ich soll einen Doppio wählen und je einen Schluck heiß, mittel und lau trinken. Das werde für eine „Bewusstseinserweiterung“ führen. Ich bestelle einen, natürlich ungläubig, aber gut – man kann immer schlauer werden.

Bewusstseinserweiterung in der Tasse

Tatsächlich ist von „sauer“ nicht viel zu schmecken, dafür aber von einer Frucht, die dominanter wird, je kälter der Espresso wird. Die laue Version schmeckt tatsächlich schon wie ein Beerensaft. Das habe ich tatsächlich noch nie gehabt.

Es handelt sich dabei um den Espresso Intenso Due Nicaragua Blueberry Candy Microlot Nr. 93. Es handelt sich um die Varietät Red Catuai, die bei konstanten Temperaturen von 21 Grad wachsen und von Hand geerntet werden. Die gesamte Ernte im Januar 2017 habe gerade mal 20 Säcke á 69 kg betragen, 20 Säcke davon hat sich die Kaffee-Fabrik gesichert. Jäger schwärmt von „einer limitierter Rarität mit einem absolut einzigartigen Aromaprofil“.

So kommt der Espresso Intenso Due Nicaragua Blueberry Candy Microlot Nr. 93 in der Tasse daher und sorgt für Bewusstseinserweiterung

Solide Variante

Der zweite Espresso ist ein „Espresso Forte“, ein Blend aus Brasilien, Indien und Robusta aus Guatemala. Die Crema kommt tatsächlich fein und kräftig daher und ist vier von fünf Punkten auf meiner Skala wert. Der Geschmack ist rund und erdig, liegt bei mir aber eher im mittleren Bereich, als 3 von 5 Punkten.

Von Forte Espresso habe ich mir ein Kilo mitgenommen, das Blueberry Candy Microlot habe ich leider stehenlassen. Die Forte-Crema habe ich auchgefühlt in gleicher Qualität hinbekommen, auch wenn ich längst nicht so penibel zubereite, wie es die Kaffee-Fabrik tut.

Der Espresso Forte der Kaffee-Fabrik

Präzision der Zubereitung

Das Wasser mache viel aus, ansonsten notiert Jäger auch seine strenge Anleitung zur Zubereitung. Das ist für ein Röster-Cafe quasi auch unumgänglich, für den Heimbetrieb halte ich es für unnötig. Weder gehe ich penibel mit dem Kaffeemehl im Gramm um, noch bei der Wassermenge. Tendenziell liege ich eher im Ristretto-Bereich. Trotzdem für mich ein interessanter Ort, das eine oder andere auch in Zukunft dort zu entdecken und vielleicht eine weitere Bewusstseinserweiterung zu erfahren.

Strenge Anleitung für die präzise Zubereitung

Die Kaffee-Fabrik in Braunschweig

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Schock im Blauen Haus

Glück ist wohl etwas anderes. Als ich endlich mal nach Schwabach zum Blauen Haus Kaffee war auf einen Blick klar, dass der Zeitpunkt ganz blöd war. Denn in dem Röster-Cafe im historischen Teil der Goldschlägerstadt stand die Espressomaschine auf dem Fußboden, es wurde fleißig gewerkelt. Das hatte bitte Konsequenzen: An Kaffee gab es entweder eine Brühversion oder die nostalgische Variante aus einer Bialetti. Bialetti erschien als kleineres Übel, aber richtig froh bin ich damit auch nicht geworden.

In der Altstadt der Goldschlägerstadt Schwabach

 

Erst auf dem Boden, dann wird auf der Theke die Marzocco installliert – noch geht nix

Über den Wert der Crema

Dafür allerdings ließ sich doch interessant fachsimpeln über die Frage, ob die Crema auf dem Espresso überbewertet ist oder doch ein wichtiger Teil des Genusses. Ich bleibe dabei: Es ist sogar ein Indiz für die Qualität, die in der Espressotasse serviert wird – für Robusta-Bohnen sowieso, aber auch bei den Arabica-Verwandten. Allerdings scheint es so, als würde ich mich mit dieser Einschätzung auf dem absteigenden Ast befinden. So werde bei internationalen Verköstigungen schon mal die Crema als bitter-störender Zusatz vor dem Probieren einfach weggelöffelt.

Zum Trost habe ich mit Bohnen gekauft, Äthiopien Aricha leider nur im 250 Gramm-Beutel, statt 500 Gramm oder Kilosack. Das treibt am Ende des Gebrauchs meinen persönlichen Müllberg weiter in die Höhe. Das Aroma von Äthiopien Aricha wird auf der Packung mit Waldbeeren, Heidelbeeren, Steinobst und saftig beschrieben. In der Tat: Nachdem meine Mühle passend eingestellt ist, bekomme ich einen guten Espresso. Angenehm fruchtig mit feiner – keiner sauren – Säure, darunter aber noch überraschend viel Körper. Dafür gebe ich vier von fünf Punkte, für die Crema drei von fünf Punkten. Sie hat ein mittleres Braun, ist fein und stabil.

Extra-Infos

Hilfreich finde ich übrigens auch das Etikett der Bohnen von Schwabachs erster Röstmanufaktur Blaues Haus Kaffee. Sie informieren knapp aber immerhin über die alten äthiopischen Varietäten aus der Region Yirgacheffe (oder auch Yirga Cheffe) im Südwesten des Kaffeelandes (Yirhacheffe, Aricha, 1900m – 2100m), naturell aufbereitet.

Die Röstung Äthiopien Aricha gabs leider nur im 250 Gramm-Beutel

 

Die Milch machts!

Fast hätte der Besuch in der Hamburger Rösterei nicht geklappt. Denn so schön alternativ OpenStreetMap ist, es verzeiht keine Rechtschreibfehler. Das kann bei der Ditmar-Koel-Straße – oder war es Dietmar oder Köhl – schnell passieren. Nur dank eines analogen Blicks auf das Straßenschild wird klar, die Ditmar-Koel-Straße ist erreicht – und dann die Fassade mit der kultigen 50er Jahre Schrift Milch- Feinkost schnell entdeckt. Theoretisch gibt es zwar eine Homepage unter www.milchfeinkost.de. Bei Testaufruf lande ich aber immer bei Facebook – ein no go für den Facebook-Abstinenzler.

Rösterei Milch im guten 50er Jahre Look and Feel

Dreierlei Espresso

Im Ausschank gibt es dreierlei Espresso mit klangvollen Namen, wie „Elbvertiefung“, „Hamburger Rummel“ und „Tanzania Iyela“ (allesamt zwischen 6,50 Euro bis 8,50 Euro je 250 Gramm). Sie thronen auf den drei Mühlen auf der blau gekachelten Bar neben der futuristischen Spirit-Maschine, ein Kultdesign aus niederländischer Handarbeit aus dem Hause Kees van der Westen.

Echte, kleinteilige Handarbeit im Hause Milch

 

Die „Milch-Bar“

Die Elbvertiefung bekommt für eine solide Crema 3 von 5 Punkten, der Körper ist fruchtig und wird nach hinten überraschen größer (3 von 5). Tanzania hat eine deutlich hellere und schwächere Crema (2 von 5) und für die einfach fruchtige Note (2 von 5). Der Rummel hat durchaus knappe 5 Punkte für die Crema verdient, für den komplexen Geschmack 4 von 5 Punkten.

Anders als manchmal beschrieben röstet Inhaber Nico Ueckermann mittlerweile selbst in beschaulichen Größen. Der kleine Röster fasst gerade Mal zwei Kilo Rohbohnen und ist der offensichtliche Beleg für die Handarbeit rund um das schwarze Gold.

Leider ohne „Kult-Branding“

Ein schönes Cafe und eine Rösterei, deren Besuch lohnt. Man sitzt in dem reduzierten Ambiente angenehm. Obwohl ein ständiges Kommen und Gehen herrscht, sorgt es für keinerlei Unruhe. Das Hamburger Portugiesenviertel hat einen guten Grund auch ohne Hunger in diese Gegend zu kommen.

Pinocchio kann sich sehen lassen

Ein Kinderspiel ist es nicht, den Eingang am Rückgebäude zur Kaffeerösterei Pinocchio im niedersächsischen Wolfenbüttel zu finden. Doch dafür lohnt sich der Besuch in den engen Räumlichkeiten allemal. „Es ist die kleinste Rösterei Norddeutschlands“, sagt Röster und Cafe-Chef Jo Weigmann. Vielleicht meint er die Räume, vielleicht seinen Bohnen-Output von gerade mal vier Kilo pro Stunde, vielleicht meint „Jo, der Kaffeemann“ beides.

Pinocchio in Wolfenbüttel; wer diesen Hintereingang findet, ist am Ziel

Sieht man nicht oft: Lampendesign mit Saquella

 

In jedem Fall kann man sich im Pinocchio kaum sattsehen. Als erstes fällt die Lampe Marke Eigenbau auf, eine alte Kaffeebohnendose aus dem Hause Saquella. In Regalen, auf Fensterbrettern und an den Wänden finden sich zahlreiche alte Kaffeedosen, die mit Fleiß gesammelt werden. Dazwischen finden sich Kaffeemühlen und andere Trophäen der Sammlerleidenschaft. Der entsprechende Wahlspruch findet sich ebenfalls im Gastraum, gleich neben dem Porträt der 90-jährigen Eva aus einer Bar in Umbrien. Dort habe er das erste Mal an einer Kaffeemaschine gestanden. Ein älteres, 20-minütiges Video vom NDR, der noch Jo´s Zeit als rasender Kaffeeverkäufer in einem umgebauten Citroen finden sich hier. Seine früheren Touren mit dem italienischen Kultgerät Ape und seiner Schrauberarbeit an einem türksichen Trommelröster findet sich hier.

Innenleben vom Pinocchio

Pinocchios Leidenschaft

Caffé del Eva

Serviert wird der Caffé del Eva recht ordentlich, mit üppiger Crema, einem starken schokoladigen Körper, der sich weich und säurearm im Mund entfaltet. Der Espresso ist so gut, dass eigentlich ein Kilo für daheim fällig ist. Leider gibt es nur noch 500 Gramm, verteilt auf zwei Päckchen. In jedem Fall machen auch die hellen Bohnen einen guten Eindruck, die genau das am Ende aus der Maschine halten, was sie optisch versprechen. Das „Mäuseschwänzchen“ rinnt voluminös in die Tasse.

Das Aushängeschild: Caffé del Eva

Pinocchio´s Tassenbestand

Das Pinocchio hat leider keine eigenen Tassen. Dafür kramt Jo aus einer Schatzkammer in der Ecke eine Sonderausgabe aus dem Hause des sizilianischen Rösters Ionia hervor. 2012 wurde im naheliegenden VW-Stammwerk „50 Jahre Italien in Wolfsburg“ mit der Extratasse begangen. Ein seltenes Stück, von dem sich der Pinocchio-Chef nicht trennen will.

Special Edition von Ionia

Lessingfestival in Wolfenbüttel

Für manche könnte das schon ein Grund sein, Wolfenbüttel einmal aufzusuchen. Für andere könnte das diesjährige Stadtjubiläum ein Grund sein, die Lessingstadt einmal zu besuchen. Aufklärer Gotthold Ephraim Lessing schuf hier beispielsweise „Nathan den Weise“, ein Schulklassiker, der aber auch sonst noch einmal gelesen werden kann. Ihren berühmten Sohn feiert Wolfenbüttel vom 5. bis 26. Mai 2018 – näheres hier unter Lessingstadt Wolfenbüttel.

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Zuklappen und abhauen!!!

Der erste Reflex war abzusehen: Beim Blättern durch den Führer „Kaffeeröstereien in Bayern“ steigt unmittelbar das Gefühl auf, zuklappen und abhauen! Denn die Kaffeefibel, die über 100 Röstereien mit ihren Cafés vorstellt, macht große Lust, sofort die eine oder andere Rösterei zu besuchen. Die technischen Daten des 200-seitigen A5-Softcover-Werkes der Autoren Thomas Lederer, Markus Raupach und Bastian Böttner finden sich hier. Unter diesem Link findet sich auch eine Bestellfunktion, der leider zum eCommerce-Riesen Amazon führt. Angesichts der Vielfalt, die Röstereien bieten, plädiere ich auch in diesem Fall lieber online oder offline bei der Buchhandlung um die Ecke zu bestellen.

„Kaffeeröstereien in Bayern“; der neue Führer ist interessant, übersichtlich und kompakt.

Übersichtliche Doppelseite

Die aufgeführten Röstereien lassen sich nach Ort oder Namen finden. Neben einer kleinen Bilderstrecke von Röstern, Rösterei und Interieur findet sich ein kleiner Abriss des individuellen Werdegangs. Dazu lässt sich etwas über die persönliche Röstphilosophie, besondere Aroma-Vorlieben und bevorzugten Anbaugebieten nachlesen. Ein weiteres Textchen beleuchtet spezielle Facetten, etwa Micro-Lot, Direktimport oder die dritte Welle des Kaffees. Kontaktdaten, Öffnungszeiten, Tipps sowie Infos zu Kaffeeausschank, Cafébetrieb, Online-Shop sowie Seminar-Angebote stillen das letzte Infobedürfnis. Es bleibt nur noch der Besuch vor Ort übrig.

Eine Doppelseite für jede Rösterei mit vielen Informationen

Bayerns Rösterwelt ist riesig

Autor und Barista Thomas Lederer, der von Erlangen aus als Trainer und mit seiner mobilen Kaffeebar unter dem Namen roccamonte unterwegs ist, hat für das erste Handbuch bayerischer Röstereien über 7000 Kilometer zurückgelegt. Während Pingos Rösterkarte einen kompletten bundesdeutschen Kartenüberblick liefert – aber auch nicht mehr, sorgt „Kaffeeröstereien in Bayern“ für mehr Entdeckerlust durch informative Beschreibungen. Dafür fehlt in der Kaffeefibel die eine oder andere Rösterei, was allerdings nicht weiter stört. Weitere 40 Röster finden sich sortiert nach Orten mit Namen und Website zur weiteren Erkundung. Allerdings ist der Leser mit Röstereien in Örtchen wie Kolbermoor oder Ramerberg, von denen ich selbst noch nie etwas gehört habe, schon genug beschäftigt.

„Kaffeeröstereien in Bayern“ zuklappen und abhauen!

Bayern einmal ganz anders kennenlernen.

Das kleine Kaffee-ABC

Gerade für Einsteiger der Kaffee-Liebhaberei findet sich außerdem ein kleines Kaffee-ABC. Dort kann man sich rund um das schwarze Gold über Stichpunkte wie Anbaugebiete, Bohnen-Besonderheiten, Chlorogensäure, Liberica oder Röstgrad und vieles andere mehr kompakt informieren.

„Kaffeeröstereien in Bayern“ kaufen

Der Kaffeeführer ist im Verlag Guidemedia erschienen. Der hat sich bislang insbesondere mit Brauerei-, Bier- und Biergarten-Führern einen Namen gemacht. Dass sie auch Kaffee und Espresso können, haben sie mit den neuen Führer „Kaffeeröstereien in Bayern“ in Bayern bewiesen. Eine Kaufempfehlung – auch für Nicht-Bayern. Und dann: Zuklappen und abhauen!

 

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Tassen 2017 – Eine Nachlese

Gibt es so etwas wie ein gutes Tassenjahr? Also eine Anlehnung zur Hopfenernte oder den Maschinenbauern? Hier gibt es zumindest eine kleine Auswahl an Neuentdeckungen und Wiederbegegnungen aus dem vergangenen Jahr.

 

Tassen 2017 – Eine Nachlese

Der Drache von Varese im La Brasiliana Zambelli

Vielleicht ist es nicht ganz fair, über den Drachen von Varese im Caffè La Brasiliana Zambelli zu berichten. Alles in allem lohnt sich auch hier ein Besuch, wenn man in der lombardischen Provinzhauptstadt Varese unterwegs ist. Tatsächlich bin ich allerdings noch nie so eiskalt abserviert worden, als ich nach einer Tasse für meine Sammlung gefragt habe.

La Brasiliana Zambelli im Herzen von Varese

 

Gläserne Rösterei

Frisch geröstet im La Brasiliana Zambelli in Varese

 

Die italienische Röstmaschine

 

Imposant: Die italienische Röstmaschine im La Brasiliana Zambelli

Das Caffè mit gläserner Rösterei befindet sich im Herzen der Altstadt, die mit vielen kleine Plätzen und klassizistischen Wuchtbauten aufwarten kann. Geschützt unter Arkaden findet sich das Caffè La Brasiliana Zambelli, in dem gerade der La Brasiliana Super Miscela aus der tiefblauen Rösttrommel einen herrlichen Cafe-Duft verströmte. Der Röst-Mitarbeiter empfahl mir drei Sorten zum Probieren, bei der Tasse verwies er auf den Drachen an der Kasse. Mit insgesamt fünf Kilo Bohnen und vier Espressi für die Bar erkundigte ich mich auch nach einem neuen Sammlerstück – nicht nur vergebens, sondern im Ton frustrierend.

Der Espresso an der Bar, die bereits vorbereiteten Untertassen sprechen von einem üblichen Hochbetrieb, war sehr ordentlich, das Ambiente des 1932 eröffneten Unternehmens sehr ansprechend. Und der Super Miscela hat auch später in meiner Maschine jeweils vier von fünf Punkten für Crema und Geschmack bekommen. Die Bewerter bei Tripadvisor kommen auf eine Gesamtpunktzahl von 3,5 von 5 Punkten, 3 Punkte für Service. Vielleicht ein guter Mittelwert zwischen der Leistung an der Theke und an der Kasse.

Typisch italienischer Barbetrieb

 

Super Miscela in der Tasse

 

Das vermisste Sammlerstück

 

Kleine Produktauswahl für die heimische Maschine

Visit Varese!

Varese selbst ist eine kleine Uni-Stadt. Auffällig ist der auf der Straßenseite unscheinbare Palazzo Estense, der einst von Stendhal den Spitznamen „Versailles di Milano“ bekommen haben soll. Tatsächlich schaut die barocke Gartenanlage des 1771 fertiggestellten Bauwerkes eher wie eine Miniaturausgabe des Wiener Schloss Schönbrunn aus. Verpasst habe ist bei dem Kurzausflug den berühmten Sacro Monte di Varese. Der Heilige Berg gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO und soll mit seiner einmaligen Aussicht auf das idyllische Umland beeindrucken.

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White Bulldog – Hund auf Abwegen?

Es muss nicht unbedingt ein Hund auf Abwegen sein, wenn sich eine Bulldogge unter die Kaffeeröster mischt. Das gilt zumindest für die Nürnberger White Bulldog, die seit 2017 das Angebot an Coffee Roasters erweitert. Einen Steinwurf von den Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern der FAU-Uni entfernt, kam von dort schon viel Lob per FAU-Blog Meine FAU.

White Bulldog – ein Trendröster in Uni-Nähe

Säurebetont oder fruchtig

Im Ausschank ist Colombia El Buscador de Tolima, ein reiner Arabica, der leider nicht in einer gebrandeten Tasse sondern im Glas serviert wird. „Sehr säurebetont“, lautet mein erster Eindruck, doch Maxim Wagner, Sohn der White-Bulldog-Rösterfamilie klärt auf: „Fruchtig!“. Um mich zu überzeugen, gibt es El Buscador als Ristretto. Und der hinterlässt tatsächlich einen fruchtigeren Eindruck auf der Zunge. Beide Versionen überzeugen durch eine stattliche Crema, die im Glas besonders eindrucksvoll zur Geltung kommt.

Wohltuend ist auch der Hinweis an der Selbstbedienungstheke, den Kaffee zuerst einmal ohne Zucker zu probieren. Ich halte es für eine schlechte Angewohnheit beim Espresso, die nur dazu dienen kann, lieblose zubereitete Getränke geschmacklich erträglicher zu machen und so aufzuhübschen.

Selbstbewusst zeigt sich die Crema im White-Bulldog-Glas

 

Eine gute Form der Transparenz: Es wird sichtbar vor allen Augen geröstet.

White Bulldog Experiment

Neugierige können also im White Bulldog – und natürlich auch sonst überall – das Experiment wagen und auf Zucker verzichten. Die Bulldog-Familie lädt noch zu einem weiteren Experiment ein: Auf Basis eines Espressos wird ein Raffael-Caffee kredenzt, der mit Sahne und Vanille zubereitet wird. Dafür hat mir aber die notwendige Experimentierfreude gefehlt. In Summe aber ein schönes Café in der Altstadt, das bislang – häufig eine Rarität bei den Röstern – auch sonntags geöffnet hat.

Namensgebung

Bleibt noch die seltsame Namensgebung, die sowohl auf einen Hinweis auf die Rösterfamilie als auch auf das Kernprodukt verzichtet. Stattdessen wurde dem familieneigenem Lumpi ein Denkmal gesetzt. Daher finden sich wahrscheinlich so viele Bulldog-Konterfeis oder Porzellan-Hunde – auch das eine Frage des Geschmacks.

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