Gesundheit oder „Schlafen kannste, wenn du tot bist.“

„Vier Tassen Kaffee nützen der Gesundheit“, schreibt aktuell die FAZ und sorgt damit wohl für ein gutes Gewissen. Der Wissenschaftsredakteur bezieht sich auf eine Metastudie, die einmal mehr die gefühlte These unterstützt, dass täglicher Kaffee mehr nützt als schadet. Selbst die Feinde des guten Espressogeschmacks, allen voran ein oder gar zwei Stückchen Zucker könnten der positiven Wirkung keinen Abbruch tun.

Rezeptfrei zu bekommen

Weiter ist zu lesen, dass Koffein-Getränke – wahrscheinlich zählen auch die Gummibärchendrinks, also Energy-Drinks, dazu – „offenbar zur Risikominimierung“ beitragen. Die Rede ist etwa von Prostata- und Leberkrebs, Hautkrebs und Diabetes Typ 2, Gicht, bestimmten Leberzirrhosen und Gallensteinen. Die Rede ist sogar von positiven Zusammenhängen bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson.

Von der positiven Wirkung einer Genusskultur ist leider nicht die Rede. Umgekehrt ist sogar zu befürchten, dass der vielfach mäßig bis schlecht servierte Espresso vielleicht sogar Absicht gesundheitsbewusster Cafebetreiber ist. Der Abgrund des Espressos, ein Kaffee in kleiner Tasse, geht dann vielleicht als Therapeutikum durch und das Ganze ist ein Beitrag zur rezeptfreien Gesundheitsvorsorge.

kopiba´s Deathpresso – Schlafen kannste, wenn du tot bist

Für die Entdeckerliste sollte in diesem Zusammenhang auf alle Fälle das Hamburger kopiba stehen. Das Szenecafé ging 2009 als erste Rösterei im Schanzenviertel an den Start und bietet in seinem Shop ein breites Sortiment an Bohnen. Übrigens sogar ein kleines Sortiment an Rohbohnen, um den Trend zum Heimrösten entgegenzukommen.

Deathpresso in der kopiba im Hamburger Schanzenviertel lohnt sich auf jeden Fall

Weil es bei dieser Geschichte aber um Gesundheit geht, muss auf jedem Fall der St. Pauli Deathpresso Bio der kopiba Kaffeerösterei & Bar erwähnt werden. Ich hatte mir aus Hamburg ein Kilo (ca. 21 Euro) mitgenommen. Leider hatte ich nicht gewusst, dass der Totenkopf im Logo in Wirklichkeit ein Warnhinweis ist. Selbst als erfahrener Espressotrinker schaffe ich von dieser Sorte nur einen am Tag, dann fängt tatsächlich die Pumpe rasant an zu klopfen. Blutdruckmittel sind im Vergleich hierzu eine Spielerei. Aber wenigstens gibt es laut Wissenschaft keinen Prostata- und Leberkrebs.

Im Cafe kann man auch einen Blick auf den Röster im Nebenzimmer werfen

 

Eine der wenigen gelabelten Espressotassen – bei meinem Besuch wurde überwiegend im weißen Blanko-Porzellan serviert.

 

Eine „Tageslosung“ ist nicht nur den Kanzeln in den Kirchen vorbehalten.

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Rösttrommel Update

Ist von einzelnen Terroirs und Varietäten die Rede, gilt der erste Gedanke zunächst dem Wein. Tatsächlich ist, wie bei der Nürnberger Kaffeerösterei Rösttrommel zunehmend von Anbaugebieten für Kaffeebohnen die Rede. Seit Jahren wächst bundesweit die Zahl kleiner Röstereien auf derzeit etwa 600. In Mittelfranken dürften es bereits zwei Handvoll sein. Sie haben sich auf individuelle gegenüber der Industrie deutlich langsamere Röstverfahren spezialisiert. Außerdem versuchen sie Kaffee- und Espressobohnen zu rösten, die statt auf Kontinuität auf Individualität setzen. „Unsere Produkte sind handgemachte Naturprodukte“, erklärt Geschäftsführer Matthias Heyder.

Einder der vier Rösttrommel-Chefs Matthias Heyder

Der kleine, aber feine Unterschied

Ein großer Unterschied zu den Röstverfahren der Branchenriesen: Die rösten mit bis zu 500 Grad und sind in maximal drei Minuten fertig. Der 45 Kilo-Röster der Rösttrommel, dem man im Cafebetrieb Auf AEG im Betrieb zuschauen kann, arbeitet bei 200 Grad und lässt sich fast eine halbe Stunde Zeit. Pro Jahr werden gut 55 Tonnen bis 60 Tonnen Spezialitäten-Kaffeeernten aus der ganzen Welt geröstet, mit steigender Tendenz.

Qualität hat ihren Preis

„Unser Sortiment funktioniert über Qualität“, sagt Heyder etwa mit Blick auf die seltenen Kaffee-Perlbohnen aus Tansania oder die Varietät Catuai von der Farm „Cerro de Jesus“, die auf dem höchsten Berg der Region Jalapa in Nicaragua Kaffee anbaut wird. So lasse sich die „Vielfalt entdecken, die Kaffee bieten kann“. Ohne Chemie gewachsen, von Hand gepflückt, aufwändiger eingekauft und später per Hand geröstet – das hat seinen Preis. Der günstigste Rösttrommel-Preis für ein Kilo beginnt bei 23 Euro, der Premiumbereich liegt bei 40 Euro bis 50 Euro.

 

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Mirella – kurz vor Toresschluss

Bei der Würzburger Kaffeerösterei Mirella hatte ich schon gedacht, dass mir das Navi einen Streich spielt. Denn zwischen den ganzen Märkten sah nichts so aus, als würde da der Lust am schwarzen Gold gehuldigt. Also einmal quer durch das Gelände und wirklich am letzten Zipfel der Gebäude auf der Rückseite geht es zu Mirella ein. Leider ist Samstag, 13.59 h, und um 14 Uhr macht der Laden dicht.

Mirella Kaffeerösterei – gut versteckt in der Würzburger Industriestr. aber durchaus einen Besuch Wert.

Schwarzes Gold in der Industriestraße

Das Geschäft macht der Anschrift Industriestraße alle Ehre, es ist eher nüchtern und funktional eingerichtet. Das alles ist aber schnell vergessen, weil in der Luft noch der frische Dampf des Röstens liegt. Und so bekomme ich auf die Schnelle noch einen Kilo Malabar (rund 20 Euro das Kilo), weil ich die meisten Inder, egal ob Arabica, Robusta oder Blend, einfach immer klasse finde. Der Malabar ist tatsächlich gerade frisch aus dem Probat-Röster und wird für mich extra eingetütet. Mit dem guten Rat, ihn noch gut zwei Wochen ausdampfen bzw. nachreifen zu lassen. Auf Empfehlung nehme ich noch einen Napoli Arabica in der gleichen Preisklasse mit, der als kräftig nicht zu schwarz mit reduzierter Säure empfohlen wird.

 

Quasi noch warm vom Rösten – zumindest der Duft füllt den ganzen Raum.

 

Blick auf ein verlockendes Mirella-Sortiment

Malabar in der Mühle

Mittlerweile habe ich den Malabar (100% Arabica) in der Mühle und komme voll auf meine Kosten. Der Espresso läuft dunkelbraun und volumig aus der Maschine und sorgt für eine dicke Crema in der Tasse. Einziger Anlass für etwas Mäkelei: Die üppige Crema ist leider nicht so stabil, etwas zu lange stehen gelassen und schon ist sie weg. Der Geschmack ist rund, dunkelschokoladig, ohne überbetonte Säure. Ein Espresso, wie ich ihn mag und der 4,8 für die Crema und 5 für den Geschmack von jeweils 5 Punkten bekommt. Im Prinzip kann man auch auf der Mirella-Seite bestellen oder nachbestellen. Ich muss aber noch den Napoli Arabica probieren und habe noch ein paar andere Kilo im Keller.

Kurz vor Toresschluss einen Malabar (reiner Arabica) und einen Napoli Arabica bekommen.

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Tag des Kaffees 2017

Haben Sie es gemerkt, dass am 01. Oktober Tag des Kaffees  2017 war? Der Initiator, mit den Branchenriesen Hamburg Coffee Company, Jacobs Douwe Egberts, Coffein Compagnie und Melitta im Vorstand, nutzt den Tag, um für das braune Gold die Werbetrommel zu rühren. International führt beim Ehrentag des Kaffees seit 2015 die International Coffee Organization (ICO) beim International Coffee Day die Regie.

Zum Tag des Kaffees förderte eine Studie des Deutschen Kaffeeverbandes zu Tage: Fast jeder Bundesbürger trinkt Kaffee – 80 Prozent täglich und drei von fünf Deutschen sogar mehrmals am Tag. Nur vier Prozent der Befragten outeten sich als Koffein-Abstinenzler und gaben an, selten oder nie Kaffee zu konsumieren. Hauptgrund für mehr als ein Drittel der Kaffeetrinker, zu dem beliebten Heißgetränk zu greifen, sind der besondere Genussmoment und das Aroma – förderte die Erhebung zu Tage.

Unter den zehn Tipps für eine perfekte Zubereitung findet sich ein für Espressofreunde bedenklicher Hinweis: Demnach sollte frisch zubereiteter Kaffee möglichst bald getrunken und nicht allzu lange warmgehalten werden. Weil sich das Aroma schnell verflüchtigt und der Kaffee dann bitter schmeckt, wird die maximale Standzeit mit 60 Minuten in einer Thermoskanne angegeben.

Fazit: Der Espressofan fühlt sich zwar vom Tag des Kaffees irgendwie mit eingeklammert und umarmt, im Detail ist aber doch von zwei ganz unterschiedlichen Welten oder gar Universen die Rede.

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Rösttrommel ist Röster des Jahres 2017

Folgt man dem Magazin Crema ist die Nürnberger Rösttrommel Röster des Jahres 2017. Das Magazin bewertet die Qualität der angebotenen Kaffees bzw. der Röstungen, Lieferung, Service und Verpackung und drittens Fairness und Nachhaltigkeit beim Einkauf des Rohkaffees. Alle drei Kriterien werden im Laufe eines Jahres über Testbestellungen bei den Röstereien mehrmals überprüft. Das sowie der Redaktionsbesuch am Nürnberger Standort auf AEG ist hier nachzulesen. Dort erfährt man auch, dass im letzten Jahr stattliche 50 Tonnen Kaffee geröstet wurden. Der Röster des Jahres bietet aktuell wegen der Freude über die Auszeichnung und als Dank an die Kunden 15 Prozent Rabatt auf den nächsten Onlineeinkauf.

Ich probiere immer wieder mal einen Rösttrommel-Espresso, einen persönlichen Favoriten habe ich noch nicht gefunden. In der Rösterei auf AEG hatte ich 2014 den Barista Christian Ullrich getroffen, der kurz zuvor im australischen Melbourne zum Latte-Art-Weltmeister gekürt worden war. Sein Siegermotiv, mit der er die globale Jury überzeugte, war eine Schildkröte, die er noch einmal im Rösttrommel-„Trainingsraum“ präsentierte.

Barista Ullrich at work, 2014 in der Rösttrommel

 

Ullrichs Sieger-Motiv, 2014

 

Fertig zum Servieren, 2014

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Hoch die Tassen in der Toskana

Hoch die Tassen in der Toskana kann auch ein Reisemotiv sein. Zugegeben nicht das einzige, denn in großer Spätsommerhitze faszinieren auch vertrocknete Felder auf sanften Hügeln und schattenspendende Zypressenalleen. Es finden sich auch abgebrannte Olivenhaine, aus denen der Lebenswille der Natur neues Grün treibt.

Die Anreise erfolgt über Bologna, aus dem Auto dröhnt „Bologna“ von Wanda, hier als Youtube-Clip. Ein Highlight für meine Sammlung finde ich in der Fabrik von Mokarabia, in der Roxy Bar findet sich eine Tasse aus dem Hause Meseta.

2016 war das Jahr der Neupositionierung; auch die Espressotasse wurde relauchned. 2017, Mokarabia in Bologna

Meseta in der Bar Roxy in Bologna, 2017

Ein Bekannter hatte mich vor zu großer Espresso-Freude gewarnt, der Norden Italiens passe sich der Kultur nördlich der Alpen an. Damit lag er nicht ganz falsch. Ein großes Risiko ist der Siebträger mit doppeltem Ausgang, der anscheinend häufig mit zu geringer Kaffeemenge auf zwei Tassen verteilt wird. Aber auch sonst erscheint die Aufmerksamkeit, die der Zubereitung widerfährt – unabhängig von der gerösteten Geschmacksrichtung -, auf einem absteigenden Ast zu sein.

Anwärter für meine Sammlung

Quer durch die Toskana habe ich folgende Tassenausführungen oder Labels entdeckt.

Rionegro in der Bar Bollati in Lucignano, 2017

 

Mokaarra im Caffe dei Bani in Firenze, 2017

 

Caffe Silva in Lucca

 

Mexico in der L´Oste di Lucca in Lucca

 

Caffe GM im Il Casello in Pienza

 

Nannini im Nannini am Campo in Siena

 

Cafe Manganelli in Siena 2017

Sandy in der Bar el Duomo in Arezzo, 2017

 

Zwei Empfehlungen

In Arezzo findet sich das Caffe dei Costanti, das nicht nur mit einem eigenen River-Label begeistert. Die Wurzeln reichen wohl bis zum Jahr 1805 zurück, noch heute ist viel von dem alten Charme zu spüren. Damals herrschten die Habsburger in der Toskana, sie wurden aber von Napoleons französischen Truppen überrannt. Wer innen sitzt, könnte sich aber auch in Wien oder Budapest verorten. Auf Tripadvisor gibt es mit 3,5 Punkten aktuell eine überdurchschnittliche Bewertung.

Eine River-Variante im Caffe dei Costanti in Arezzo, 2017

Caffe dei Costanti

Caffe dei Costanti

In Montepulciano habe ich die legendäre Terrasse des Caffe Poliziano besucht, die einen außergewöhnlichen Blick in die Ebene und Weite ermöglicht. Das Poliziano, auf der Homepage findet sich die Jahreszahl 1764, ist ebenfalls ein besonders Caffe. Es leidet allerdings an den Touristenströmen, die sich wohl alle entlang der Shops hoch zum Palazzo Communale wälzen. Die Unruhe im Caffe durch Kommen und Gehen ist jedenfalls immens. Dafür fällt auch hier die Illy-Tasse auf, die mit einer eigenen Untertasse und dem Hinweis 1868 bis 2018 = 150 Jahre ausgestattet ist.

Illy-Variante im Caffe Poliziano in Montepulciano, 2017

Die hauseigene Poliziano-Untertasse, 2017

Caffe Poliziano

Das Innenleben des Caffe Poliziano, 2017

Eine hammermäßige Illy-Tassen-Sammlung, überwiegend die Sondereditionen, im Caffe Poliziano

 

 

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Besuch bei Mokarabia in Bologna

Der Besuch in der Rösterei von OCI-Mokarabia – OCI steht für „One Coffee Industries“ – im norditalienischen Bologna ist ein Glücksfall. Zwar herrschen in der Produktion Ferien, aber Barbara Villa vom Kundenservice ist bereit, durch die Rösterei zu führen.

Barbara Villa begrüßt bei Mokarabia in Bologna und führt durch die Rösterei

Gut 8.200 Tonnen Rohkaffee werden pro Jahr hier von gut zwölf Mitarbeitern verarbeitet, teils aus eigenem Anbau. Importiert wir aus Zentralamerika und Brasilien, Afrika und Südostasien. Das Ergebnis kommt unter den Labels Mokarabia, Cafeteria Roversi, Caffe Arabes sowie caffè Ruffo als blend oder reiner Arabica auf den Markt.

Wachstum bei HoReCa

Ein besonders stark wachsendes Segment ist die Sparte HoReCa, die für die Vertriebslinie Hotel/Restaurant/Café bzw. im italienischen für Hotel/Restaurant/Bar steht. Aktuell wird mit der Kaffeedose „Mokarabia 1951“ mit Arabica-Bohnen geworben. Zusätzlich werden die Kooperationen mit der italienischen eismann-Niederlassung mit teils exklusiven Produkten oder dem Handelsriesen Metro ausgebaut. Hergestellt werden Kaffee-Kapseln für das hauseigene Mokarabia-Kaffeesystem in den drei Ausführungsgrößen Professionell, Office und Home. Darüber hinaus werden Kapseln, die mit den Systemen Nespresso oder Nestle kompatibel sind, in den Ausführungen Arabica, Classic, Strong und Decaffeinato produziert. In die Convenience-Reihe gehören außerdem Coffee-Pads aus Papier (33×44 mm).

Geröstet wird in italienischer Technik von Petroncini, zuletzt stattliche 8.200 Tonnen im Jahr.

 

Da lacht das Siebträger-Herz.

 

Kapseln sind das neue Gold; Mokarabia verstärkt das Engagement im Bereich HoReCa

 

Mit teils exklusiven Produkten wird die Partnerschaft mit eismann ausgebaut

 

Vollautomatische Konfektionierung und Verpackung

Globale Präsenz von Mokarabia

Mokarabia ist in Italien sowie in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Kroatien mit eigenen Niederlassungen präsent. Darüber hinaus sorgen 16 weltweite Mokarabia-Dealer für eine Präsenz von Nord- und Südamerika, über Europa und Ägypten, Katar und Madagaskar sowie China. Mehr als zwei Drittel des Geschäfts wird in Europa abgewickelt, der Rest fällt zu fast gleichen Teilen auf die anderen Regionen. Zur starken Präsenz im katarischen Doha wird Mokarabia-Chef Luca Giani zitiert: „Mokarabia Coffee Bar is a perfect demonstration of quality and italianness.“

Während Barbara Villa durch Rösterei und Verkostungsräumen führt, kann man sich den Rösterduft vorstellen, der hier während der Betriebszeit herrschen muss. Zum Schluss kredenzt sie noch einen Espresso mit aktualisiertem Logo und zeigt noch einige Schätze aus der hauseigenen Sammlung.

 

2016 war das Jahr der Neupositionierung; auch die Espressotasse wurde relauchned. 2017.

 

Aus der Tassenschatzkammer von Mokarabia; 2017

 

Für Decaf-Liebhaber, 2017.

 

Für Nostalgiker, die an das Gründungsjahr 1951 zurückdenken; 2017.

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Überraschung bei Rösterei Alber

Abseits von City und shoppenden Touristen sorgt die Rösterei Alber in Leipzig für eine ordentliche Überraschung. Etwas versteckt in einem alten Industrieareal geht Ronny Alber mit Leidenschaft seinem Handwerk nach. Leider gibt es keinen regulären Ausschank, dafür berichtet er ausgiebig über seine Philosophie, die sich verkürzt als „einfach und gut“ zusammenfassen lässt.

Wer suchet, der findet: Kaffeerösterei Alber in Leipzig

In der Rösterei Alber wird mit einer Toper gearbeitet.

Dazu zählen bei ihm ausgesuchte Kaffeebohnen aus naturfreundlichem Anbau von Kleinbauernkooperativen, nicht rösten bis zum Limit, sondern in überschaubaren Mengen, verpackt in maximal 500 Gramm. Albers Prinzip: „Eine geöffnete Packung muss in ein paar Tagen leer sein, sonst verliert sie ihren Geschmack.“ Einfach und klar ist auch die Preispolitik, einen Preis für 250 Gramm, einen für das halber Kilo.

Klare Programm- und Preispolitik.

Bobolink Espresso und Espresso A1

Als erstes kam Bobolink Espresso in Mühle und Maschine, der mit einer kräftigen, haselnussbraunen Crema aus der Maschine rinnt. Der Rums beim ersten Schluck bleibt weg, von strenger Röstung keine Spur. Stattdessen ist der Espresso samtig und nussig mit leichter Säurenote. Ein leichtes und trotzdem komplexes Geschmackserlebnis, wofür der brasilianische Arabica vier von fünf Punkte gibt.

Der Espresso A1 ist eine Mischung aus 2/3 Arabicabohnen aus Brasilien und 1/3 Robusta aus Indien. Für meinen Geschmack gut und ebenfalls zu empfehlen, aber etwas zu streng geröstet. Dank Indien allerdings mit einer voluminösen Crema.

Einfachheit als Programm

Vertrauen versus Fake

Für den Verbraucher ist der Griff zu Alber-Röstungen – man kann auch online bestellen – eine gute Entscheidung. Nachhaltigkeit und Produktion im Einklang mit der Natur gelten für einen bewussten Konsum als weiterer Pluspunkt. Allerdings: Angesichts der Vielfalt der Röster trifft man die meisten nur ein oder zweimal – ein Vertrauen, wie zu einem Stammhändler kann sich so nicht aufbauen. Also braucht es Krücken, weil auch etwa die deutsche industrielle Landwirtschaft ein naturnahes Arbeiten für sich proklamiert und von Agrarindustrie nichts wissen will.

Krücken können sein: Etablierte Siegel, wie Fairtrade, die leider mit viel Bürokratie und Zusatzkosten verbunden sind. Dafür lassen sich dann auch Menge, FairTrade-Dividende für die Kooperative oftmals nachvollziehen. Das fehlt leider – nicht nur bei Alber, sondern den meisten deutschen Röstern.

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Ganze Bohnen im Trend

Im vergangenen Jahr lag bei Verbrauchern in Deutschland die ganze Bohne besonders stark im Trend. Von den gut 162 Litern, die der Deutsche Kaffeeverband als jährlichen Pro-Kopf-Konsum ausweist, verbucht die ganze Bohne mittlerweile einen Marktanteil unter den Röstkaffeesegmenten von knapp einem Viertel. Den Löwenanteil nimmt nach wie vor der gemahlene Röst- bzw. Filterkaffee mit 62 Prozent ein.

Ganze Bohne umfasst die Produktgruppe „Ganze Bohne klassisch“, die vorwiegend in Vollautomaten und für die Herstellung von Filterkaffee Verwendung findet, sowie die Kategorie „Ganze Bohne Espresso/Caffè Crema“, die für den Einsatz im Siebträger und im Vollautomaten geeignet ist. „Bei der Zubereitung von Filterkaffee, Caffè Crema, Espresso oder Kaffeemilchspezialitäten achtet der Verbraucher neben Convenience auch auf hohe Qualität. Aufgrund des gestiegenen Qualitätsbewusstseins der Konsumenten wird der Röstkaffee zu Hause immer häufiger erst kurz vor dem Brühvorgang gemahlen“, so Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbandes. „Dies spiegelt sich in der positiven Entwicklung des Segmentes ‘Ganze Bohne’ wider.“

Der deutsche Gesamtmarkt Kaffee 2016. Grafik Kaffeeverband

Kaffeekapsel & Co.

Kaffeekapseln konnten im vergangenen Jahr um 3,9 Prozent über die Vertriebsschiene Lebensmitteleinzelhandel und Online-Shopping zulegen. Gleiches gilt auch für den Konsum von Kaffeepads, die einen Anstieg von 2,9 Prozent verzeichneten. „Die Kaffeezubereitung ‘auf Knopfdruck’ mit Pads, Kapseln oder auch dem Vollautomaten ist nach wie vor sehr gefragt. Sie entspricht dem Wunsch der Verbraucher, Kaffee unkompliziert, in passenden Portionsgrößen und bei gleichbleibend hoher Qualität zubereiten zu können“, erklärt Holger Preibisch.

Die Entwicklung des Röstkaffeemarktes iN Deutschland im Jahr 2016. Grafik: Kaffeeverband.

Außer-Haus-Konsum verzeichnet Absatzplus

Das schwarze Gold wird zunehmend auch außerhalb der eigenen vier Wände nachgefragt. Der Kaffeeverband beziffert das Absatzplus des deutschen „Out of Home“-Markts für Kaffee auf 5,2 Prozent. In diesem Segment ist der Kaffee-Ausschank in Bäckereien, Cafés, Restaurants, Hotels, Coffeeshops/-bars, Kantinen, am Arbeitsplatz und im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung gebündelt. Darin enthalten sind also auch die boomenden to-go-Geschäfte, die in den Städten für zusätzliche Müllberge sorgen. Auch wenn der Kaffeeverband etwa aus hygienischen Gründen ein Mehrwegsystem kritisch sieht und eine Extra-Steuer auf Einwegbecher ablehnt. Das Umweltbundesamt kritisiert deutlich den Trend zum „Coffee to go“. Es sieht darin einen Grund, warum in Deutschland immer mehr Verpackungsmüll anfällt.

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Indie Plantation AA von Blueberry Roasters

Bohnen aus Indien, wie Indie Plantation AA von Blueberry Roasters , probiere ich immer gern. Entdeckt wurden sie im Cafe Borowka, skizziert bei der Breslau-Tour Espresso-in-Breslau. Die Sorte stammt laut Röster-Angaben aus Bio-Produktion, das Engagement für nachhaltige Landwirtschaft verdient grundsätzlich einen Pluspunkt.

Indie Plantation AA von Blueberry Roasters zu Haus probiert.

Indie Plantation AA

Die reine Arabica-Auswahl mit einer „AA“-Authentifizierung wird mit einer süßlichen Karamell-Note und einem Nachgeschmack mit grünen Apfel beschrieben. Ich habe das indische Kilo gern getrunken. Die Arabica-Crema verdient 3 Punkte, für den Geschmack gibt es 4 von 5. Die Bohnen sind angenehm dunkel geröstet und haben tatsächlich am Ende eine Säurenote – ob das grüner Apfel ist, sollen andere Poeten klären. Allerdings finde ich, der Espresso hat insgesamt einen schlanken Körper, die letzte Komplexität, die manche andere Röster in die indischen Bohnen zaubern, habe ich vermisst. Aber die Packung beschreibt den Body selbst mit 2 von 3 Einheiten.

So kommt der Indie Plantation AA aus meiner Maschine

Trotzdem interessant und schade, dass ich mir nicht mehr Bohnen und auch andere Sorten mitgenommen habe. Auffällig sind übrigens die farbigen Ethno-Logos für die einzelnen Sorten, die gelungen Aufmerksamkeit wecken.

Bohnen-Auswahl im Cafe Borowka mit schönen Etno-Logos

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