Lavazza im Anno 1900 in Weimar

Weimarer Klassik, Weimarer Republik oder auch eine Tasse Lavazza im Cafe & Restaurant Anno 1900  – es gibt viele Gründe Weimar, abseits der automobilen Hauptschlagadern der Republik die einstige Hauptstadt Thüringens, zu besuchen. Ehrlich gesagt bin ich dort schon einmal vor zehn Jahren gewesen, an den Espresso konnte ich mich aber nicht erinnern. Wohl aber an den Wintergarten, der einst zum angrenzenden Hotel Chemnitius gehörte, dem heutigen Hotel Anna Amalia. Und: Man konnte damals dort noch zum Espresso rauchen.

Das kleine Städtchen vereint kompakt ein breites kulturelles und museales Angebot, aber auch das Flanieren durch die Altstadt hat seinen Reiz. Und so stößt man unweigerlich auf das Anno 1900, in dem einst auch Franz Kafka oder Max Brod gesessen haben sollen.

 

Gerettete Geschichte

Eröffnet wurde der Wintergarten allerdings schon Anno 1890, 1920 bewirtete dort die Chemnitus-Schänke eigenständig ihre Gäste. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde der Wintergarten mit Außenputz und Spitzdach verhunzt, danach folgte eine Karriere als Studenten-Mensa. Zwei Jahre nach der Wende wurde das Objekt privatisiert, nach alten Bauplänen wieder hergerichtet und 1994 als Anno 1900 eröffnet.

Das Anno 1900 in Weimar ist einen Besuch wert.

Das Anno 1900 in Weimar ist einen Besuch wert.

 

Von der Küche wird viel geschwärmt, zum Essen war allerdings keine Gelegenheit. Dafür hat der Espresso im besten Sinne überrascht. Zum einen, weil in guten Küchen der Espresso erfahrungsgemäß überproportional mäßig ist. Zum anderen, weil das Massenphänomen Lavazza besonders häufig „äußerst unsachgemäß“ zubereitet wird. Es ist, wenn ich mich richtig entsinne, der einzige Espresso, den ich einmal in einen Blumentopf und einmal in Frankreich in einem Garten unter dem Tisch entsorgt habe.

Für den Espresso im Anno 1900 gebe ich für die dunkelnussbraune Crema die volle Punktzahl von fünf, für das Geschmackserlebnis stattliche vier Punkte. Man sitzt in dem wiederhergestellten Ambiente sehr schön, die Gäste- und Servicekultur – auch das ist in einer touristischen Hochburg nicht selbstverständlich – außergewöhnlich.

 

Das Innenleben des Anno 1900

Das Innenleben des Anno 1900

 

Hier versteht man das Handwerk: Für mich Benchmark in Sachen Lavazza

Hier versteht man das Handwerk: Für mich Benchmark in Sachen Lavazza

Das Schreiben der Anderen zum Anno 1900

Ganz falsch kann ich mit meiner Einschätzung übrigens nicht liegen. Der Spiegel empfiehlt in Der perfekte Tag in Weimar ebenfalls das Anno 1900 zur „Rast am Mittag“. Nachträglich habe ich auch erfahren, dass Mitinhaberin Anna Horwitz die Gattin des deutsch-französischen Schauspielers Dominique Horwitz ist und bin auf ein Feinschmecker-Interview mit ihm gestoßen. Bei einer Entdeckertour durch Deutschland, quasi eine „D-Espresso“-Tour, berücksichtigen.

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Hamburger Becking-Espresso mit Crema

Hamburg und Espresso-Bohnen von Becking-Kaffee waren für mich bislang wie Espressolust und eine amerikanische Kaffeekette – ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass es irgendwie eine Verbindung gibt; sprich: einen guten Grund, dort mal vorbeizuschauen. Das mag auch daran liegen, dass die Hamburger Kaffeerösterei in ihrem exponierten Backsteinbau in der Speicherstadt einfach immer auf dem Weg des Besuchers der Hansestadt liegt. Becking hatte ich gar nicht auf dem Radar. Dazu kommt: Ich habe mal von einer Espressoverkostung bei Becking ein Foto gesehen und angesichts der cremalosen Tassen abgewunken – eine persönliche Marotte.

Nun habe ich drei Varianten der Rösterei probiert, den Espresso Vellutato No. 6, den Espresso Temperamento und Monsooned Espresso – allesamt als „100% Arabica“ klassifiziert. Als erstes hatte ich den Vellutato, italienisch für „samtartig“, in der Tasse. Für eine kräftig-dunkle Crema musste ich gar nicht viel an der Mühle herumspielen, um auf meiner Crema-Skala 4 von 5 Punkte zu vergeben. Auch die kakaoartige Note im Geschmack hat 4 Punkte verdient. Der Temperamento hatte dagegen weniger Temperament, für die Crema gebe ich 3 Punkte, für die „Komposition aus den … Anbaugebieten Mittel- und Südamerikas“ auch nur 3. Viele probierte Amerikaner, als Mischung oder Plantagenkaffee, haben mich bislang nicht überzeugt. Dafür fand ich den Monsooned Espresso richtig kultig, 4 Punkte für die haselnussbraune Crema, 5 Punkte für den karamellig-aromatischen Geschmack.

Start frei zur Geschmacksprobe aus dem Hause Becking

Start frei zur Geschmacksprobe aus dem Hause Becking

 

Für mich der Knüller aus der Rösttrommel von Becking: der Monsooned Espresso

Für mich der Knüller aus der Rösttrommel von Becking: der Monsooned Espresso

 

Ordentlich, aber der Schwächste von den drei Päckchen - der Temperamento.

Ordentlich, aber der Schwächste von den drei Päckchen – der Temperamento.

Monsooned Espresso

Becking bezeichnet auf seiner Homepage den Monsooned Espresso als „echte Rarität“. Bei dem Monsooning-Prozess wird der Rohkaffee während des Monsuns Wind und Regen ausgesetzt, der dadurch stark aufquillt. Diese Feuchtigkeit, die bis zu 20 Prozent erreichen kann und die Kaffeekirsche von strohbraun bis ins gelbe verfärbt, sorgt für einen besonderen Geschmack. Für dieses spezielle Monsooned-Verfahren werden sieben bis zehn Wochen benötigt.

Das Verfahren ist eigentlich ein Zufallsprodukt. Früher war der Kaffee aus Indien auf dem wochenlangen Transport per Segelschiff quasi zwangsläufig den Witterungseinflüssen ausgesetzt. Davon kann in der modernen Logistikkette keine Rede mehr sein. Um den Monsooned-Geschmack zu kultivieren, setzen indische Bauern dieses Verfahren gezielt ein. Typischerweise kommt dieser Kaffee aus der Region Malabar von der südlichen Westküste Indiens, und wird etwa auch von den Röstern Coffeepolitan als Monsooned-Malabar oder bei der Schweizer Spezialitätenrösterei derkaffee als Monsooned Malabar Indien angeboten.

Und auch das noch zu Becking

Becking verarbeitet seit 1928 Kaffeebohnen und dürfte damit zu den alten Hasen der Röstermanufakturen gehören. Mein Monsooned-Favorit wird alt-italienisch bei fast 32 Minuten und knapp 205 Grad geröstet. Der Kilo-Preis von gut 30 Euro liegt für mein Budget allerdings schon an der obersten Kante. Rösterei und Laden finden sich in Hamburg Bahrenfeld, haben allerdings nur von Montag bis Freitag geöffnet. Kommt in jedem Fall auf meine Besuchsliste.

P.S. eine kleine Nörgelei:

Vertrieb von guten Produkten ist eine ehrenhafte Sache, aber Becking hat das in guter hanseatischer Kaufmannstradition vielleicht etwas übertrieben. Laden, Shop, aktuell allein 117 Edeka-Läden usw. – das ist alles in Ordnung. Skeptisch bin ich bei der Online-Krake Amazon, weniger wegen der Händlerkonditionen als vielmehr wegen der Online-Macht bei gleichzeitiger Steuerminimierung (was ziemlich untertrieben ist). Die Übermacht im Online-Handel verdrängt allerdings die anderen kleinen Internetanbieter und reduziert so Vielfalt. Vielfalt allerdings ist – beim Espresso aber auch sonst – ein Wert an sich.

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Cafe Espressee in Hermannstadt kultiviert Pascucci

Im Prinzip hätte ich fast alles getrunken; dass ich im rumänischen Hermannstadt allerdings ein Hotelzimmer direkt neben dem Cafe Espressee hatte, war ein ausgesprochener Glücksfall. Denn nach fast einer Woche mit einem Esel durch die rumänischen Karpaten – in dieser Zeit gab es nur Wasser oder Tee – war die Espresso-Lust groß. Hinzu kam ein lauer Sommerabend, an dem ein perfekter Espresso mit Crema satt serviert wurde. Ich hatte vorher den Barista vom Espressee gebeten, mich mit ordentlicher Crema zu versorgen. Das sei bei ihnen Standard, wurde mir entgegnet.

Hier wird im Cafe Espressee Espresso zelebriert

Hier wird im Cafe Espressee Espresso zelebriert

 

Gastraum des Cafe Espressee

Gastraum des Cafe Espressee

 

Eingang zum Cafe Espressee

Eingang zum Cafe Espressee

Welche Bohnen aus dem Hause Pascucci zum Einsatz kamen, konnte ich allerdings nicht erfahren. Allerdings war das Ergebnis deutlich besser, als ich es etwa aus dem Cafe Pascucci in Leipzig kenne. Im rumänischen Espressee scheint man sich aber ausgiebig mit den Möglichkeiten zu beschäftigen, Espresso geschmacklich auszureizen. Dafür steht der hauseigene Training-Room, in dem Kurse angeboten werden. Auch die Kaffeekarte bietet mehr, als nur die Klassiker Espresso, Cappuccino oder Latte Macchiato.

Mal richtig wohltuend: Keine bloßen Sprüche, sondern Selbstverpflichtung.

Mal richtig wohltuend: Keine bloßen Sprüche, sondern Selbstverpflichtung.

 

Pascucci im Echtbetrieb

Caffe Pascucci, Leipzig (2010)

Caffe Pascucci, Leipzig (2010)

 

(möglicherweise Berlin, 2011)

(möglicherweise Berlin, 2011)

 

Pascucci Leipzig, 2014

Pascucci Leipzig, 2014

 

Caffe Pascucci, Leipzig, 2016

Caffe Pascucci, Leipzig, 2016

 

Cafe Espressee im rumänischen Hermannstadt (2016)

Cafe Espressee im rumänischen Hermannstadt (2016)

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Lavazza im Cafe Cavallo in der Wiener Neustadt

Auf Anhieb fallen mir nur drei gute Gründe ein, nach Niederösterreich in die Wiener Neustadt zu fahren: Erstens der im Kern spätromanische Dom, zweitens der Weg zu den Weißen Eseln im nahen Nationalpark-Neusiedlersee-Seewinkel und drittens das Cafe Cavallo. Es findet sich – ohne eigene Homepage in der Cafeliste, die die Stadt für Besucher zusammengestellt hat.

Vier Kilometer Spaziergang ohne Espresso führen zu den Weißen Eseln.

Vier Kilometer Spaziergang ohne Espresso führen zu den Weißen Eseln.

Die - optisch - außergewöhnlichsten Esel

Die – optisch – außergewöhnlichsten Esel

Das Cavallo war eine Zufallswahl, eher obwohl Lavazza ausgeschenkt wurde. Bei den großen Caferöstern, wie eben Lavazza, Illy oder Segafredo, bin ich bereits häufig enttäuscht worden. Letzter Tiefpunkt im markeneigenen Shop von einem der drei: Für einen weiteren Espresso wurde einfach das Kaffeemehl ein zweites Mal genutzt.

Der Lavazza im Cavallo war allerdings außerordentlich, mit tiefbrauner Crema und einem ausgewogenen Geschmack, dass es einfach eine Freude war. Wer sich also tatsächlich mal in diese Gegend verirrt, sollte ihn dort unbedingt probieren.

Die Cafe Bar Cavallo in der Wiener Neustadt

Die Cafe Bar Cavallo in der Wiener Neustadt

 

Ein Lavazza in der Tasse, der empfehlenswert ist (2016)

Ein Lavazza in der Tasse, der empfehlenswert ist (2016)

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Cafe Meier im österreichischen Linz

Hier sollte man auf alle Fälle einkehren: Das Cafe Meier am Linzer Pfarrplatz ist ein Pflichtbesuch für den Cafe-Freund. Selbst wenn bei schönem Wetter die Außenbestuhlung besetzt ist, auch im Inneren des Cafes lässt es sich außergewöhnlich angenehm sitzen. Da das Rauchverbot im Sommer 2016 noch nicht vollzogen ist, kann im oberen Raum zum Espresso noch geraucht werden. Das zählt ja mittlerweile europaweit zu eher seltenen Erlebnissen.

Espresso und Zigarette im Cafe Meier, Linz (2016)

Espresso und Zigarette im Cafe Meier, Linz (2016)

Etwas bescheiden wird mit einer kleinen Info – nicht in der Karte – sondern auf dem Kartenständer auf die hauseigene Rösterei hingewiesen. Sortenreine Arabica-Bohnen u.a. aus Indien, Mexiko oder Äthiopien. Die drei Espressi, die ich dort probiert habe bekommen geschmacklich die Topnote 5 (Indien), Honduras 4 und 3 für den Mexico-Chiapas. Für die Crema erhalten alle die schwer enttäuschende Note 1, also Crema nahezu nicht in der Tasse zu entdecken.

Der Raucherbereich des Cafe Meier, Linz

Der Raucherbereich des Cafe Meier, Linz

Im oberen Gastraum im Cafe Meier kann noch geraucht werden.

Im oberen Gastraum im Cafe Meier kann noch geraucht werden.

 

Der untere Gastraum mit Theke.

Der untere Gastraum mit Theke.

 

Blick auf das Cafe Meier mit Rösterei auf dem Linzer Pfarrplatz

Blick auf das Cafe Meier mit Rösterei auf dem Linzer Pfarrplatz

Leider, denn sicherheitshalber habe ich mir die indische Röstung zum Testen daheim mitgenommen. Und erwartungsgemäß kommt neben einem ausgezeichneten Geschmack auch einer Top-Crema aus der Maschine. Das Drama vor Ort am Linzer Pfarrplatz: Die Mühle ist wohl zu grob eingestellt. Schade, dass im Ladenverkauf nur 250 Gramm-Päckchen (India: 6,40 Euro) zu bekommen sind. Im Internet gibt’s auch ein Bohnenkilo für 25 Euro. Gefühlt, die obere Preisgrenze, aber durchaus gerechtfertigt.

 

Egal: Linz ist immer wieder einen Besuch wert, Altstadt, das Kunstmuseum Lentos oder das international renommierte Multimediamuseum Ars Electroniva  (AEC) sind gute Gründe für ein anregendes Wochenende. Zumal die alte Stahlstadt an vielen Ecken und Enden, etwa auch mit der Revitalisierung der alten Tabakfabrik zu einer Brutstätte für Kultur- und Kreativwirtschaft, engagiert den Wandel der Landeshauptstadt Oberösterreichs vorantreibt und bereits als UNESCO City of Media geadelt wurde.

Und auch das Cafe Meier ist ein lohnenswertes Ziel. Vielleicht wird ja bereits an der Theke die Espressomühle besser eingestellt.

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Kein Leipziger Allerlei: Rösterei Ganos

Mindestens einmal im Jahr bin ich in Leipzig und mache einen Abstecher in die Kaffeerösterei Ganos. Einen guten Steinwurf von der Thomas-Kirche entfernt, in der einst Johann Sebastian Bach als Kantor dem Brot-und Butter-Geschäft nachging, findet sich am Dittrichring der Röstbetrieb.

Kaffeerösterei Ganos mit historischer Fassade

Kaffeerösterei Ganos mit historischer Fassade

Der Probat-Röster bei Ganos

Der Probat-Röster bei Ganos

Die Neugier treibt mich immer rein, vorbei an dem Probat-Röster eines deutschen Maschinenbauers, oft vorbei an vielen Kunden, um dann doch vor den vielen Sorten ratlos an der Theke zu stehen. Es soll etwas mit ordentlicher Crema sein, ein kräftiger, nicht zu dunkler Geschmack und einfach Lust auf mehr machen. Mehr wird es bei mir immer, aber nur, weil ich nicht deutlich erklären kann, was ich will.

Probieren geht über Studieren

Zumindest bekomme ich nicht das, was ich mir wünsche. Oft sind es drei oder vier Espressi, in einer Viertelstunde, das geht manchmal auf die Pumpe. Das letzte Mal habe ich die Arabica-Robusta Espresso Hausmarke probiert, danach mir den Kaffee Indien Malabar Monsun als Espresso zubereiten lassen und schließlich den Espresso Kolumbien. Die habe ich mir aus dem vollen Eckregal rausgesucht, ich weiß gar nicht, wie viele Sorten Ganos anbietet. Für den geneigten Besucher gilt die chinesische Mahnung: „Viele Gewürze verwirren den Geschmack, viele Farben blenden das Auge.“ Ich kann da keine sinnvolle Probier-Strategie entwickeln.  Alles interessant, aber nichts, was mich persönlich beglückt hat. Schon die Crema fand ich ziemlich hell, bei einem hatte ich gar einen bitteren Abgang. Egal, das nächste Mal probiere ich weiter.

Immerhin: Bei einer Untersuchung von Ökotest im Jahr 2010 konnten die Leipziger „Ganos Melange“ mit einem „sehr gut“ punkten. Verglichen wurden die Röstprodukte kleiner und mittlerer Röstbetriebe im Vergleich zu den großen Platzhirschen. Auffallendes Ergebnis der Tester damals: „Wir sind zufrieden – vor allem mit den Produkten der kleinen Röster. In der überwiegenden Zahl der Kaffees waren nur sehr geringe Schadstoffmengen.“ Dabei geht es etwa um den potenziell krebserregenden Schadstoff Acrylamid – der beim Rösten entsteht – auch bekannt aus Chipstüten und Pommesfriteusen. Die Diskussion, was nun „potenziell“ für den Alltag bedeutet, führe ich hier allerdings nicht.

Ganos im Echtbetrieb

Ganos-Tasse in der Rösterei, 2015

Ganos-Tasse in der Rösterei, 2015

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Espresso in Nürnberg: Kaffino

Auf dem Weg zum Nürnberger Planetarium habe ich einen Schlenker durch die Altstadt gemacht und bin auf das Kaffino Kaffee & Maschinen (N, Karl-Grillenberger-Straße 20) gestoßen. Auf die Schnelle gab es einen Izzo-Espresso im Ausschank. Fachmännisch zubereitet, haselnussbraun mit einer schönen Crema in einer Mokarabia-Tasse.

Innen saß nur ein entspannter Zeitungsleser beim Cappuccino, ich habe die Sonne vor der Tür genutzt. Da gibt es vor dem Fenster nur einen Balken, um Wasserglas und Tasse abzustellen. Zum Hocken und Plauschen ungeeignet, für einen ordentlichen Espresso mit Zigarette (oder auch ohne) immer wieder besuchenswert. Zum Mäkeln gibt es natürlich auch etwas: Um 18 Uhr wird leider dicht gemacht, sonntags ist komplett zu. Schade.

"Außenbestuhlung" des Kaffino in Nürnberg. Für einen Espresso reicht es locker.

„Außenbestuhlung“ des Kaffino in Nürnberg. Für einen Espresso reicht es locker.

Auch so einen Espresso bekommt man in Nürnberg. Das Kaffino gehört allerdings eher zu den positiven Ausnahmen

Auch so einen Espresso bekommt man in Nürnberg. Das Kaffino gehört allerdings eher zu den positiven Ausnahmen

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Nürnberg: Cafe und Rösterei Bergbrand

Die schönste Art einen interessanten Espresso zu entdecken, ist ein unkontrollierter Gang durch eine Stadt. Das birgt Risiken, an versteckten, aber lohnenswerten Cafes in einer Seitengasse vorbei zu schlendern. Umgekehrt ist der Gang mit Google Maps vor der Nase für meinen Geschmack erlebnishemmend. So bin ich per Zufall in Nürnberg auf dem Weg zur historischen Touristenstraße Weißgerbergasse am südlichen Anfang auf das Cafe Bergbrand gestoßen. Vielleicht haben gerade die schlichte Aufmachung und die Tischchen außen aus groben Bohlen meine Aufmerksamkeit geweckt.

Last Minute Bergbrand-Espresso Ursprung

Es war leider schon kurz vor Schließung, aber die Wahl von fünf Espressi stimmte die Bedienung milde. Ich bin bei solchen Bestellungen immer etwas skeptisch – übrigens genauso, wie bei einem doppelten Espresso. Meine Urangst: Es gibt bei den Varianten doppelt oder zwei gefühlt nur die gleiche Menge Kaffeemehl mit doppelt so viel Wasser. Der servierte Espresso war mit leichter Creme solider Durchschnitt – vielleicht auch der Eile kurz vor Toresschluss geschuldet.

Bei Bezahlen an dem Holztresen hat mich der Blick auf die Probat-Rösttrommel noch einmal neugierig gemacht. Also habe ich mir zum Probieren daheim noch einmal ein Kilo „Ursprung“ mitgenommen, für den stolzen Preis von 28,80 Euro. Das ist für mein Kaufverhalten schon im oberen Bereich, gerade dann, wenn ich nicht weiß, was ich bekomme. Auf der Verpackung steht die Aufteilung 80% Arabica und 20% Robusta, mehr Info – außer Zubereitungstipps – finde ich nicht. Auf der Homepage werden sechs süd- und zentralamerikanische Kaffeeländer genannt, außerdem der Hinweis „nachhaltiger ökologischer Anbau“ und „fairer Handel“. Weiterführende Infos über die Schlagworte hinaus finde ich leider nicht. Der „Ursprung“ macht sich bei mir in der Maschine übrigens recht ordentlich und auf den ersten Eindruck besser als im Röstercafe – was mir persönlich immer schleierhaft ist. Vier für fünf Punkte hat er schon verdient.

Spontankauf: 1 Kilo Ursprung im Nürnberg Cafe Bergbrand

Spontankauf: 1 Kilo Ursprung im Nürnberg Cafe Bergbrand

 

Abgetrennt hinter einer Glastür: Die Probat-Rösttrommel.

Abgetrennt hinter einer Glastür: Die Probat-Rösttrommel.

Tasse im Echtbetrieb

Lockeres Sitzen an groben Tischen mit hauseigenem Bergbrand-Logo auf der Espresso-Tasse. Leider im Inneren der Tasse – und damit für das Sammlerregal eher ungeeignet.

Bergbrand im Bergbrand gibt es in Nürnberg auch im "Di Simo"

Bergbrand im Bergbrand, gibt es in Nürnberg auch im „Di Simo“ (Maxbrücke)

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Straßburg – der Espresso ist nicht entscheidend

Um nach Straßburg für ein verlängertes Wochenende zu fahren, gibt es viele Gründe. Meine Erfahrung nach dieser Zeit: Der Espresso gehört nicht zu den ersten Gründen. Das mag daran liegen, dass das Land von Cafe au Lait einen Espresso für einen kleinen Cafe au Lait ohne Milch hält. Neben diesem Vorurteil kann es aber auch daran liegen, dass ich einfach die verkehrten Cafes besucht habe.

Immerhin: lassen wir die Kirche im Dorf oder das Münster in Straßburg. Zurecht wurde die Altstadt auf der Insel des Flusses Ill, der Grande-Île, in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Im Spannungsfeld von französischer und deutscher Geschichte hat sich ein abwechslungsreiches Altstadtbild mit historischen Bauwerken unterschiedlichsten Typus entwickelt.

Entdeckt: Cafe Suspenders im Straßburger Franzosenviertel

Und wer beim Gang durch die Altstadt, genauer gesagt durch das „Franzosenviertel“ petit france, auf das kleine Cafe Suspenders stößt hat Glück. Nicht nur, weil es zu den wenigen Cafes gehört, die bereits um 9 Uhr morgens aufsperren. Der Espresso, der von einem Barista sorgfältig zubereitet wird, kann sich sehen lassen. Vielleicht eingefärbt von sonstigen Eindrücken gibt es hier für Farbe und Geschmack 5 Punkte. Den Cappuccino, der fachmännisch mit einer Blume serviert wird, habe ich nicht probiert.

 

Cafe Suspenders im Straßburger Franzosenviertel

Cafe Suspenders im Straßburger Franzosenviertel

 

Leicht zu übersehen: Das Cafe Suspenders

Leicht zu übersehen: Das Cafe Suspenders

 

Cafe Suspenders - klein, aber fein: Ein paar Plätze unten, ein paar Plätze im ersten Stock. W.C. im zweiten...

Cafe Suspenders – klein, aber fein: Ein paar Plätze unten, ein paar Plätze im ersten Stock. W.C. im zweiten…

 

Obwohl man der Intelligenz der Crowd zu Recht skeptisch gegenüber stehen kann, in diesem Fall kann das Urteil auf Tripadvisor als durchaus gerechtfertigt gelten. Suspenders konnte im Ranking einen stattlichen zweiten Platz einnehmen – zu Recht.

Probiert in Straßburg

Im Coffee-Shop von Cafes Henri ist das Ambiente zwar einladend für einen Kaffeefreund, der servierte Espresso erinnert allerdings eher mit seiner hellen, schaumigen Crema an die Schweizer Schümli-Zubereitung. Dafür gebe ich nach einem Kurzbesuch und ohne zweite Tasse nur 2 wohlwollende Punkte. Die französische Rösterei Cafes Henri befindet sich seit der Gründung im Jahr 1949 im Familienbesitz und röstet im Norden von Straßburg in Hœrdt. Der Fokus auf Gastronomie, Großhändler und Gastronomieketten sowie auf die Möglichkeiten der Cafés Henri Kaffeeautomaten kann vielleicht als eine Begründung dienen.

Verschwiegen werden soll aber nicht, das sich etwa auf einem ausgedienten Schiff, dem Cafe Atlantico recht ordentlich frühstücken lässt. In der lokalen Boulangerie-Kette Paul lässt sich in der Rue des Francs Bourgeois, kurz vor dem Kleber-Platz, der Espresso nett im historischen Hinterzimmer mit alten Kacheln und Holz schlürfen (2 Punkte). In dem kultigen L‘Épicerie, eingerichtet wie ein Kolonialwarenlanden, war die Espressomaschine kurz vor Mitternacht schon aus. Zum Trost gab es einen Pinot Noir aus dem Elsaß und Tartine, in diesem Fall eine warme Scheibe Bauernbrot, bestrichen mit warmen Ziegenkäse, gerösteten Mandelscheiben und Honig. Sollte der Espresso so sein wie die Tartine, würde ich blind zumindest 4 Punkte geben.

Tassen im Echt-Betrieb

Notbehelf oder neu? Segafredo mal nicht in schwarz oder weiß, sondern im Wasserglas. Gefunden im Cafe Tapas.

Notbehelf oder neu? Segafredo mal nicht in schwarz oder weiß, sondern im Wasserglas. Gefunden im Cafe Tapas.

Frühstück im Cafe Atlantico

Frühstück im Cafe Atlantico

 

Auch ohne Espresso einen Besuch wert

Auch ohne Espresso ist das L‘Épicerie im Herzen von Straßburg einen Besuch wert

 

Schöne Tasse im sehenswerten Hinterzimmer der Boulangerie-Kette Paul

Schöne Tasse im sehenswerten Hinterzimmer der Straßburger Boulangerie-Kette Paul

 

Eisdiele im Touristen-Hochfrequenz-Gebiet direkt vor dem Münster

Eisdiele im Touristen-Hochfrequenz-Gebiet von Straßburg direkt vor dem Münster

 

Brosio-Tasse mit roten Schriftzug im Tasseninneren im "Petit Cafe"

Brosio-Tasse mit roten Schriftzug im Tasseninneren im „Petit Cafe“

 

"Reck Cafes"-Tasse im Cafe "Too Choco"

„Reck Cafes“-Tasse im Cafe „Too Choco“

 

 

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Experiment im Josephs mit Cold Brew Coffee

Das Nürnberger Josephs ist immer einen Besuch wert. Auch wenn sich in den Räumen eine fränkische Kaffeekette befindet, der eigentliche Grund sind die ausgestellten Ideen und Prototypen von Firmen. Sie wollen sich hier einem Härtetest unterziehen, also gute Urteile von Verbrauchern und Besuchern, die die Ausstellungsstücke testen. Die Service-Manaufaktur Josephs ist ein Experiment der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS.

Unter den aktuellen Exponaten findet man auch eine ausgereifte Anlage für Cold Brew Coffee. Sie ist anders als die do-it-yourself-Konstruktionen aus gängigen Haushaltsartikeln, bei der man oben sein kaltes Wasser reingießt und wartet. Hier gibt der Wasserbehälter nur tröpfchenweise das Wasser auf das gemahlene Kaffeemehl. Entsprechend beschaulich tröpfelt der kalte Kaffee in das Auffanggefäß – „Zen der Kaffeezubereitung“ schießt einem durch den Kopf.

Josephs Servicemanufaktur Nürnberg; Bei der Themenwelt "Reise und Freizeit" ist  auch das Prinzip "Cold Brew Coffee" zu sehen und zu probieren

Josephs Servicemanufaktur Nürnberg; Bei der Themenwelt „Reise und Freizeit“ ist auch das Prinzip „Cold Brew Coffee“ zu sehen und zu probieren

Cold Brew Coffee on the Rocks

Das eigentliche Problem ist das Whiskyglas Kaffee on the Rocks, das man zum Probieren hingestellt bekommt. Das ist nur mit zwei Eiswürfeln veredelt. Für jemanden, der nur zum Espresso greift und ein Kännchen Kaffee, Eiskaffee und ähnliche Produkte einfach stehen lässt, eine Härteprüfung. Es schmeckt nach kalten Kaffee, Besonderheiten lassen sich nicht entdecken, außer dem Versuch, das Produkt durch eine extravagante Zubereitung interessant zu machen. Auffällige Nebenwirkung: Selbst für einen erfahrenen Espressotrinker, der beim Herumstöbern es mal auf fünf Espressi pro Stunde bringt, ist Cold Brew Coffee eine Prüfung, die ans Herz geht. Der Blutdruck steigt beachtlich.

Cold Brew Coffee on the rocks, serviert im Nürnberger Josephs

Cold Brew Coffee on the rocks, serviert im Nürnberger Josephs

Das Kaffeekonzentrat Cold Brew Coffee gilt als besonders säurearm und damit für Menschen mit empfindlichen Magen als bekömmlich. Die Rede ist von etwa 70 Prozent weniger Säuren und Bitterstoffe bei dieser kalten Extraktion. Manche raten dann dazu, das Konzentrat wieder mit heißem Wasser aufzugießen oder mit einer Eiskugel zu servieren. Mit fehlt dazu die Phantasie. Einmal probieren reicht.

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