Die Milch machts!

Fast hätte der Besuch in der Hamburger Rösterei nicht geklappt. Denn so schön alternativ OpenStreetMap ist, es verzeiht keine Rechtschreibfehler. Das kann bei der Ditmar-Koel-Straße – oder war es Dietmar oder Köhl – schnell passieren. Nur dank eines analogen Blicks auf das Straßenschild wird klar, die Ditmar-Koel-Straße ist erreicht – und dann die Fassade mit der kultigen 50er Jahre Schrift Milch- Feinkost schnell entdeckt. Theoretisch gibt es zwar eine Homepage unter www.milchfeinkost.de. Bei Testaufruf lande ich aber immer bei Facebook – ein no go für den Facebook-Abstinenzler.

Rösterei Milch im guten 50er Jahre Look and Feel

Dreierlei Espresso

Im Ausschank gibt es dreierlei Espresso mit klangvollen Namen, wie „Elbvertiefung“, „Hamburger Rummel“ und „Tanzania Iyela“ (allesamt zwischen 6,50 Euro bis 8,50 Euro je 250 Gramm). Sie thronen auf den drei Mühlen auf der blau gekachelten Bar neben der futuristischen Spirit-Maschine, ein Kultdesign aus niederländischer Handarbeit aus dem Hause Kees van der Westen.

Echte, kleinteilige Handarbeit im Hause Milch

 

Die „Milch-Bar“

Die Elbvertiefung bekommt für eine solide Crema 3 von 5 Punkten, der Körper ist fruchtig und wird nach hinten überraschen größer (3 von 5). Tanzania hat eine deutlich hellere und schwächere Crema (2 von 5) und für die einfach fruchtige Note (2 von 5). Der Rummel hat durchaus knappe 5 Punkte für die Crema verdient, für den komplexen Geschmack 4 von 5 Punkten.

Anders als manchmal beschrieben röstet Inhaber Nico Ueckermann mittlerweile selbst in beschaulichen Größen. Der kleine Röster fasst gerade Mal zwei Kilo Rohbohnen und ist der offensichtliche Beleg für die Handarbeit rund um das schwarze Gold.

Leider ohne „Kult-Branding“

Ein schönes Cafe und eine Rösterei, deren Besuch lohnt. Man sitzt in dem reduzierten Ambiente angenehm. Obwohl ein ständiges Kommen und Gehen herrscht, sorgt es für keinerlei Unruhe. Das Hamburger Portugiesenviertel hat einen guten Grund auch ohne Hunger in diese Gegend zu kommen.

Pinocchio kann sich sehen lassen

Ein Kinderspiel ist es nicht, den Eingang am Rückgebäude zur Kaffeerösterei Pinocchio im niedersächsischen Wolfenbüttel zu finden. Doch dafür lohnt sich der Besuch in den engen Räumlichkeiten allemal. „Es ist die kleinste Rösterei Norddeutschlands“, sagt Röster und Cafe-Chef Jo Weigmann. Vielleicht meint er die Räume, vielleicht seinen Bohnen-Output von gerade mal vier Kilo pro Stunde, vielleicht meint „Jo, der Kaffeemann“ beides.

Pinocchio in Wolfenbüttel; wer diesen Hintereingang findet, ist am Ziel

Sieht man nicht oft: Lampendesign mit Saquella

 

In jedem Fall kann man sich im Pinocchio kaum sattsehen. Als erstes fällt die Lampe Marke Eigenbau auf, eine alte Kaffeebohnendose aus dem Hause Saquella. In Regalen, auf Fensterbrettern und an den Wänden finden sich zahlreiche alte Kaffeedosen, die mit Fleiß gesammelt werden. Dazwischen finden sich Kaffeemühlen und andere Trophäen der Sammlerleidenschaft. Der entsprechende Wahlspruch findet sich ebenfalls im Gastraum, gleich neben dem Porträt der 90-jährigen Eva aus einer Bar in Umbrien. Dort habe er das erste Mal an einer Kaffeemaschine gestanden. Ein älteres, 20-minütiges Video vom NDR, der noch Jo´s Zeit als rasender Kaffeeverkäufer in einem umgebauten Citroen finden sich hier. Seine früheren Touren mit dem italienischen Kultgerät Ape und seiner Schrauberarbeit an einem türksichen Trommelröster findet sich hier.

Innenleben vom Pinocchio

Pinocchios Leidenschaft

Caffé del Eva

Serviert wird der Caffé del Eva recht ordentlich, mit üppiger Crema, einem starken schokoladigen Körper, der sich weich und säurearm im Mund entfaltet. Der Espresso ist so gut, dass eigentlich ein Kilo für daheim fällig ist. Leider gibt es nur noch 500 Gramm, verteilt auf zwei Päckchen. In jedem Fall machen auch die hellen Bohnen einen guten Eindruck, die genau das am Ende aus der Maschine halten, was sie optisch versprechen. Das „Mäuseschwänzchen“ rinnt voluminös in die Tasse.

Das Aushängeschild: Caffé del Eva

Pinocchio´s Tassenbestand

Das Pinocchio hat leider keine eigenen Tassen. Dafür kramt Jo aus einer Schatzkammer in der Ecke eine Sonderausgabe aus dem Hause des sizilianischen Rösters Ionia hervor. 2012 wurde im naheliegenden VW-Stammwerk „50 Jahre Italien in Wolfsburg“ mit der Extratasse begangen. Ein seltenes Stück, von dem sich der Pinocchio-Chef nicht trennen will.

Special Edition von Ionia

Lessingfestival in Wolfenbüttel

Für manche könnte das schon ein Grund sein, Wolfenbüttel einmal aufzusuchen. Für andere könnte das diesjährige Stadtjubiläum ein Grund sein, die Lessingstadt einmal zu besuchen. Aufklärer Gotthold Ephraim Lessing schuf hier beispielsweise „Nathan den Weise“, ein Schulklassiker, der aber auch sonst noch einmal gelesen werden kann. Ihren berühmten Sohn feiert Wolfenbüttel vom 5. bis 26. Mai 2018 – näheres hier unter Lessingstadt Wolfenbüttel.

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Zuklappen und abhauen!!!

Der erste Reflex war abzusehen: Beim Blättern durch den Führer „Kaffeeröstereien in Bayern“ steigt unmittelbar das Gefühl auf, zuklappen und abhauen! Denn die Kaffeefibel, die über 100 Röstereien mit ihren Cafés vorstellt, macht große Lust, sofort die eine oder andere Rösterei zu besuchen. Die technischen Daten des 200-seitigen A5-Softcover-Werkes der Autoren Thomas Lederer, Markus Raupach und Bastian Böttner finden sich hier. Unter diesem Link findet sich auch eine Bestellfunktion, der leider zum eCommerce-Riesen Amazon führt. Angesichts der Vielfalt, die Röstereien bieten, plädiere ich auch in diesem Fall lieber online oder offline bei der Buchhandlung um die Ecke zu bestellen.

„Kaffeeröstereien in Bayern“; der neue Führer ist interessant, übersichtlich und kompakt.

Übersichtliche Doppelseite

Die aufgeführten Röstereien lassen sich nach Ort oder Namen finden. Neben einer kleinen Bilderstrecke von Röstern, Rösterei und Interieur findet sich ein kleiner Abriss des individuellen Werdegangs. Dazu lässt sich etwas über die persönliche Röstphilosophie, besondere Aroma-Vorlieben und bevorzugten Anbaugebieten nachlesen. Ein weiteres Textchen beleuchtet spezielle Facetten, etwa Micro-Lot, Direktimport oder die dritte Welle des Kaffees. Kontaktdaten, Öffnungszeiten, Tipps sowie Infos zu Kaffeeausschank, Cafébetrieb, Online-Shop sowie Seminar-Angebote stillen das letzte Infobedürfnis. Es bleibt nur noch der Besuch vor Ort übrig.

Eine Doppelseite für jede Rösterei mit vielen Informationen

Bayerns Rösterwelt ist riesig

Autor und Barista Thomas Lederer, der von Erlangen aus als Trainer und mit seiner mobilen Kaffeebar unter dem Namen roccamonte unterwegs ist, hat für das erste Handbuch bayerischer Röstereien über 7000 Kilometer zurückgelegt. Während Pingos Rösterkarte einen kompletten bundesdeutschen Kartenüberblick liefert – aber auch nicht mehr, sorgt „Kaffeeröstereien in Bayern“ für mehr Entdeckerlust durch informative Beschreibungen. Dafür fehlt in der Kaffeefibel die eine oder andere Rösterei, was allerdings nicht weiter stört. Weitere 40 Röster finden sich sortiert nach Orten mit Namen und Website zur weiteren Erkundung. Allerdings ist der Leser mit Röstereien in Örtchen wie Kolbermoor oder Ramerberg, von denen ich selbst noch nie etwas gehört habe, schon genug beschäftigt.

„Kaffeeröstereien in Bayern“ zuklappen und abhauen!

Bayern einmal ganz anders kennenlernen.

Das kleine Kaffee-ABC

Gerade für Einsteiger der Kaffee-Liebhaberei findet sich außerdem ein kleines Kaffee-ABC. Dort kann man sich rund um das schwarze Gold über Stichpunkte wie Anbaugebiete, Bohnen-Besonderheiten, Chlorogensäure, Liberica oder Röstgrad und vieles andere mehr kompakt informieren.

„Kaffeeröstereien in Bayern“ kaufen

Der Kaffeeführer ist im Verlag Guidemedia erschienen. Der hat sich bislang insbesondere mit Brauerei-, Bier- und Biergarten-Führern einen Namen gemacht. Dass sie auch Kaffee und Espresso können, haben sie mit den neuen Führer „Kaffeeröstereien in Bayern“ in Bayern bewiesen. Eine Kaufempfehlung – auch für Nicht-Bayern. Und dann: Zuklappen und abhauen!

 

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Tassen 2017 – Eine Nachlese

Gibt es so etwas wie ein gutes Tassenjahr? Also eine Anlehnung zur Hopfenernte oder den Maschinenbauern? Hier gibt es zumindest eine kleine Auswahl an Neuentdeckungen und Wiederbegegnungen aus dem vergangenen Jahr.

 

Tassen 2017 – Eine Nachlese

Der Drache von Varese im La Brasiliana Zambelli

Vielleicht ist es nicht ganz fair, über den Drachen von Varese im Caffè La Brasiliana Zambelli zu berichten. Alles in allem lohnt sich auch hier ein Besuch, wenn man in der lombardischen Provinzhauptstadt Varese unterwegs ist. Tatsächlich bin ich allerdings noch nie so eiskalt abserviert worden, als ich nach einer Tasse für meine Sammlung gefragt habe.

La Brasiliana Zambelli im Herzen von Varese

 

Gläserne Rösterei

Frisch geröstet im La Brasiliana Zambelli in Varese

 

Die italienische Röstmaschine

 

Imposant: Die italienische Röstmaschine im La Brasiliana Zambelli

Das Caffè mit gläserner Rösterei befindet sich im Herzen der Altstadt, die mit vielen kleine Plätzen und klassizistischen Wuchtbauten aufwarten kann. Geschützt unter Arkaden findet sich das Caffè La Brasiliana Zambelli, in dem gerade der La Brasiliana Super Miscela aus der tiefblauen Rösttrommel einen herrlichen Cafe-Duft verströmte. Der Röst-Mitarbeiter empfahl mir drei Sorten zum Probieren, bei der Tasse verwies er auf den Drachen an der Kasse. Mit insgesamt fünf Kilo Bohnen und vier Espressi für die Bar erkundigte ich mich auch nach einem neuen Sammlerstück – nicht nur vergebens, sondern im Ton frustrierend.

Der Espresso an der Bar, die bereits vorbereiteten Untertassen sprechen von einem üblichen Hochbetrieb, war sehr ordentlich, das Ambiente des 1932 eröffneten Unternehmens sehr ansprechend. Und der Super Miscela hat auch später in meiner Maschine jeweils vier von fünf Punkten für Crema und Geschmack bekommen. Die Bewerter bei Tripadvisor kommen auf eine Gesamtpunktzahl von 3,5 von 5 Punkten, 3 Punkte für Service. Vielleicht ein guter Mittelwert zwischen der Leistung an der Theke und an der Kasse.

Typisch italienischer Barbetrieb

 

Super Miscela in der Tasse

 

Das vermisste Sammlerstück

 

Kleine Produktauswahl für die heimische Maschine

Visit Varese!

Varese selbst ist eine kleine Uni-Stadt. Auffällig ist der auf der Straßenseite unscheinbare Palazzo Estense, der einst von Stendhal den Spitznamen „Versailles di Milano“ bekommen haben soll. Tatsächlich schaut die barocke Gartenanlage des 1771 fertiggestellten Bauwerkes eher wie eine Miniaturausgabe des Wiener Schloss Schönbrunn aus. Verpasst habe ist bei dem Kurzausflug den berühmten Sacro Monte di Varese. Der Heilige Berg gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO und soll mit seiner einmaligen Aussicht auf das idyllische Umland beeindrucken.

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White Bulldog – Hund auf Abwegen?

Es muss nicht unbedingt ein Hund auf Abwegen sein, wenn sich eine Bulldogge unter die Kaffeeröster mischt. Das gilt zumindest für die Nürnberger White Bulldog, die seit 2017 das Angebot an Coffee Roasters erweitert. Einen Steinwurf von den Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern der FAU-Uni entfernt, kam von dort schon viel Lob per FAU-Blog Meine FAU.

White Bulldog – ein Trendröster in Uni-Nähe

Säurebetont oder fruchtig

Im Ausschank ist Colombia El Buscador de Tolima, ein reiner Arabica, der leider nicht in einer gebrandeten Tasse sondern im Glas serviert wird. „Sehr säurebetont“, lautet mein erster Eindruck, doch Maxim Wagner, Sohn der White-Bulldog-Rösterfamilie klärt auf: „Fruchtig!“. Um mich zu überzeugen, gibt es El Buscador als Ristretto. Und der hinterlässt tatsächlich einen fruchtigeren Eindruck auf der Zunge. Beide Versionen überzeugen durch eine stattliche Crema, die im Glas besonders eindrucksvoll zur Geltung kommt.

Wohltuend ist auch der Hinweis an der Selbstbedienungstheke, den Kaffee zuerst einmal ohne Zucker zu probieren. Ich halte es für eine schlechte Angewohnheit beim Espresso, die nur dazu dienen kann, lieblose zubereitete Getränke geschmacklich erträglicher zu machen und so aufzuhübschen.

Selbstbewusst zeigt sich die Crema im White-Bulldog-Glas

 

Eine gute Form der Transparenz: Es wird sichtbar vor allen Augen geröstet.

White Bulldog Experiment

Neugierige können also im White Bulldog – und natürlich auch sonst überall – das Experiment wagen und auf Zucker verzichten. Die Bulldog-Familie lädt noch zu einem weiteren Experiment ein: Auf Basis eines Espressos wird ein Raffael-Caffee kredenzt, der mit Sahne und Vanille zubereitet wird. Dafür hat mir aber die notwendige Experimentierfreude gefehlt. In Summe aber ein schönes Café in der Altstadt, das bislang – häufig eine Rarität bei den Röstern – auch sonntags geöffnet hat.

Namensgebung

Bleibt noch die seltsame Namensgebung, die sowohl auf einen Hinweis auf die Rösterfamilie als auch auf das Kernprodukt verzichtet. Stattdessen wurde dem familieneigenem Lumpi ein Denkmal gesetzt. Daher finden sich wahrscheinlich so viele Bulldog-Konterfeis oder Porzellan-Hunde – auch das eine Frage des Geschmacks.

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Pingos Rösterkarte Update

Es hat wohl einigen Zoff um Pingos Rösterkarte gegeben. Zwischendurch hieß es sogar, die Karte wird vom Markt verschwinden. Gott sei Dank gibt es den Wegweiser für Espressofreunde nun in einer Version von Openstreetmap und findet sich nach wie vor über die Homepage der Hamburger Pioniere Quijote-Kaffee unter dem Reiter Röster kommt man zu Pingos-Rösterkarte. Die alte Google-Version, über die hier letztes Jahr berichtet wurde, ist damit obsolet.

Navigation zum Ziel

Links kann man sich durch die Karte navigieren, in spezielle Gegenden reinzoomen oder sich eine Liste bekannter Röstereien anzeigen lassen. Gesammelt wurden gut 750 Röster im ganzen Bundesgebiet, die man über die Stecknadeln in der Karte anklicken kann. In der Gesamtübersicht, die man sich auf der rechten Seite alphabetisch anzeigen lassen kann. Die Suche nach Röster-Namen funktioniert einwandfrei, die Suche nach Ortsnamen ist – als ich es probiert habe – anscheinend nicht angelegt.

Transparenz vor Wertung

Der Quichote-Anspruch zu maximaler Transparenz findet sich auch in der Karte wieder. Alle bekannten Kaffeeröstereien sind einfach und ohne wertende Beschreibung einfach von A bis Z aufgeführt. Angegeben werden Name und Anschrift, leider keine Internetadresse – das ist aber nur eine Frage der Bequemlichkeit. Keine Frage, die Karte ist einmalig und ermöglicht es einfach, sich einen Überblick im eigenen Großraum zu verschaffen. Außerdem kann natürlich beim Reisen quer durch die Rösterrepublik Deutschland die Route mit der Karte angepasst werden. Änderungen und Ergänzungen einfach an Pingo mailen.

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Gesundheit oder „Schlafen kannste, wenn du tot bist.“

„Vier Tassen Kaffee nützen der Gesundheit“, schreibt aktuell die FAZ und sorgt damit wohl für ein gutes Gewissen. Der Wissenschaftsredakteur bezieht sich auf eine Metastudie, die einmal mehr die gefühlte These unterstützt, dass täglicher Kaffee mehr nützt als schadet. Selbst die Feinde des guten Espressogeschmacks, allen voran ein oder gar zwei Stückchen Zucker könnten der positiven Wirkung keinen Abbruch tun.

Rezeptfrei zu bekommen

Weiter ist zu lesen, dass Koffein-Getränke – wahrscheinlich zählen auch die Gummibärchendrinks, also Energy-Drinks, dazu – „offenbar zur Risikominimierung“ beitragen. Die Rede ist etwa von Prostata- und Leberkrebs, Hautkrebs und Diabetes Typ 2, Gicht, bestimmten Leberzirrhosen und Gallensteinen. Die Rede ist sogar von positiven Zusammenhängen bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson.

Von der positiven Wirkung einer Genusskultur ist leider nicht die Rede. Umgekehrt ist sogar zu befürchten, dass der vielfach mäßig bis schlecht servierte Espresso vielleicht sogar Absicht gesundheitsbewusster Cafebetreiber ist. Der Abgrund des Espressos, ein Kaffee in kleiner Tasse, geht dann vielleicht als Therapeutikum durch und das Ganze ist ein Beitrag zur rezeptfreien Gesundheitsvorsorge.

kopiba´s Deathpresso – Schlafen kannste, wenn du tot bist

Für die Entdeckerliste sollte in diesem Zusammenhang auf alle Fälle das Hamburger kopiba stehen. Das Szenecafé ging 2009 als erste Rösterei im Schanzenviertel an den Start und bietet in seinem Shop ein breites Sortiment an Bohnen. Übrigens sogar ein kleines Sortiment an Rohbohnen, um den Trend zum Heimrösten entgegenzukommen.

Deathpresso in der kopiba im Hamburger Schanzenviertel lohnt sich auf jeden Fall

Weil es bei dieser Geschichte aber um Gesundheit geht, muss auf jedem Fall der St. Pauli Deathpresso Bio der kopiba Kaffeerösterei & Bar erwähnt werden. Ich hatte mir aus Hamburg ein Kilo (ca. 21 Euro) mitgenommen. Leider hatte ich nicht gewusst, dass der Totenkopf im Logo in Wirklichkeit ein Warnhinweis ist. Selbst als erfahrener Espressotrinker schaffe ich von dieser Sorte nur einen am Tag, dann fängt tatsächlich die Pumpe rasant an zu klopfen. Blutdruckmittel sind im Vergleich hierzu eine Spielerei. Aber wenigstens gibt es laut Wissenschaft keinen Prostata- und Leberkrebs.

Im Cafe kann man auch einen Blick auf den Röster im Nebenzimmer werfen

 

Eine der wenigen gelabelten Espressotassen – bei meinem Besuch wurde überwiegend im weißen Blanko-Porzellan serviert.

 

Eine „Tageslosung“ ist nicht nur den Kanzeln in den Kirchen vorbehalten.

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Rösttrommel Update

Ist von einzelnen Terroirs und Varietäten die Rede, gilt der erste Gedanke zunächst dem Wein. Tatsächlich ist, wie bei der Nürnberger Kaffeerösterei Rösttrommel zunehmend von Anbaugebieten für Kaffeebohnen die Rede. Seit Jahren wächst bundesweit die Zahl kleiner Röstereien auf derzeit etwa 600. In Mittelfranken dürften es bereits zwei Handvoll sein. Sie haben sich auf individuelle gegenüber der Industrie deutlich langsamere Röstverfahren spezialisiert. Außerdem versuchen sie Kaffee- und Espressobohnen zu rösten, die statt auf Kontinuität auf Individualität setzen. „Unsere Produkte sind handgemachte Naturprodukte“, erklärt Geschäftsführer Matthias Heyder.

Einder der vier Rösttrommel-Chefs Matthias Heyder

Der kleine, aber feine Unterschied

Ein großer Unterschied zu den Röstverfahren der Branchenriesen: Die rösten mit bis zu 500 Grad und sind in maximal drei Minuten fertig. Der 45 Kilo-Röster der Rösttrommel, dem man im Cafebetrieb Auf AEG im Betrieb zuschauen kann, arbeitet bei 200 Grad und lässt sich fast eine halbe Stunde Zeit. Pro Jahr werden gut 55 Tonnen bis 60 Tonnen Spezialitäten-Kaffeeernten aus der ganzen Welt geröstet, mit steigender Tendenz.

Qualität hat ihren Preis

„Unser Sortiment funktioniert über Qualität“, sagt Heyder etwa mit Blick auf die seltenen Kaffee-Perlbohnen aus Tansania oder die Varietät Catuai von der Farm „Cerro de Jesus“, die auf dem höchsten Berg der Region Jalapa in Nicaragua Kaffee anbaut wird. So lasse sich die „Vielfalt entdecken, die Kaffee bieten kann“. Ohne Chemie gewachsen, von Hand gepflückt, aufwändiger eingekauft und später per Hand geröstet – das hat seinen Preis. Der günstigste Rösttrommel-Preis für ein Kilo beginnt bei 23 Euro, der Premiumbereich liegt bei 40 Euro bis 50 Euro.

 

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Mirella – kurz vor Toresschluss

Bei der Würzburger Kaffeerösterei Mirella hatte ich schon gedacht, dass mir das Navi einen Streich spielt. Denn zwischen den ganzen Märkten sah nichts so aus, als würde da der Lust am schwarzen Gold gehuldigt. Also einmal quer durch das Gelände und wirklich am letzten Zipfel der Gebäude auf der Rückseite geht es zu Mirella ein. Leider ist Samstag, 13.59 h, und um 14 Uhr macht der Laden dicht.

Mirella Kaffeerösterei – gut versteckt in der Würzburger Industriestr. aber durchaus einen Besuch Wert.

Schwarzes Gold in der Industriestraße

Das Geschäft macht der Anschrift Industriestraße alle Ehre, es ist eher nüchtern und funktional eingerichtet. Das alles ist aber schnell vergessen, weil in der Luft noch der frische Dampf des Röstens liegt. Und so bekomme ich auf die Schnelle noch einen Kilo Malabar (rund 20 Euro das Kilo), weil ich die meisten Inder, egal ob Arabica, Robusta oder Blend, einfach immer klasse finde. Der Malabar ist tatsächlich gerade frisch aus dem Probat-Röster und wird für mich extra eingetütet. Mit dem guten Rat, ihn noch gut zwei Wochen ausdampfen bzw. nachreifen zu lassen. Auf Empfehlung nehme ich noch einen Napoli Arabica in der gleichen Preisklasse mit, der als kräftig nicht zu schwarz mit reduzierter Säure empfohlen wird.

 

Quasi noch warm vom Rösten – zumindest der Duft füllt den ganzen Raum.

 

Blick auf ein verlockendes Mirella-Sortiment

Malabar in der Mühle

Mittlerweile habe ich den Malabar (100% Arabica) in der Mühle und komme voll auf meine Kosten. Der Espresso läuft dunkelbraun und volumig aus der Maschine und sorgt für eine dicke Crema in der Tasse. Einziger Anlass für etwas Mäkelei: Die üppige Crema ist leider nicht so stabil, etwas zu lange stehen gelassen und schon ist sie weg. Der Geschmack ist rund, dunkelschokoladig, ohne überbetonte Säure. Ein Espresso, wie ich ihn mag und der 4,8 für die Crema und 5 für den Geschmack von jeweils 5 Punkten bekommt. Im Prinzip kann man auch auf der Mirella-Seite bestellen oder nachbestellen. Ich muss aber noch den Napoli Arabica probieren und habe noch ein paar andere Kilo im Keller.

Kurz vor Toresschluss einen Malabar (reiner Arabica) und einen Napoli Arabica bekommen.

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