Glücksfall bei Sagers Kaffeerösterei

Die Begegnung mit Sagers Kaffeerösterei in Berlin war ein doppelter Glücksfall. Zum einen gab es ein Warnsignal, als ich am Lotte-Lenya-Bogen morgens vorbeigestapft bin. Aus den Tiefen des Erinnerungsvermögens gab es die Info, diesen Straßennamen wurde vor kurzen schon mal notiert. Dann gab es die Zusatzinfo aus dem Hirn: „Irgendetwas mit Rösterei.“ Also innehalten, abbiegen und neugierig Sagers Kaffeerösterei betreten.

Das Innenleben von Sagers Kaffeerösterei, Berlin

Zum anderen – also Glücksfall Nr. 2: Alexander Sager war gerade am Rösten, durch den ganzen Laden strömte eine Duftwolke aus der Röstmaschine, ein Traum. Dass dort mehr oder minder täglich geröstet wird, habe ich erst später erfahren. Es hat meinem Glücksgefühl keinen Abbruch getan.

Frischer geht es nicht: Der India Monsooned Malabar 100% Arabica

Zumal der Röstvorgang des indischen Arabicas gerade fertig war. Aus der Probat strömte hinter der Duftwolke das schwarze Gold. Den India Monsooned Malabar habe ich mir gleich kiloweise gesichert und den ganzen Tag durch Berlin geschleppt – eine gute Entscheidung. Aus meiner Maschine kommt eine traumhafte Crema und der runde, komplexe Malabar-Geschmack, kräftig, mit leichter Säure – für meinen Geschmack perfekt, also jeweils 5 Punkte.

Getestet und für top befunden.

Jammern versus demokratische Kaffeekultur

Jetzt kann man natürlich darüber jammern, dass die Öffnungszeiten den Sonntag schon mal komplett ausklammern und auch sonst eher an den kleinen Familienbäcker an der Ecke von früher erinnern. Auf gut deutsch: Wenn man nicht aufpasst, ist einfach zu. Außerdem wird eine halbe Stunde vor Toresschluss die Kaffeemaschine runtergefahren. Populäre Klage, zumal ich in Berlin häufiger vor verschlossenen Röstereien frustriert durchs Schaufenster gestarrt habe.

Kleine Kaffeeröstereien first!

Tatsächlich ist es nur ein geringer Preis dafür, dass an allen Ecken und Enden Röstereien aus dem Boden sprießen. Diese Vielfalt des Angebots hat die Oligarchie der Einheitssuppe der Branchengrößen ein Ende gemacht. Es gibt, dass lässt sich mal freiweg behaupten, für jeden Geschmack die passende Rösterei. Na gut, man muss sie finden. Aber diese Freiheit des Konsums ist im höchsten Grade demokratisch. Und weil es kein digitaler Plattformkapitalismus ist, sondern gute, analoge Handarbeit ist es ein weiteres Indiz für demokratische Kaffeekultur. Es gilt, wie bei einem guten Wahlbürger, ständig die Augen offen zu halten, ständig zu probieren und sich am Ende immer eine eigene Meinung zu bilden. Mein Fazit: Kleine Kaffeeröstereien first!

 

Sagers Kaffeerösterei, Berlin; von vorn oder hinten…

Sagers Kaffeerösterei, Berlin; von vorn oder hinten…

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Samocca – der Gute

Das Gute an Samocca sind nicht in erster Linie die Kaffeebohnen aus den Anbauländern in Südamerika, Afrika und Asien. In diesem Fall handelt es sich um ein Rehabilitationsprojekt der Ostalb-Werkstätten im schwäbischen Aalen. Als kirchliche Rösterei dürfte Samocca einzigartig sein. Samocca beschäftigt Menschen mit Handicaps, wie es fachlich korrekt heißt. Auf gut deutsch: Menschen mit geistiger Behinderung und psychischer Erkrankung. Dieses Inklusions-Projekt dient der beruflichen Rehabilitation und Integration.

Der Mensch bestimmt die Arbeit

Das Schöne an Werkstätten wie diese: Die Menschen mit Behinderung müssen sich nicht an die Arbeit und Maschinen anpassen. Die Arbeitsprozesse werden in so kleine Schritte zerlegt, dass sie für die behinderten Menschen zu handeln sind. Also keine Spur von Charlie Chaplins „Moderne Zeiten“, die manch einen Beschäftigten in den Wahnsinn treiben kann.

Samocca in Fürth

Bundesweit gibt es sieben Cafes, die sich außerhalb des Stammrösters als Franchise-Betrieb am Markt behaupten wollen. Franchise-Nehmer sind ebenfalls Werkstätten, die ihre behinderten Mitarbeiter in Küche, am Tresen und im Service beschäftigen. Das Samocca-Fürth, das von der Lebenshilfe Fürth und ihren Dambacher-Werkstätten betrieben wird, ist auf alle Fälle einen Besuch wert.

Das Cafe + Deli in einem schön restaurierten Altbau im ersten Stock sorgt für eine angenehme Kaffeehausatmosphäre. Wer oft außer Haus seinen Espresso trinkt, staunt über das viele Personal – wenn er das Werkstattkonzept nicht kennt. Die Bedienung kommt, wenn man ein zweifarbiges Dreieck mit der roten Seite nach oben stellt. Ist alle in Ordnung, bleibt die grüne Seite oben. Vielleicht ein Hauch umständlicher als gewohnt, aber praktisch. Und es funktioniert.

Samocca Fürth, Cafe + Deli kann man guten Gewissens besuchen.

 

Der Espresso selbst bewegt sich im guten Mittelfeld. Leider war die Sorte im Ausschank nicht in Erfahrung zu bringen. Dafür kann man sich an einem zweiten Tresen mit Bohnen eindecken. Ein Kilo Monsooned Malabar AA Indien für 19,75 Euro kam in die Einkaufstüte, um mal mit eigenem Gerät die Bohnen zu testen. Wer Bohnen beim Röster direkt online kaufen will, kann sich auch je nachdem, Espressokocher, Siebträger, Filtermaschine oder Presskanne eigens mahlen lassen.

Der Tresen zum Shoppen im Samocca in Fürth

 

Samocca im Echt-Bild

 

Samocca-Messestand auf den Nürnberger Werkstätten, 2012

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Saicaf Familienaufstellung

Saicaf Familienaufstellung

Für eine Saicaf Familienaufstellung finden sich in meiner Sammlung sechs Mitglieder. Allerdings nur aus dem Hause Saicaf, der Traditionsrösterei aus dem apulischen Bari. Dort wurde Saicaf  im Jahr 1932 zunächst als Bar begründet. Es fehlen die weiteren Saicaf-Marken Sao Cafe, Tobiaco und San Paolo, die mir noch nie als Bohne oder Tasse aufgefallen sind. Auch wenn manche Internetanbieter ein stattliches Bohnensortiment von Saicaf offerieren, mir persönlich ist bislang nur der Klassiker, Saicaf Classico, und Bar Miscela begegnet.

Espresso-Typologie

In deren Typologie der Espressofreunde geht es in diesem Fall um „Virtuos of Espresso“. Weiter heißt es: „You love risk, supports economic initiative for you because everything is possible.“ Schön getextet, klingt aber in Summe doch etwas dicke.

Saicaf-Tassen in Bildern

In diesem Fall geht es um Tassengeschichte. Am Anfang, dass gute alte gelbliche Porzellan, das später mit ähnlichem Logo auf schneeweißen Porzellan auf den Markt kommt. Es folgt mit hochgestalltem Logo in weißer Schrift auf rotem Grund die nächste Generation in konischer Tassenform – eine optisch nette Modeerscheinung. Und schließlich die rote Schrift auf weißem Grund. Welche Variationen – außer „dick und doof“ – die beiden Glasversionen – dazwischen noch erschienen sind, ließ sich bislang noch nicht feststellen.

Saicaf Familienaufstellung (2)

Saicaf Tassen- und Logohistorie

 

Saicaf Form und Farbe

 

Saicaf in Glas: Erinnert wird man ein bisschen an „dick und doof“

Saicaf im Echt-Bild

Nürnberg Kokoro, japanisches Restaurant

 

Hiro Sakao, Fürth: 2015

 

Pacelli, Altdorf; 2010

 

2007

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Streng geröstet von Rösterei M.A.G.

Über Geschmack lässt sich nicht streiten, auch nicht im der Bamberger Rösterei M.A.G. Auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt habe ich mich hierhin durchgefragt. Angefangen habe ich mit einem Roma, mit 70 Prozent Arabica als vollmundig und fruchtig beschrieben. Ich war allerdings nicht überzeugt und habe noch einen Classico bestellt, komplett Arabica mit feiner Würze mit satter Crema angepriesen. Als drittes bekam ich einen Black Diamond serviert, als hochklassiger Espresso, kräftig und zartbitter charakterisiert.

Solides Handwerk

Alle Espressi waren solides Handwerk, mit einer ordentlichen Crema, für die ich drei bis vier Punkte vergeben habe. Aber für meinen Geschmack viel zu dunkel geröstet, so dass ich an die Fehlbrandmischungen in Hotels und Autobahnraststätten erinnert wurde. Damit werde ich wahrscheinlich M.A.G. nicht gerecht, aber für meinen Geschmack schmeckt der Espresso viel zu streng und bitter, so dass die Aromenvielfalt nicht mehr zur Geltung kommt.

Sortenreiner India Monssooned Malabar

Betrübt war ich, dass der India als reiner Arabica nicht als Espresso ausgeschenkt wird. Das kann ich nicht verstehen, weil ich damit optimale Erfahrung gemacht habe. Der indische Robusta-Anteil bei Quijotes El Gran Crasso oder der sortenreine Indien ‚Wayanad Kaapi‘ Robusta von Elephant Beans haben mich komplett von der Geschmackskomplexität überzeugt. Deshalb habe ich mir unter anderem dem M.A.G. India eingepackt, um ihn mal – gegen den Rat der Rösterei – mir als Espresso zu kredenzen.

Angenehmer Cafebetrieb

Zugegeben – ich war einigermaßen überrascht, in der Bier- und Studentenstadt Bamberg die Rösterei M.A.G. zu finden. Danach habe ich übrigens noch einen zweiten Röster entdeckt, der hatte allerdings schon zu. Man sitzt angenehm im M.A.G., gerade der alte Sessel am Fenster ist ein besonderes Plätzchen. Auf jeden Fall ein Ort, um sich gemütlich durch die Kaffeekarte zu trinken und zu plaudern.

Rösterei M.A.G. im Echtbild

Rösterei M.A.G. im Bamberg

 

Der schönste Platz in der Rösterei M.A.G. im Bamberg

„Gebrandete Tassen sind zu teuer“ heißt es im M.A.G. – leider; hätte gern meine Sammlung weiter vergrößert.

 

Classico (li) und Roma, beides solides Handwerk

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Hilfreich: Rösterei-Karte

Eine stattliche Fleißarbeit hat die Hamburger Rösterei Quijote mit ihrer Rösterei-Karte Rösterei-Karte geleistet. Wenn ich das richtig deute, finden sich in der Google-Karte eine Ansammlung von einigen 100 oder gar 1000 Röster. Also von A wie Ali Aydin in Gera bis Z wie Zet Rösterei in Wiesbaden. Oder vom ganz hohen Norden in Sylt mit der Kupferkanne Sylt bis in den ganz tiefen Süden mit Fab Coffee in Oberstdorf. Beginnt man ganz im Westen, muss man wohl bei Xavier Plum, dem westlichsten der drei Aachener Röster anfangen und endet ganz im Osten an der polnischen Grenze in Görlitz bei der Kaffeerösterei Büttner.

Gesucht? Gefunden!

Schön ist etwas anderes, aber die Karte ist durchaus funktional. Mir hätte zwar eine alphabetische Sortierung auch gefallen, aber das wäre vielleicht auch Schnickschnack. Immerhin lässt sich bequem nach einem Rösterei-Namen suchen. Komfortabel ist die Städtesuche, die alle erfassten Anbieter des schwarz gerösteten Goldes anzeigt. Für Städtetouristen ist das eine Karte, die auf jedes Smartphone gehört.

Ergänzungen kann man an pingo ät quichote-kaffee.de schicken.

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Lavazza im Anno 1900 in Weimar

Weimarer Klassik, Weimarer Republik oder auch eine Tasse Lavazza im Cafe & Restaurant Anno 1900  – es gibt viele Gründe Weimar, abseits der automobilen Hauptschlagadern der Republik die einstige Hauptstadt Thüringens, zu besuchen. Ehrlich gesagt bin ich dort schon einmal vor zehn Jahren gewesen, an den Espresso konnte ich mich aber nicht erinnern. Wohl aber an den Wintergarten, der einst zum angrenzenden Hotel Chemnitius gehörte, dem heutigen Hotel Anna Amalia. Und: Man konnte damals dort noch zum Espresso rauchen.

Das kleine Städtchen vereint kompakt ein breites kulturelles und museales Angebot, aber auch das Flanieren durch die Altstadt hat seinen Reiz. Und so stößt man unweigerlich auf das Anno 1900, in dem einst auch Franz Kafka oder Max Brod gesessen haben sollen.

 

Gerettete Geschichte

Eröffnet wurde der Wintergarten allerdings schon Anno 1890, 1920 bewirtete dort die Chemnitus-Schänke eigenständig ihre Gäste. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde der Wintergarten mit Außenputz und Spitzdach verhunzt, danach folgte eine Karriere als Studenten-Mensa. Zwei Jahre nach der Wende wurde das Objekt privatisiert, nach alten Bauplänen wieder hergerichtet und 1994 als Anno 1900 eröffnet.

Das Anno 1900 in Weimar ist einen Besuch wert.

Das Anno 1900 in Weimar ist einen Besuch wert.

 

Von der Küche wird viel geschwärmt, zum Essen war allerdings keine Gelegenheit. Dafür hat der Espresso im besten Sinne überrascht. Zum einen, weil in guten Küchen der Espresso erfahrungsgemäß überproportional mäßig ist. Zum anderen, weil das Massenphänomen Lavazza besonders häufig „äußerst unsachgemäß“ zubereitet wird. Es ist, wenn ich mich richtig entsinne, der einzige Espresso, den ich einmal in einen Blumentopf und einmal in Frankreich in einem Garten unter dem Tisch entsorgt habe.

Für den Espresso im Anno 1900 gebe ich für die dunkelnussbraune Crema die volle Punktzahl von fünf, für das Geschmackserlebnis stattliche vier Punkte. Man sitzt in dem wiederhergestellten Ambiente sehr schön, die Gäste- und Servicekultur – auch das ist in einer touristischen Hochburg nicht selbstverständlich – außergewöhnlich.

 

Das Innenleben des Anno 1900

Das Innenleben des Anno 1900

 

Hier versteht man das Handwerk: Für mich Benchmark in Sachen Lavazza

Hier versteht man das Handwerk: Für mich Benchmark in Sachen Lavazza

Das Schreiben der Anderen zum Anno 1900

Ganz falsch kann ich mit meiner Einschätzung übrigens nicht liegen. Der Spiegel empfiehlt in Der perfekte Tag in Weimar ebenfalls das Anno 1900 zur „Rast am Mittag“. Nachträglich habe ich auch erfahren, dass Mitinhaberin Anna Horwitz die Gattin des deutsch-französischen Schauspielers Dominique Horwitz ist und bin auf ein Feinschmecker-Interview mit ihm gestoßen. Bei einer Entdeckertour durch Deutschland, quasi eine „D-Espresso“-Tour, berücksichtigen.

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Hamburger Becking-Espresso mit Crema

Hamburg und Espresso-Bohnen von Becking-Kaffee waren für mich bislang wie Espressolust und eine amerikanische Kaffeekette – ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass es irgendwie eine Verbindung gibt; sprich: einen guten Grund, dort mal vorbeizuschauen. Das mag auch daran liegen, dass die Hamburger Kaffeerösterei in ihrem exponierten Backsteinbau in der Speicherstadt einfach immer auf dem Weg des Besuchers der Hansestadt liegt. Becking hatte ich gar nicht auf dem Radar. Dazu kommt: Ich habe mal von einer Espressoverkostung bei Becking ein Foto gesehen und angesichts der cremalosen Tassen abgewunken – eine persönliche Marotte.

Nun habe ich drei Varianten der Rösterei probiert, den Espresso Vellutato No. 6, den Espresso Temperamento und Monsooned Espresso – allesamt als „100% Arabica“ klassifiziert. Als erstes hatte ich den Vellutato, italienisch für „samtartig“, in der Tasse. Für eine kräftig-dunkle Crema musste ich gar nicht viel an der Mühle herumspielen, um auf meiner Crema-Skala 4 von 5 Punkte zu vergeben. Auch die kakaoartige Note im Geschmack hat 4 Punkte verdient. Der Temperamento hatte dagegen weniger Temperament, für die Crema gebe ich 3 Punkte, für die „Komposition aus den … Anbaugebieten Mittel- und Südamerikas“ auch nur 3. Viele probierte Amerikaner, als Mischung oder Plantagenkaffee, haben mich bislang nicht überzeugt. Dafür fand ich den Monsooned Espresso richtig kultig, 4 Punkte für die haselnussbraune Crema, 5 Punkte für den karamellig-aromatischen Geschmack.

Start frei zur Geschmacksprobe aus dem Hause Becking

Start frei zur Geschmacksprobe aus dem Hause Becking

 

Für mich der Knüller aus der Rösttrommel von Becking: der Monsooned Espresso

Für mich der Knüller aus der Rösttrommel von Becking: der Monsooned Espresso

 

Ordentlich, aber der Schwächste von den drei Päckchen - der Temperamento.

Ordentlich, aber der Schwächste von den drei Päckchen – der Temperamento.

Monsooned Espresso

Becking bezeichnet auf seiner Homepage den Monsooned Espresso als „echte Rarität“. Bei dem Monsooning-Prozess wird der Rohkaffee während des Monsuns Wind und Regen ausgesetzt, der dadurch stark aufquillt. Diese Feuchtigkeit, die bis zu 20 Prozent erreichen kann und die Kaffeekirsche von strohbraun bis ins gelbe verfärbt, sorgt für einen besonderen Geschmack. Für dieses spezielle Monsooned-Verfahren werden sieben bis zehn Wochen benötigt.

Das Verfahren ist eigentlich ein Zufallsprodukt. Früher war der Kaffee aus Indien auf dem wochenlangen Transport per Segelschiff quasi zwangsläufig den Witterungseinflüssen ausgesetzt. Davon kann in der modernen Logistikkette keine Rede mehr sein. Um den Monsooned-Geschmack zu kultivieren, setzen indische Bauern dieses Verfahren gezielt ein. Typischerweise kommt dieser Kaffee aus der Region Malabar von der südlichen Westküste Indiens, und wird etwa auch von den Röstern Coffeepolitan als Monsooned-Malabar oder bei der Schweizer Spezialitätenrösterei derkaffee als Monsooned Malabar Indien angeboten.

Und auch das noch zu Becking

Becking verarbeitet seit 1928 Kaffeebohnen und dürfte damit zu den alten Hasen der Röstermanufakturen gehören. Mein Monsooned-Favorit wird alt-italienisch bei fast 32 Minuten und knapp 205 Grad geröstet. Der Kilo-Preis von gut 30 Euro liegt für mein Budget allerdings schon an der obersten Kante. Rösterei und Laden finden sich in Hamburg Bahrenfeld, haben allerdings nur von Montag bis Freitag geöffnet. Kommt in jedem Fall auf meine Besuchsliste.

P.S. eine kleine Nörgelei:

Vertrieb von guten Produkten ist eine ehrenhafte Sache, aber Becking hat das in guter hanseatischer Kaufmannstradition vielleicht etwas übertrieben. Laden, Shop, aktuell allein 117 Edeka-Läden usw. – das ist alles in Ordnung. Skeptisch bin ich bei der Online-Krake Amazon, weniger wegen der Händlerkonditionen als vielmehr wegen der Online-Macht bei gleichzeitiger Steuerminimierung (was ziemlich untertrieben ist). Die Übermacht im Online-Handel verdrängt allerdings die anderen kleinen Internetanbieter und reduziert so Vielfalt. Vielfalt allerdings ist – beim Espresso aber auch sonst – ein Wert an sich.

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Cafe Espressee in Hermannstadt kultiviert Pascucci

Im Prinzip hätte ich fast alles getrunken; dass ich im rumänischen Hermannstadt allerdings ein Hotelzimmer direkt neben dem Cafe Espressee hatte, war ein ausgesprochener Glücksfall. Denn nach fast einer Woche mit einem Esel durch die rumänischen Karpaten – in dieser Zeit gab es nur Wasser oder Tee – war die Espresso-Lust groß. Hinzu kam ein lauer Sommerabend, an dem ein perfekter Espresso mit Crema satt serviert wurde. Ich hatte vorher den Barista vom Espressee gebeten, mich mit ordentlicher Crema zu versorgen. Das sei bei ihnen Standard, wurde mir entgegnet.

Hier wird im Cafe Espressee Espresso zelebriert

Hier wird im Cafe Espressee Espresso zelebriert

 

Gastraum des Cafe Espressee

Gastraum des Cafe Espressee

 

Eingang zum Cafe Espressee

Eingang zum Cafe Espressee

Welche Bohnen aus dem Hause Pascucci zum Einsatz kamen, konnte ich allerdings nicht erfahren. Allerdings war das Ergebnis deutlich besser, als ich es etwa aus dem Cafe Pascucci in Leipzig kenne. Im rumänischen Espressee scheint man sich aber ausgiebig mit den Möglichkeiten zu beschäftigen, Espresso geschmacklich auszureizen. Dafür steht der hauseigene Training-Room, in dem Kurse angeboten werden. Auch die Kaffeekarte bietet mehr, als nur die Klassiker Espresso, Cappuccino oder Latte Macchiato.

Mal richtig wohltuend: Keine bloßen Sprüche, sondern Selbstverpflichtung.

Mal richtig wohltuend: Keine bloßen Sprüche, sondern Selbstverpflichtung.

 

Pascucci im Echtbetrieb

Caffe Pascucci, Leipzig (2010)

Caffe Pascucci, Leipzig (2010)

 

(möglicherweise Berlin, 2011)

(möglicherweise Berlin, 2011)

 

Pascucci Leipzig, 2014

Pascucci Leipzig, 2014

 

Caffe Pascucci, Leipzig, 2016

Caffe Pascucci, Leipzig, 2016

 

Cafe Espressee im rumänischen Hermannstadt (2016)

Cafe Espressee im rumänischen Hermannstadt (2016)

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Lavazza im Cafe Cavallo in der Wiener Neustadt

Auf Anhieb fallen mir nur drei gute Gründe ein, nach Niederösterreich in die Wiener Neustadt zu fahren: Erstens der im Kern spätromanische Dom, zweitens der Weg zu den Weißen Eseln im nahen Nationalpark-Neusiedlersee-Seewinkel und drittens das Cafe Cavallo. Es findet sich – ohne eigene Homepage in der Cafeliste, die die Stadt für Besucher zusammengestellt hat.

Vier Kilometer Spaziergang ohne Espresso führen zu den Weißen Eseln.

Vier Kilometer Spaziergang ohne Espresso führen zu den Weißen Eseln.

Die - optisch - außergewöhnlichsten Esel

Die – optisch – außergewöhnlichsten Esel

Das Cavallo war eine Zufallswahl, eher obwohl Lavazza ausgeschenkt wurde. Bei den großen Caferöstern, wie eben Lavazza, Illy oder Segafredo, bin ich bereits häufig enttäuscht worden. Letzter Tiefpunkt im markeneigenen Shop von einem der drei: Für einen weiteren Espresso wurde einfach das Kaffeemehl ein zweites Mal genutzt.

Der Lavazza im Cavallo war allerdings außerordentlich, mit tiefbrauner Crema und einem ausgewogenen Geschmack, dass es einfach eine Freude war. Wer sich also tatsächlich mal in diese Gegend verirrt, sollte ihn dort unbedingt probieren.

Die Cafe Bar Cavallo in der Wiener Neustadt

Die Cafe Bar Cavallo in der Wiener Neustadt

 

Ein Lavazza in der Tasse, der empfehlenswert ist (2016)

Ein Lavazza in der Tasse, der empfehlenswert ist (2016)

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Cafe Meier im österreichischen Linz

Hier sollte man auf alle Fälle einkehren: Das Cafe Meier am Linzer Pfarrplatz ist ein Pflichtbesuch für den Cafe-Freund. Selbst wenn bei schönem Wetter die Außenbestuhlung besetzt ist, auch im Inneren des Cafes lässt es sich außergewöhnlich angenehm sitzen. Da das Rauchverbot im Sommer 2016 noch nicht vollzogen ist, kann im oberen Raum zum Espresso noch geraucht werden. Das zählt ja mittlerweile europaweit zu eher seltenen Erlebnissen.

Espresso und Zigarette im Cafe Meier, Linz (2016)

Espresso und Zigarette im Cafe Meier, Linz (2016)

Etwas bescheiden wird mit einer kleinen Info – nicht in der Karte – sondern auf dem Kartenständer auf die hauseigene Rösterei hingewiesen. Sortenreine Arabica-Bohnen u.a. aus Indien, Mexiko oder Äthiopien. Die drei Espressi, die ich dort probiert habe bekommen geschmacklich die Topnote 5 (Indien), Honduras 4 und 3 für den Mexico-Chiapas. Für die Crema erhalten alle die schwer enttäuschende Note 1, also Crema nahezu nicht in der Tasse zu entdecken.

Der Raucherbereich des Cafe Meier, Linz

Der Raucherbereich des Cafe Meier, Linz

Im oberen Gastraum im Cafe Meier kann noch geraucht werden.

Im oberen Gastraum im Cafe Meier kann noch geraucht werden.

 

Der untere Gastraum mit Theke.

Der untere Gastraum mit Theke.

 

Blick auf das Cafe Meier mit Rösterei auf dem Linzer Pfarrplatz

Blick auf das Cafe Meier mit Rösterei auf dem Linzer Pfarrplatz

Leider, denn sicherheitshalber habe ich mir die indische Röstung zum Testen daheim mitgenommen. Und erwartungsgemäß kommt neben einem ausgezeichneten Geschmack auch einer Top-Crema aus der Maschine. Das Drama vor Ort am Linzer Pfarrplatz: Die Mühle ist wohl zu grob eingestellt. Schade, dass im Ladenverkauf nur 250 Gramm-Päckchen (India: 6,40 Euro) zu bekommen sind. Im Internet gibt’s auch ein Bohnenkilo für 25 Euro. Gefühlt, die obere Preisgrenze, aber durchaus gerechtfertigt.

 

Egal: Linz ist immer wieder einen Besuch wert, Altstadt, das Kunstmuseum Lentos oder das international renommierte Multimediamuseum Ars Electroniva  (AEC) sind gute Gründe für ein anregendes Wochenende. Zumal die alte Stahlstadt an vielen Ecken und Enden, etwa auch mit der Revitalisierung der alten Tabakfabrik zu einer Brutstätte für Kultur- und Kreativwirtschaft, engagiert den Wandel der Landeshauptstadt Oberösterreichs vorantreibt und bereits als UNESCO City of Media geadelt wurde.

Und auch das Cafe Meier ist ein lohnenswertes Ziel. Vielleicht wird ja bereits an der Theke die Espressomühle besser eingestellt.

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