Hoch die Tassen in der Toskana

Hoch die Tassen in der Toskana kann auch ein Reisemotiv sein. Zugegeben nicht das einzige, denn in großer Spätsommerhitze faszinieren auch vertrocknete Felder auf sanften Hügeln und schattenspendende Zypressenalleen. Es finden sich auch abgebrannte Olivenhaine, aus denen der Lebenswille der Natur neues Grün treibt.

Die Anreise erfolgt über Bologna, aus dem Auto dröhnt „Bologna“ von Wanda, hier als Youtube-Clip. Ein Highlight für meine Sammlung finde ich in der Fabrik von Mokarabia, in der Roxy Bar findet sich eine Tasse aus dem Hause Meseta.

2016 war das Jahr der Neupositionierung; auch die Espressotasse wurde relauchned. 2017, Mokarabia in Bologna

Meseta in der Bar Roxy in Bologna, 2017

Ein Bekannter hatte mich vor zu großer Espresso-Freude gewarnt, der Norden Italiens passe sich der Kultur nördlich der Alpen an. Damit lag er nicht ganz falsch. Ein großes Risiko ist der Siebträger mit doppeltem Ausgang, der anscheinend häufig mit zu geringer Kaffeemenge auf zwei Tassen verteilt wird. Aber auch sonst erscheint die Aufmerksamkeit, die der Zubereitung widerfährt – unabhängig von der gerösteten Geschmacksrichtung -, auf einem absteigenden Ast zu sein.

Anwärter für meine Sammlung

Quer durch die Toskana habe ich folgende Tassenausführungen oder Labels entdeckt.

Rionegro in der Bar Bollati in Lucignano, 2017

 

Mokaarra im Caffe dei Bani in Firenze, 2017

 

Caffe Silva in Lucca

 

Mexico in der L´Oste di Lucca in Lucca

 

Caffe GM im Il Casello in Pienza

 

Nannini im Nannini am Campo in Siena

 

Cafe Manganelli in Siena 2017

Sandy in der Bar el Duomo in Arezzo, 2017

 

Zwei Empfehlungen

In Arezzo findet sich das Caffe dei Costanti, das nicht nur mit einem eigenen River-Label begeistert. Die Wurzeln reichen wohl bis zum Jahr 1805 zurück, noch heute ist viel von dem alten Charme zu spüren. Damals herrschten die Habsburger in der Toskana, sie wurden aber von Napoleons französischen Truppen überrannt. Wer innen sitzt, könnte sich aber auch in Wien oder Budapest verorten. Auf Tripadvisor gibt es mit 3,5 Punkten aktuell eine überdurchschnittliche Bewertung.

Eine River-Variante im Caffe dei Costanti in Arezzo, 2017

Caffe dei Costanti

Caffe dei Costanti

In Montepulciano habe ich die legendäre Terrasse des Caffe Poliziano besucht, die einen außergewöhnlichen Blick in die Ebene und Weite ermöglicht. Das Poliziano, auf der Homepage findet sich die Jahreszahl 1764, ist ebenfalls ein besonders Caffe. Es leidet allerdings an den Touristenströmen, die sich wohl alle entlang der Shops hoch zum Palazzo Communale wälzen. Die Unruhe im Caffe durch Kommen und Gehen ist jedenfalls immens. Dafür fällt auch hier die Illy-Tasse auf, die mit einer eigenen Untertasse und dem Hinweis 1868 bis 2018 = 150 Jahre ausgestattet ist.

Illy-Variante im Caffe Poliziano in Montepulciano, 2017

Die hauseigene Poliziano-Untertasse, 2017

Caffe Poliziano

Das Innenleben des Caffe Poliziano, 2017

Eine hammermäßige Illy-Tassen-Sammlung, überwiegend die Sondereditionen, im Caffe Poliziano

 

 

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Besuch bei Mokarabia in Bologna

Der Besuch in der Rösterei von OCI-Mokarabia – OCI steht für „One Coffee Industries“ – im norditalienischen Bologna ist ein Glücksfall. Zwar herrschen in der Produktion Ferien, aber Barbara Villa vom Kundenservice ist bereit, durch die Rösterei zu führen.

Barbara Villa begrüßt bei Mokarabia in Bologna und führt durch die Rösterei

Gut 8.200 Tonnen Rohkaffee werden pro Jahr hier von gut zwölf Mitarbeitern verarbeitet, teils aus eigenem Anbau. Importiert wir aus Zentralamerika und Brasilien, Afrika und Südostasien. Das Ergebnis kommt unter den Labels Mokarabia, Cafeteria Roversi, Caffe Arabes sowie caffè Ruffo als blend oder reiner Arabica auf den Markt.

Wachstum bei HoReCa

Ein besonders stark wachsendes Segment ist die Sparte HoReCa, die für die Vertriebslinie Hotel/Restaurant/Café bzw. im italienischen für Hotel/Restaurant/Bar steht. Aktuell wird mit der Kaffeedose „Mokarabia 1951“ mit Arabica-Bohnen geworben. Zusätzlich werden die Kooperationen mit der italienischen eismann-Niederlassung mit teils exklusiven Produkten oder dem Handelsriesen Metro ausgebaut. Hergestellt werden Kaffee-Kapseln für das hauseigene Mokarabia-Kaffeesystem in den drei Ausführungsgrößen Professionell, Office und Home. Darüber hinaus werden Kapseln, die mit den Systemen Nespresso oder Nestle kompatibel sind, in den Ausführungen Arabica, Classic, Strong und Decaffeinato produziert. In die Convenience-Reihe gehören außerdem Coffee-Pads aus Papier (33×44 mm).

Geröstet wird in italienischer Technik von Petroncini, zuletzt stattliche 8.200 Tonnen im Jahr.

 

Da lacht das Siebträger-Herz.

 

Kapseln sind das neue Gold; Mokarabia verstärkt das Engagement im Bereich HoReCa

 

Mit teils exklusiven Produkten wird die Partnerschaft mit eismann ausgebaut

 

Vollautomatische Konfektionierung und Verpackung

Globale Präsenz von Mokarabia

Mokarabia ist in Italien sowie in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Kroatien mit eigenen Niederlassungen präsent. Darüber hinaus sorgen 16 weltweite Mokarabia-Dealer für eine Präsenz von Nord- und Südamerika, über Europa und Ägypten, Katar und Madagaskar sowie China. Mehr als zwei Drittel des Geschäfts wird in Europa abgewickelt, der Rest fällt zu fast gleichen Teilen auf die anderen Regionen. Zur starken Präsenz im katarischen Doha wird Mokarabia-Chef Luca Giani zitiert: „Mokarabia Coffee Bar is a perfect demonstration of quality and italianness.“

Während Barbara Villa durch Rösterei und Verkostungsräumen führt, kann man sich den Rösterduft vorstellen, der hier während der Betriebszeit herrschen muss. Zum Schluss kredenzt sie noch einen Espresso mit aktualisiertem Logo und zeigt noch einige Schätze aus der hauseigenen Sammlung.

 

2016 war das Jahr der Neupositionierung; auch die Espressotasse wurde relauchned. 2017.

 

Aus der Tassenschatzkammer von Mokarabia; 2017

 

Für Decaf-Liebhaber, 2017.

 

Für Nostalgiker, die an das Gründungsjahr 1951 zurückdenken; 2017.

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Überraschung bei Rösterei Alber

Abseits von City und shoppenden Touristen sorgt die Rösterei Alber in Leipzig für eine ordentliche Überraschung. Etwas versteckt in einem alten Industrieareal geht Ronny Alber mit Leidenschaft seinem Handwerk nach. Leider gibt es keinen regulären Ausschank, dafür berichtet er ausgiebig über seine Philosophie, die sich verkürzt als „einfach und gut“ zusammenfassen lässt.

Wer suchet, der findet: Kaffeerösterei Alber in Leipzig

In der Rösterei Alber wird mit einer Toper gearbeitet.

Dazu zählen bei ihm ausgesuchte Kaffeebohnen aus naturfreundlichem Anbau von Kleinbauernkooperativen, nicht rösten bis zum Limit, sondern in überschaubaren Mengen, verpackt in maximal 500 Gramm. Albers Prinzip: „Eine geöffnete Packung muss in ein paar Tagen leer sein, sonst verliert sie ihren Geschmack.“ Einfach und klar ist auch die Preispolitik, einen Preis für 250 Gramm, einen für das halber Kilo.

Klare Programm- und Preispolitik.

Bobolink Espresso und Espresso A1

Als erstes kam Bobolink Espresso in Mühle und Maschine, der mit einer kräftigen, haselnussbraunen Crema aus der Maschine rinnt. Der Rums beim ersten Schluck bleibt weg, von strenger Röstung keine Spur. Stattdessen ist der Espresso samtig und nussig mit leichter Säurenote. Ein leichtes und trotzdem komplexes Geschmackserlebnis, wofür der brasilianische Arabica vier von fünf Punkte gibt.

Der Espresso A1 ist eine Mischung aus 2/3 Arabicabohnen aus Brasilien und 1/3 Robusta aus Indien. Für meinen Geschmack gut und ebenfalls zu empfehlen, aber etwas zu streng geröstet. Dank Indien allerdings mit einer voluminösen Crema.

Einfachheit als Programm

Vertrauen versus Fake

Für den Verbraucher ist der Griff zu Alber-Röstungen – man kann auch online bestellen – eine gute Entscheidung. Nachhaltigkeit und Produktion im Einklang mit der Natur gelten für einen bewussten Konsum als weiterer Pluspunkt. Allerdings: Angesichts der Vielfalt der Röster trifft man die meisten nur ein oder zweimal – ein Vertrauen, wie zu einem Stammhändler kann sich so nicht aufbauen. Also braucht es Krücken, weil auch etwa die deutsche industrielle Landwirtschaft ein naturnahes Arbeiten für sich proklamiert und von Agrarindustrie nichts wissen will.

Krücken können sein: Etablierte Siegel, wie Fairtrade, die leider mit viel Bürokratie und Zusatzkosten verbunden sind. Dafür lassen sich dann auch Menge, FairTrade-Dividende für die Kooperative oftmals nachvollziehen. Das fehlt leider – nicht nur bei Alber, sondern den meisten deutschen Röstern.

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Ganze Bohnen im Trend

Im vergangenen Jahr lag bei Verbrauchern in Deutschland die ganze Bohne besonders stark im Trend. Von den gut 162 Litern, die der Deutsche Kaffeeverband als jährlichen Pro-Kopf-Konsum ausweist, verbucht die ganze Bohne mittlerweile einen Marktanteil unter den Röstkaffeesegmenten von knapp einem Viertel. Den Löwenanteil nimmt nach wie vor der gemahlene Röst- bzw. Filterkaffee mit 62 Prozent ein.

Ganze Bohne umfasst die Produktgruppe „Ganze Bohne klassisch“, die vorwiegend in Vollautomaten und für die Herstellung von Filterkaffee Verwendung findet, sowie die Kategorie „Ganze Bohne Espresso/Caffè Crema“, die für den Einsatz im Siebträger und im Vollautomaten geeignet ist. „Bei der Zubereitung von Filterkaffee, Caffè Crema, Espresso oder Kaffeemilchspezialitäten achtet der Verbraucher neben Convenience auch auf hohe Qualität. Aufgrund des gestiegenen Qualitätsbewusstseins der Konsumenten wird der Röstkaffee zu Hause immer häufiger erst kurz vor dem Brühvorgang gemahlen“, so Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbandes. „Dies spiegelt sich in der positiven Entwicklung des Segmentes ‘Ganze Bohne’ wider.“

Der deutsche Gesamtmarkt Kaffee 2016. Grafik Kaffeeverband

Kaffeekapsel & Co.

Kaffeekapseln konnten im vergangenen Jahr um 3,9 Prozent über die Vertriebsschiene Lebensmitteleinzelhandel und Online-Shopping zulegen. Gleiches gilt auch für den Konsum von Kaffeepads, die einen Anstieg von 2,9 Prozent verzeichneten. „Die Kaffeezubereitung ‘auf Knopfdruck’ mit Pads, Kapseln oder auch dem Vollautomaten ist nach wie vor sehr gefragt. Sie entspricht dem Wunsch der Verbraucher, Kaffee unkompliziert, in passenden Portionsgrößen und bei gleichbleibend hoher Qualität zubereiten zu können“, erklärt Holger Preibisch.

Die Entwicklung des Röstkaffeemarktes iN Deutschland im Jahr 2016. Grafik: Kaffeeverband.

Außer-Haus-Konsum verzeichnet Absatzplus

Das schwarze Gold wird zunehmend auch außerhalb der eigenen vier Wände nachgefragt. Der Kaffeeverband beziffert das Absatzplus des deutschen „Out of Home“-Markts für Kaffee auf 5,2 Prozent. In diesem Segment ist der Kaffee-Ausschank in Bäckereien, Cafés, Restaurants, Hotels, Coffeeshops/-bars, Kantinen, am Arbeitsplatz und im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung gebündelt. Darin enthalten sind also auch die boomenden to-go-Geschäfte, die in den Städten für zusätzliche Müllberge sorgen. Auch wenn der Kaffeeverband etwa aus hygienischen Gründen ein Mehrwegsystem kritisch sieht und eine Extra-Steuer auf Einwegbecher ablehnt. Das Umweltbundesamt kritisiert deutlich den Trend zum „Coffee to go“. Es sieht darin einen Grund, warum in Deutschland immer mehr Verpackungsmüll anfällt.

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Indie Plantation AA von Blueberry Roasters

Bohnen aus Indien, wie Indie Plantation AA von Blueberry Roasters , probiere ich immer gern. Entdeckt wurden sie im Cafe Borowka, skizziert bei der Breslau-Tour Espresso-in-Breslau. Die Sorte stammt laut Röster-Angaben aus Bio-Produktion, das Engagement für nachhaltige Landwirtschaft verdient grundsätzlich einen Pluspunkt.

Indie Plantation AA von Blueberry Roasters zu Haus probiert.

Indie Plantation AA

Die reine Arabica-Auswahl mit einer „AA“-Authentifizierung wird mit einer süßlichen Karamell-Note und einem Nachgeschmack mit grünen Apfel beschrieben. Ich habe das indische Kilo gern getrunken. Die Arabica-Crema verdient 3 Punkte, für den Geschmack gibt es 4 von 5. Die Bohnen sind angenehm dunkel geröstet und haben tatsächlich am Ende eine Säurenote – ob das grüner Apfel ist, sollen andere Poeten klären. Allerdings finde ich, der Espresso hat insgesamt einen schlanken Körper, die letzte Komplexität, die manche andere Röster in die indischen Bohnen zaubern, habe ich vermisst. Aber die Packung beschreibt den Body selbst mit 2 von 3 Einheiten.

So kommt der Indie Plantation AA aus meiner Maschine

Trotzdem interessant und schade, dass ich mir nicht mehr Bohnen und auch andere Sorten mitgenommen habe. Auffällig sind übrigens die farbigen Ethno-Logos für die einzelnen Sorten, die gelungen Aufmerksamkeit wecken.

Bohnen-Auswahl im Cafe Borowka mit schönen Etno-Logos

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Mokarabia kreiert italienische Gefühle

Ein Glücksfall sind die beiden Sorten Regal und Superbar von Mokarabia, die italienische Gefühle wecken. Die Bohnen habe ich im Nürnberger Kaffino Kaffee & Maschinen gekauft. Die haben zwar Izzo im Ausschank, aber ein ganz stattliches Sortiment an Espressobohnen. Superbar sind in einem magentafarbenen Alu-Beutel verpackt, eine befremdliche Farbe, die an die Telekom oder die neue FDP erinnert.

Trotzdem kommt ein tolles Ergebnis aus der Maschine: Es rinnt dunkelbraun und volumig aus dem Siebträger, die Crema bleibt dicht und dunkel in der Tasse. Die Superbar-Mischung schmeckt so, wie man es sich typisch italienisch vorstellt. Dunkel geröstet, aber nicht verbrannt, etwas streng, schlank auf der Zunge – ein Espresso, an dem man nicht mäkeln kann. Deshalb gibt es auf meiner 5er-Skala für Geschmack und Crema volle Punkte.

Mokarabia-Espresso Superbar

Regal (knapp 19 Euro) hatte ich vorher in der Mühle mit ebenfalls voller Punktzahl. Mir hat diese Mischung allerdings ein Tick besser geschmeckt. Ebenfalls dunkel geröstet, aber nicht ganz so streng wie die Superbar. Dafür habe ich mehr Komplexität auf der Zunge gespürt, etwas Nussiges, einen Hauch Süße, dafür kann man getrost noch ein kleines Sternchen vergeben.

Mokarabia-Espresso-Blend Regal

Rösterei Mokarabia

Die 1951 in Mailand gegründete Rösterei steuert heute ihre weltweiten Geschäfte aus Bologna. 2000 wurden Caffè Roversi 1882 aus Bologna und Caffè Ruffo aus Padua ins Unternehmen integriert, ein paar Jahre später kam noch Caffè Arabes hinzu. Zuletzt wurden gut 7.000 Tonnen Kaffeebohnen geröstet und verkauft. Zu lesen ist, dass Mokarabia auch selbst seine Bohnen rund um die Welt anbaut. Teil der Expansionsstrategie sind eigene Coffeeshops, seit Frühjahr 2017 prangt das Logo mit dem servierenden Kellner – man denkt an die früheren Word-Männchen, obwohl das Logo viel älter ist, an vier Coffeeshops in Katars Hauptstadt Doha.

Mokarabia Echt-Bild

2017 Kaffino, Nürnberg

 

2008, Caffè Arabes im kroatischen Funtano

 

2008, Mokarabia im kroatischen Novigrad

 

2010, Mokarabia im Cafe Porat im kleinen kroatischen Dörfchen Nin.

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Espresso in Breslau

Das heutige polnische Wroclaw, das einstige Breslau oder Wratislavia, ist für den Espresso-Freund allemal eine Reise wert. Das gilt auch für diejenigen, die die Festivitäten zum 1000 jährigen Stadtjubiläum verbunden mit dem Titel Europäische Kulturhauptstadt 2017 – vielleicht sogar bewusst – vermieden haben. Das touristische Programm kann man gut entlang der von Zeit Online beschriebenen Route abdecken.

Frühstück ohne Espresso

Ehrlicherweise ist einzuräumen, dass beim Breslau-Kurztrip die Mensa im Schatten der alten Jesuitenschule und Leopoldina Uni das interessanteste Frühstück bietet – sieben Tage die Woche, immer früh auf mit studentischen Preisen für jedermann. Doch der dort angebotene Espresso ist so schlecht, dass man ihn mit einem Warnhinweis versehen sollte. Kaffee in kleiner Tasse dürfte die beste Beschreibung sein.

Also lieber zu Fuß quer durch die Innenstadt zum Cafe Bike, das leider bei Tripadvisor nicht so gut abschneidet. Geht es allerdings nur um den Espresso vergebe ich für Geschmack und Crema 4 und 4 (von 5) Punkten. Man sitzt eng, die Bedienung war freundlich und das nächste Mal werde ich dort auch ein Frühstück probieren.

Cafe Bike – hier auf alle Fälle vorbeischauen – die Lampe aus Espressotasse ist durchaus originell

Cafe Bike ist ein Muss

Das Cafe Bike liegt übrigens am Anfang der Świętego Antoniego, dem Beginn des Vier-Kirchen-Viertels. Von hier aus kann man über eine kleine Gasse auch direkt zur Synagoge zum Weißen Storch laufen, die als Gebäude den Nazi-Terror überstanden hat. Läuft man die Świętego Antoniego weiter entlang, folgt gleich das Central Cafe. Der Espresso bekommt hier 3 und 3, also solides Handwerk. Allerdings sind die dazu gereichten salzigen und süßen Snacks, Bagels und Quiche, inklusive einem frischen Himbeertee mit Minze auch ein guter Grund zum Besuch. Noch ein paar Meter weiter auf der anderen Straßenseite hat gerade die Espresso-Bar eröffnet. Das ist alles noch ganz neu und nicht eingespielt, die dreiarmige Handhebelmaschine ist jedoch ein echter Hingucker.

Central Cafe

Espresso-Bar, ebenso wie das Bike und Central am „Eingang“ zum Toleranzviertel oder dem „Stadtteil der vier Konfessionen“

Röster in Breslau

Die Rösterei Cafe Borowka mit seinem Label Blueberry Roasters lässt einen äthiopischen Arabica aus der Maschine, geschmacklich ein 4 mit etwas schwächerer Crema. Allerdings sieht man anders als bei den meisten deutschen Röstern keine Spur von Rösttrommel oder dem ganzen handwerklichen Flair. Ungewohnt ist auch, dass hier wie in allen anderen Cafes – außer dem Bike – an der Theke bestellt und bezahlt wird. Man fühlt sich immer ein bisschen wie in einer Fastfood-Stube. Egal, ob man vor dem Cafe hockt, im ersten Stock ein Plätzchen ergattern kann oder bei Sonne auf dem Dach auf die alte Oper oder den alten Jugendstil-Einkaufspalast in der Abendsonne schaut – es sitzt sich ausgezeichnet.

Rösterei Cafe Borowka mit seinem Label Blueberry Roasters

Das Innenleben des Rösterei Cafe Borowka

Das Cafe Borowka ist Mitglied im SCAE (Speciality Coffee Association of Europe)

Im Gniazdo – auch da wurde serviert – war der ausgeschenkte Espresso akzeptabel mit schwacher Crema. Dass er doch besser schmeckte als er aussah, spricht wohl für eine lieblose Zubereitung, zu grob gemahlen oder Maschine mit schlappen Druck. Das Cafe Rozrusznik liegt ein paar Minuten von der Dominsel im Norden der Altstadt. Auch hier keine Spur von einem Röstbetrieb, dafür ein ziemlich guter Espresso.

Das Rösterei-Cafe Gniazdo

Cafe Rozrusznik

Ziemlich abgedreht schaut es in der Galerie und Cafe Kalaczakra aus. Man fühlt sich in diesem Ambiente aus Flowerpower und esoterischem Tibetzeugs in eine andere Welt versetzt. Der erste Espresso hat allerdings mein Espresso- Chakra zum Leben erweckt: Dunkel, ordentliche Crema und stark geröstete Bohnen mit Geschmack, dafür hat sich der Besuch gelohnt. Leider hat der zweite Espresso ausgeschaut wie in der Mensa, der wurde gar nicht angerührt.

Erwähnenswert ist das Jugendstilgebäude, in dem sich rechts das Kalaczakra befindet. Nebendran ist das Cafe Kalambureau oder Kalambur, eigentlich eher ein Klub, das einst aus der Theaterszene gegründet wurde. Ob die vom Kalaczakra mitbedient werden, war nicht zu erkennen. Immerhin kann man dort abends im Nebel der Zigarettenraucher von früheren Zeiten träumen. Ein paar Schritte weiter findet man noch das FC Caffe – auch da braucht man nicht hin.

Galerie und Cafe Kalaczakra

Nur mit Glück wird hier das Espresso- Chakra geweckt

Nebendran ist das Cafe Kalambureau oder Kalambur

 

Breslau im Echtbild

Für Tassen-Sammler ist Breslau ein kleines El Dorado.

Das Blueberry-Röster-Logo auf der Espresso-Tasse; 2017

Espresso auf dem Dach vom Cafe Borowka, 2017

Auch im Espressotassen-Sortiment vom Cafe Borowka, 2017

Nicht besonders originell im Gniazdo; 2017

Galerie und Cafe Kalaczakra schenkt in Musetti aus. 2017

Caffe Mauro-Tasse im Cafe Bike im Toleranzviertel; 2017

Glasklar im Central Cafe, 2017

FC Caffe ohne Kommentar, 2017

 

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Glücksfall bei Sagers Kaffeerösterei

Die Begegnung mit Sagers Kaffeerösterei in Berlin war ein doppelter Glücksfall. Zum einen gab es ein Warnsignal, als ich am Lotte-Lenya-Bogen morgens vorbeigestapft bin. Aus den Tiefen des Erinnerungsvermögens gab es die Info, diesen Straßennamen wurde vor kurzen schon mal notiert. Dann gab es die Zusatzinfo aus dem Hirn: „Irgendetwas mit Rösterei.“ Also innehalten, abbiegen und neugierig Sagers Kaffeerösterei betreten.

Das Innenleben von Sagers Kaffeerösterei, Berlin

Zum anderen – also Glücksfall Nr. 2: Alexander Sager war gerade am Rösten, durch den ganzen Laden strömte eine Duftwolke aus der Röstmaschine, ein Traum. Dass dort mehr oder minder täglich geröstet wird, habe ich erst später erfahren. Es hat meinem Glücksgefühl keinen Abbruch getan.

Frischer geht es nicht: Der India Monsooned Malabar 100% Arabica

Zumal der Röstvorgang des indischen Arabicas gerade fertig war. Aus der Probat strömte hinter der Duftwolke das schwarze Gold. Den India Monsooned Malabar habe ich mir gleich kiloweise gesichert und den ganzen Tag durch Berlin geschleppt – eine gute Entscheidung. Aus meiner Maschine kommt eine traumhafte Crema und der runde, komplexe Malabar-Geschmack, kräftig, mit leichter Säure – für meinen Geschmack perfekt, also jeweils 5 Punkte.

Getestet und für top befunden.

Jammern versus demokratische Kaffeekultur

Jetzt kann man natürlich darüber jammern, dass die Öffnungszeiten den Sonntag schon mal komplett ausklammern und auch sonst eher an den kleinen Familienbäcker an der Ecke von früher erinnern. Auf gut deutsch: Wenn man nicht aufpasst, ist einfach zu. Außerdem wird eine halbe Stunde vor Toresschluss die Kaffeemaschine runtergefahren. Populäre Klage, zumal ich in Berlin häufiger vor verschlossenen Röstereien frustriert durchs Schaufenster gestarrt habe.

Kleine Kaffeeröstereien first!

Tatsächlich ist es nur ein geringer Preis dafür, dass an allen Ecken und Enden Röstereien aus dem Boden sprießen. Diese Vielfalt des Angebots hat die Oligarchie der Einheitssuppe der Branchengrößen ein Ende gemacht. Es gibt, dass lässt sich mal freiweg behaupten, für jeden Geschmack die passende Rösterei. Na gut, man muss sie finden. Aber diese Freiheit des Konsums ist im höchsten Grade demokratisch. Und weil es kein digitaler Plattformkapitalismus ist, sondern gute, analoge Handarbeit ist es ein weiteres Indiz für demokratische Kaffeekultur. Es gilt, wie bei einem guten Wahlbürger, ständig die Augen offen zu halten, ständig zu probieren und sich am Ende immer eine eigene Meinung zu bilden. Mein Fazit: Kleine Kaffeeröstereien first!

 

Sagers Kaffeerösterei, Berlin; von vorn oder hinten…

Sagers Kaffeerösterei, Berlin; von vorn oder hinten…

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Samocca – der Gute

Das Gute an Samocca sind nicht in erster Linie die Kaffeebohnen aus den Anbauländern in Südamerika, Afrika und Asien. In diesem Fall handelt es sich um ein Rehabilitationsprojekt der Ostalb-Werkstätten im schwäbischen Aalen. Als kirchliche Rösterei dürfte Samocca einzigartig sein. Samocca beschäftigt Menschen mit Handicaps, wie es fachlich korrekt heißt. Auf gut deutsch: Menschen mit geistiger Behinderung und psychischer Erkrankung. Dieses Inklusions-Projekt dient der beruflichen Rehabilitation und Integration.

Der Mensch bestimmt die Arbeit

Das Schöne an Werkstätten wie diese: Die Menschen mit Behinderung müssen sich nicht an die Arbeit und Maschinen anpassen. Die Arbeitsprozesse werden in so kleine Schritte zerlegt, dass sie für die behinderten Menschen zu handeln sind. Also keine Spur von Charlie Chaplins „Moderne Zeiten“, die manch einen Beschäftigten in den Wahnsinn treiben kann.

Samocca in Fürth

Bundesweit gibt es sieben Cafes, die sich außerhalb des Stammrösters als Franchise-Betrieb am Markt behaupten wollen. Franchise-Nehmer sind ebenfalls Werkstätten, die ihre behinderten Mitarbeiter in Küche, am Tresen und im Service beschäftigen. Das Samocca-Fürth, das von der Lebenshilfe Fürth und ihren Dambacher-Werkstätten betrieben wird, ist auf alle Fälle einen Besuch wert.

Das Cafe + Deli in einem schön restaurierten Altbau im ersten Stock sorgt für eine angenehme Kaffeehausatmosphäre. Wer oft außer Haus seinen Espresso trinkt, staunt über das viele Personal – wenn er das Werkstattkonzept nicht kennt. Die Bedienung kommt, wenn man ein zweifarbiges Dreieck mit der roten Seite nach oben stellt. Ist alle in Ordnung, bleibt die grüne Seite oben. Vielleicht ein Hauch umständlicher als gewohnt, aber praktisch. Und es funktioniert.

Samocca Fürth, Cafe + Deli kann man guten Gewissens besuchen.

 

Der Espresso selbst bewegt sich im guten Mittelfeld. Leider war die Sorte im Ausschank nicht in Erfahrung zu bringen. Dafür kann man sich an einem zweiten Tresen mit Bohnen eindecken. Ein Kilo Monsooned Malabar AA Indien für 19,75 Euro kam in die Einkaufstüte, um mal mit eigenem Gerät die Bohnen zu testen. Wer Bohnen beim Röster direkt online kaufen will, kann sich auch je nachdem, Espressokocher, Siebträger, Filtermaschine oder Presskanne eigens mahlen lassen.

Der Tresen zum Shoppen im Samocca in Fürth

 

Samocca im Echt-Bild

 

Samocca-Messestand auf den Nürnberger Werkstätten, 2012

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Saicaf Familienaufstellung

Saicaf Familienaufstellung

Für eine Saicaf Familienaufstellung finden sich in meiner Sammlung sechs Mitglieder. Allerdings nur aus dem Hause Saicaf, der Traditionsrösterei aus dem apulischen Bari. Dort wurde Saicaf  im Jahr 1932 zunächst als Bar begründet. Es fehlen die weiteren Saicaf-Marken Sao Cafe, Tobiaco und San Paolo, die mir noch nie als Bohne oder Tasse aufgefallen sind. Auch wenn manche Internetanbieter ein stattliches Bohnensortiment von Saicaf offerieren, mir persönlich ist bislang nur der Klassiker, Saicaf Classico, und Bar Miscela begegnet.

Espresso-Typologie

In deren Typologie der Espressofreunde geht es in diesem Fall um „Virtuos of Espresso“. Weiter heißt es: „You love risk, supports economic initiative for you because everything is possible.“ Schön getextet, klingt aber in Summe doch etwas dicke.

Saicaf-Tassen in Bildern

In diesem Fall geht es um Tassengeschichte. Am Anfang, dass gute alte gelbliche Porzellan, das später mit ähnlichem Logo auf schneeweißen Porzellan auf den Markt kommt. Es folgt mit hochgestalltem Logo in weißer Schrift auf rotem Grund die nächste Generation in konischer Tassenform – eine optisch nette Modeerscheinung. Und schließlich die rote Schrift auf weißem Grund. Welche Variationen – außer „dick und doof“ – die beiden Glasversionen – dazwischen noch erschienen sind, ließ sich bislang noch nicht feststellen.

Saicaf Familienaufstellung (2)

Saicaf Tassen- und Logohistorie

 

Saicaf Form und Farbe

 

Saicaf in Glas: Erinnert wird man ein bisschen an „dick und doof“

Saicaf im Echt-Bild

Nürnberg Kokoro, japanisches Restaurant

 

Hiro Sakao, Fürth: 2015

 

Pacelli, Altdorf; 2010

 

2007

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