Saicaf Familienaufstellung

Saicaf Familienaufstellung

Für eine Saicaf Familienaufstellung finden sich in meiner Sammlung sechs Mitglieder. Allerdings nur aus dem Hause Saicaf, der Traditionsrösterei aus dem apulischen Bari. Dort wurde Saicaf  im Jahr 1932 zunächst als Bar begründet. Es fehlen die weiteren Saicaf-Marken Sao Cafe, Tobiaco und San Paolo, die mir noch nie als Bohne oder Tasse aufgefallen sind. Auch wenn manche Internetanbieter ein stattliches Bohnensortiment von Saicaf offerieren, mir persönlich ist bislang nur der Klassiker, Saicaf Classico, und Bar Miscela begegnet.

Espresso-Typologie

In deren Typologie der Espressofreunde geht es in diesem Fall um „Virtuos of Espresso“. Weiter heißt es: „You love risk, supports economic initiative for you because everything is possible.“ Schön getextet, klingt aber in Summe doch etwas dicke.

Saicaf-Tassen in Bildern

In diesem Fall geht es um Tassengeschichte. Am Anfang, dass gute alte gelbliche Porzellan, das später mit ähnlichem Logo auf schneeweißen Porzellan auf den Markt kommt. Es folgt mit hochgestalltem Logo in weißer Schrift auf rotem Grund die nächste Generation in konischer Tassenform – eine optisch nette Modeerscheinung. Und schließlich die rote Schrift auf weißem Grund. Welche Variationen – außer „dick und doof“ – die beiden Glasversionen – dazwischen noch erschienen sind, ließ sich bislang noch nicht feststellen.

Saicaf Familienaufstellung (2)

Saicaf Tassen- und Logohistorie

 

Saicaf Form und Farbe

 

Saicaf in Glas: Erinnert wird man ein bisschen an „dick und doof“

Saicaf im Echt-Bild

Nürnberg Kokoro, japanisches Restaurant

 

Hiro Sakao, Fürth: 2015

 

Pacelli, Altdorf; 2010

 

2007

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Streng geröstet von Rösterei M.A.G.

Über Geschmack lässt sich nicht streiten, auch nicht im der Bamberger Rösterei M.A.G. Auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt habe ich mich hierhin durchgefragt. Angefangen habe ich mit einem Roma, mit 70 Prozent Arabica als vollmundig und fruchtig beschrieben. Ich war allerdings nicht überzeugt und habe noch einen Classico bestellt, komplett Arabica mit feiner Würze mit satter Crema angepriesen. Als drittes bekam ich einen Black Diamond serviert, als hochklassiger Espresso, kräftig und zartbitter charakterisiert.

Solides Handwerk

Alle Espressi waren solides Handwerk, mit einer ordentlichen Crema, für die ich drei bis vier Punkte vergeben habe. Aber für meinen Geschmack viel zu dunkel geröstet, so dass ich an die Fehlbrandmischungen in Hotels und Autobahnraststätten erinnert wurde. Damit werde ich wahrscheinlich M.A.G. nicht gerecht, aber für meinen Geschmack schmeckt der Espresso viel zu streng und bitter, so dass die Aromenvielfalt nicht mehr zur Geltung kommt.

Sortenreiner India Monssooned Malabar

Betrübt war ich, dass der India als reiner Arabica nicht als Espresso ausgeschenkt wird. Das kann ich nicht verstehen, weil ich damit optimale Erfahrung gemacht habe. Der indische Robusta-Anteil bei Quijotes El Gran Crasso oder der sortenreine Indien ‚Wayanad Kaapi‘ Robusta von Elephant Beans haben mich komplett von der Geschmackskomplexität überzeugt. Deshalb habe ich mir unter anderem dem M.A.G. India eingepackt, um ihn mal – gegen den Rat der Rösterei – mir als Espresso zu kredenzen.

Angenehmer Cafebetrieb

Zugegeben – ich war einigermaßen überrascht, in der Bier- und Studentenstadt Bamberg die Rösterei M.A.G. zu finden. Danach habe ich übrigens noch einen zweiten Röster entdeckt, der hatte allerdings schon zu. Man sitzt angenehm im M.A.G., gerade der alte Sessel am Fenster ist ein besonderes Plätzchen. Auf jeden Fall ein Ort, um sich gemütlich durch die Kaffeekarte zu trinken und zu plaudern.

Rösterei M.A.G. im Echtbild

Rösterei M.A.G. im Bamberg

 

Der schönste Platz in der Rösterei M.A.G. im Bamberg

„Gebrandete Tassen sind zu teuer“ heißt es im M.A.G. – leider; hätte gern meine Sammlung weiter vergrößert.

 

Classico (li) und Roma, beides solides Handwerk

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Hilfreich: Rösterei-Karte

Eine stattliche Fleißarbeit hat die Hamburger Rösterei Quijote mit ihrer Rösterei-Karte Rösterei-Karte geleistet. Wenn ich das richtig deute, finden sich in der Google-Karte eine Ansammlung von einigen 100 oder gar 1000 Röster. Also von A wie Ali Aydin in Gera bis Z wie Zet Rösterei in Wiesbaden. Oder vom ganz hohen Norden in Sylt mit der Kupferkanne Sylt bis in den ganz tiefen Süden mit Fab Coffee in Oberstdorf. Beginnt man ganz im Westen, muss man wohl bei Xavier Plum, dem westlichsten der drei Aachener Röster anfangen und endet ganz im Osten an der polnischen Grenze in Görlitz bei der Kaffeerösterei Büttner.

Gesucht? Gefunden!

Schön ist etwas anderes, aber die Karte ist durchaus funktional. Mir hätte zwar eine alphabetische Sortierung auch gefallen, aber das wäre vielleicht auch Schnickschnack. Immerhin lässt sich bequem nach einem Rösterei-Namen suchen. Komfortabel ist die Städtesuche, die alle erfassten Anbieter des schwarz gerösteten Goldes anzeigt. Für Städtetouristen ist das eine Karte, die auf jedes Smartphone gehört.

Ergänzungen kann man an pingo ät quichote-kaffee.de schicken.

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Lavazza im Anno 1900 in Weimar

Weimarer Klassik, Weimarer Republik oder auch eine Tasse Lavazza im Cafe & Restaurant Anno 1900  – es gibt viele Gründe Weimar, abseits der automobilen Hauptschlagadern der Republik die einstige Hauptstadt Thüringens, zu besuchen. Ehrlich gesagt bin ich dort schon einmal vor zehn Jahren gewesen, an den Espresso konnte ich mich aber nicht erinnern. Wohl aber an den Wintergarten, der einst zum angrenzenden Hotel Chemnitius gehörte, dem heutigen Hotel Anna Amalia. Und: Man konnte damals dort noch zum Espresso rauchen.

Das kleine Städtchen vereint kompakt ein breites kulturelles und museales Angebot, aber auch das Flanieren durch die Altstadt hat seinen Reiz. Und so stößt man unweigerlich auf das Anno 1900, in dem einst auch Franz Kafka oder Max Brod gesessen haben sollen.

 

Gerettete Geschichte

Eröffnet wurde der Wintergarten allerdings schon Anno 1890, 1920 bewirtete dort die Chemnitus-Schänke eigenständig ihre Gäste. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde der Wintergarten mit Außenputz und Spitzdach verhunzt, danach folgte eine Karriere als Studenten-Mensa. Zwei Jahre nach der Wende wurde das Objekt privatisiert, nach alten Bauplänen wieder hergerichtet und 1994 als Anno 1900 eröffnet.

Das Anno 1900 in Weimar ist einen Besuch wert.

Das Anno 1900 in Weimar ist einen Besuch wert.

 

Von der Küche wird viel geschwärmt, zum Essen war allerdings keine Gelegenheit. Dafür hat der Espresso im besten Sinne überrascht. Zum einen, weil in guten Küchen der Espresso erfahrungsgemäß überproportional mäßig ist. Zum anderen, weil das Massenphänomen Lavazza besonders häufig „äußerst unsachgemäß“ zubereitet wird. Es ist, wenn ich mich richtig entsinne, der einzige Espresso, den ich einmal in einen Blumentopf und einmal in Frankreich in einem Garten unter dem Tisch entsorgt habe.

Für den Espresso im Anno 1900 gebe ich für die dunkelnussbraune Crema die volle Punktzahl von fünf, für das Geschmackserlebnis stattliche vier Punkte. Man sitzt in dem wiederhergestellten Ambiente sehr schön, die Gäste- und Servicekultur – auch das ist in einer touristischen Hochburg nicht selbstverständlich – außergewöhnlich.

 

Das Innenleben des Anno 1900

Das Innenleben des Anno 1900

 

Hier versteht man das Handwerk: Für mich Benchmark in Sachen Lavazza

Hier versteht man das Handwerk: Für mich Benchmark in Sachen Lavazza

Das Schreiben der Anderen zum Anno 1900

Ganz falsch kann ich mit meiner Einschätzung übrigens nicht liegen. Der Spiegel empfiehlt in Der perfekte Tag in Weimar ebenfalls das Anno 1900 zur „Rast am Mittag“. Nachträglich habe ich auch erfahren, dass Mitinhaberin Anna Horwitz die Gattin des deutsch-französischen Schauspielers Dominique Horwitz ist und bin auf ein Feinschmecker-Interview mit ihm gestoßen. Bei einer Entdeckertour durch Deutschland, quasi eine „D-Espresso“-Tour, berücksichtigen.

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Hamburger Becking-Espresso mit Crema

Hamburg und Espresso-Bohnen von Becking-Kaffee waren für mich bislang wie Espressolust und eine amerikanische Kaffeekette – ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass es irgendwie eine Verbindung gibt; sprich: einen guten Grund, dort mal vorbeizuschauen. Das mag auch daran liegen, dass die Hamburger Kaffeerösterei in ihrem exponierten Backsteinbau in der Speicherstadt einfach immer auf dem Weg des Besuchers der Hansestadt liegt. Becking hatte ich gar nicht auf dem Radar. Dazu kommt: Ich habe mal von einer Espressoverkostung bei Becking ein Foto gesehen und angesichts der cremalosen Tassen abgewunken – eine persönliche Marotte.

Nun habe ich drei Varianten der Rösterei probiert, den Espresso Vellutato No. 6, den Espresso Temperamento und Monsooned Espresso – allesamt als „100% Arabica“ klassifiziert. Als erstes hatte ich den Vellutato, italienisch für „samtartig“, in der Tasse. Für eine kräftig-dunkle Crema musste ich gar nicht viel an der Mühle herumspielen, um auf meiner Crema-Skala 4 von 5 Punkte zu vergeben. Auch die kakaoartige Note im Geschmack hat 4 Punkte verdient. Der Temperamento hatte dagegen weniger Temperament, für die Crema gebe ich 3 Punkte, für die „Komposition aus den … Anbaugebieten Mittel- und Südamerikas“ auch nur 3. Viele probierte Amerikaner, als Mischung oder Plantagenkaffee, haben mich bislang nicht überzeugt. Dafür fand ich den Monsooned Espresso richtig kultig, 4 Punkte für die haselnussbraune Crema, 5 Punkte für den karamellig-aromatischen Geschmack.

Start frei zur Geschmacksprobe aus dem Hause Becking

Start frei zur Geschmacksprobe aus dem Hause Becking

 

Für mich der Knüller aus der Rösttrommel von Becking: der Monsooned Espresso

Für mich der Knüller aus der Rösttrommel von Becking: der Monsooned Espresso

 

Ordentlich, aber der Schwächste von den drei Päckchen - der Temperamento.

Ordentlich, aber der Schwächste von den drei Päckchen – der Temperamento.

Monsooned Espresso

Becking bezeichnet auf seiner Homepage den Monsooned Espresso als „echte Rarität“. Bei dem Monsooning-Prozess wird der Rohkaffee während des Monsuns Wind und Regen ausgesetzt, der dadurch stark aufquillt. Diese Feuchtigkeit, die bis zu 20 Prozent erreichen kann und die Kaffeekirsche von strohbraun bis ins gelbe verfärbt, sorgt für einen besonderen Geschmack. Für dieses spezielle Monsooned-Verfahren werden sieben bis zehn Wochen benötigt.

Das Verfahren ist eigentlich ein Zufallsprodukt. Früher war der Kaffee aus Indien auf dem wochenlangen Transport per Segelschiff quasi zwangsläufig den Witterungseinflüssen ausgesetzt. Davon kann in der modernen Logistikkette keine Rede mehr sein. Um den Monsooned-Geschmack zu kultivieren, setzen indische Bauern dieses Verfahren gezielt ein. Typischerweise kommt dieser Kaffee aus der Region Malabar von der südlichen Westküste Indiens, und wird etwa auch von den Röstern Coffeepolitan als Monsooned-Malabar oder bei der Schweizer Spezialitätenrösterei derkaffee als Monsooned Malabar Indien angeboten.

Und auch das noch zu Becking

Becking verarbeitet seit 1928 Kaffeebohnen und dürfte damit zu den alten Hasen der Röstermanufakturen gehören. Mein Monsooned-Favorit wird alt-italienisch bei fast 32 Minuten und knapp 205 Grad geröstet. Der Kilo-Preis von gut 30 Euro liegt für mein Budget allerdings schon an der obersten Kante. Rösterei und Laden finden sich in Hamburg Bahrenfeld, haben allerdings nur von Montag bis Freitag geöffnet. Kommt in jedem Fall auf meine Besuchsliste.

P.S. eine kleine Nörgelei:

Vertrieb von guten Produkten ist eine ehrenhafte Sache, aber Becking hat das in guter hanseatischer Kaufmannstradition vielleicht etwas übertrieben. Laden, Shop, aktuell allein 117 Edeka-Läden usw. – das ist alles in Ordnung. Skeptisch bin ich bei der Online-Krake Amazon, weniger wegen der Händlerkonditionen als vielmehr wegen der Online-Macht bei gleichzeitiger Steuerminimierung (was ziemlich untertrieben ist). Die Übermacht im Online-Handel verdrängt allerdings die anderen kleinen Internetanbieter und reduziert so Vielfalt. Vielfalt allerdings ist – beim Espresso aber auch sonst – ein Wert an sich.

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Cafe Espressee in Hermannstadt kultiviert Pascucci

Im Prinzip hätte ich fast alles getrunken; dass ich im rumänischen Hermannstadt allerdings ein Hotelzimmer direkt neben dem Cafe Espressee hatte, war ein ausgesprochener Glücksfall. Denn nach fast einer Woche mit einem Esel durch die rumänischen Karpaten – in dieser Zeit gab es nur Wasser oder Tee – war die Espresso-Lust groß. Hinzu kam ein lauer Sommerabend, an dem ein perfekter Espresso mit Crema satt serviert wurde. Ich hatte vorher den Barista vom Espressee gebeten, mich mit ordentlicher Crema zu versorgen. Das sei bei ihnen Standard, wurde mir entgegnet.

Hier wird im Cafe Espressee Espresso zelebriert

Hier wird im Cafe Espressee Espresso zelebriert

 

Gastraum des Cafe Espressee

Gastraum des Cafe Espressee

 

Eingang zum Cafe Espressee

Eingang zum Cafe Espressee

Welche Bohnen aus dem Hause Pascucci zum Einsatz kamen, konnte ich allerdings nicht erfahren. Allerdings war das Ergebnis deutlich besser, als ich es etwa aus dem Cafe Pascucci in Leipzig kenne. Im rumänischen Espressee scheint man sich aber ausgiebig mit den Möglichkeiten zu beschäftigen, Espresso geschmacklich auszureizen. Dafür steht der hauseigene Training-Room, in dem Kurse angeboten werden. Auch die Kaffeekarte bietet mehr, als nur die Klassiker Espresso, Cappuccino oder Latte Macchiato.

Mal richtig wohltuend: Keine bloßen Sprüche, sondern Selbstverpflichtung.

Mal richtig wohltuend: Keine bloßen Sprüche, sondern Selbstverpflichtung.

 

Pascucci im Echtbetrieb

Caffe Pascucci, Leipzig (2010)

Caffe Pascucci, Leipzig (2010)

 

(möglicherweise Berlin, 2011)

(möglicherweise Berlin, 2011)

 

Pascucci Leipzig, 2014

Pascucci Leipzig, 2014

 

Caffe Pascucci, Leipzig, 2016

Caffe Pascucci, Leipzig, 2016

 

Cafe Espressee im rumänischen Hermannstadt (2016)

Cafe Espressee im rumänischen Hermannstadt (2016)

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Lavazza im Cafe Cavallo in der Wiener Neustadt

Auf Anhieb fallen mir nur drei gute Gründe ein, nach Niederösterreich in die Wiener Neustadt zu fahren: Erstens der im Kern spätromanische Dom, zweitens der Weg zu den Weißen Eseln im nahen Nationalpark-Neusiedlersee-Seewinkel und drittens das Cafe Cavallo. Es findet sich – ohne eigene Homepage in der Cafeliste, die die Stadt für Besucher zusammengestellt hat.

Vier Kilometer Spaziergang ohne Espresso führen zu den Weißen Eseln.

Vier Kilometer Spaziergang ohne Espresso führen zu den Weißen Eseln.

Die - optisch - außergewöhnlichsten Esel

Die – optisch – außergewöhnlichsten Esel

Das Cavallo war eine Zufallswahl, eher obwohl Lavazza ausgeschenkt wurde. Bei den großen Caferöstern, wie eben Lavazza, Illy oder Segafredo, bin ich bereits häufig enttäuscht worden. Letzter Tiefpunkt im markeneigenen Shop von einem der drei: Für einen weiteren Espresso wurde einfach das Kaffeemehl ein zweites Mal genutzt.

Der Lavazza im Cavallo war allerdings außerordentlich, mit tiefbrauner Crema und einem ausgewogenen Geschmack, dass es einfach eine Freude war. Wer sich also tatsächlich mal in diese Gegend verirrt, sollte ihn dort unbedingt probieren.

Die Cafe Bar Cavallo in der Wiener Neustadt

Die Cafe Bar Cavallo in der Wiener Neustadt

 

Ein Lavazza in der Tasse, der empfehlenswert ist (2016)

Ein Lavazza in der Tasse, der empfehlenswert ist (2016)

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Cafe Meier im österreichischen Linz

Hier sollte man auf alle Fälle einkehren: Das Cafe Meier am Linzer Pfarrplatz ist ein Pflichtbesuch für den Cafe-Freund. Selbst wenn bei schönem Wetter die Außenbestuhlung besetzt ist, auch im Inneren des Cafes lässt es sich außergewöhnlich angenehm sitzen. Da das Rauchverbot im Sommer 2016 noch nicht vollzogen ist, kann im oberen Raum zum Espresso noch geraucht werden. Das zählt ja mittlerweile europaweit zu eher seltenen Erlebnissen.

Espresso und Zigarette im Cafe Meier, Linz (2016)

Espresso und Zigarette im Cafe Meier, Linz (2016)

Etwas bescheiden wird mit einer kleinen Info – nicht in der Karte – sondern auf dem Kartenständer auf die hauseigene Rösterei hingewiesen. Sortenreine Arabica-Bohnen u.a. aus Indien, Mexiko oder Äthiopien. Die drei Espressi, die ich dort probiert habe bekommen geschmacklich die Topnote 5 (Indien), Honduras 4 und 3 für den Mexico-Chiapas. Für die Crema erhalten alle die schwer enttäuschende Note 1, also Crema nahezu nicht in der Tasse zu entdecken.

Der Raucherbereich des Cafe Meier, Linz

Der Raucherbereich des Cafe Meier, Linz

Im oberen Gastraum im Cafe Meier kann noch geraucht werden.

Im oberen Gastraum im Cafe Meier kann noch geraucht werden.

 

Der untere Gastraum mit Theke.

Der untere Gastraum mit Theke.

 

Blick auf das Cafe Meier mit Rösterei auf dem Linzer Pfarrplatz

Blick auf das Cafe Meier mit Rösterei auf dem Linzer Pfarrplatz

Leider, denn sicherheitshalber habe ich mir die indische Röstung zum Testen daheim mitgenommen. Und erwartungsgemäß kommt neben einem ausgezeichneten Geschmack auch einer Top-Crema aus der Maschine. Das Drama vor Ort am Linzer Pfarrplatz: Die Mühle ist wohl zu grob eingestellt. Schade, dass im Ladenverkauf nur 250 Gramm-Päckchen (India: 6,40 Euro) zu bekommen sind. Im Internet gibt’s auch ein Bohnenkilo für 25 Euro. Gefühlt, die obere Preisgrenze, aber durchaus gerechtfertigt.

 

Egal: Linz ist immer wieder einen Besuch wert, Altstadt, das Kunstmuseum Lentos oder das international renommierte Multimediamuseum Ars Electroniva  (AEC) sind gute Gründe für ein anregendes Wochenende. Zumal die alte Stahlstadt an vielen Ecken und Enden, etwa auch mit der Revitalisierung der alten Tabakfabrik zu einer Brutstätte für Kultur- und Kreativwirtschaft, engagiert den Wandel der Landeshauptstadt Oberösterreichs vorantreibt und bereits als UNESCO City of Media geadelt wurde.

Und auch das Cafe Meier ist ein lohnenswertes Ziel. Vielleicht wird ja bereits an der Theke die Espressomühle besser eingestellt.

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Kein Leipziger Allerlei: Rösterei Ganos

Mindestens einmal im Jahr bin ich in Leipzig und mache einen Abstecher in die Kaffeerösterei Ganos. Einen guten Steinwurf von der Thomas-Kirche entfernt, in der einst Johann Sebastian Bach als Kantor dem Brot-und Butter-Geschäft nachging, findet sich am Dittrichring der Röstbetrieb.

Kaffeerösterei Ganos mit historischer Fassade

Kaffeerösterei Ganos mit historischer Fassade

Der Probat-Röster bei Ganos

Der Probat-Röster bei Ganos

Die Neugier treibt mich immer rein, vorbei an dem Probat-Röster eines deutschen Maschinenbauers, oft vorbei an vielen Kunden, um dann doch vor den vielen Sorten ratlos an der Theke zu stehen. Es soll etwas mit ordentlicher Crema sein, ein kräftiger, nicht zu dunkler Geschmack und einfach Lust auf mehr machen. Mehr wird es bei mir immer, aber nur, weil ich nicht deutlich erklären kann, was ich will.

Probieren geht über Studieren

Zumindest bekomme ich nicht das, was ich mir wünsche. Oft sind es drei oder vier Espressi, in einer Viertelstunde, das geht manchmal auf die Pumpe. Das letzte Mal habe ich die Arabica-Robusta Espresso Hausmarke probiert, danach mir den Kaffee Indien Malabar Monsun als Espresso zubereiten lassen und schließlich den Espresso Kolumbien. Die habe ich mir aus dem vollen Eckregal rausgesucht, ich weiß gar nicht, wie viele Sorten Ganos anbietet. Für den geneigten Besucher gilt die chinesische Mahnung: „Viele Gewürze verwirren den Geschmack, viele Farben blenden das Auge.“ Ich kann da keine sinnvolle Probier-Strategie entwickeln.  Alles interessant, aber nichts, was mich persönlich beglückt hat. Schon die Crema fand ich ziemlich hell, bei einem hatte ich gar einen bitteren Abgang. Egal, das nächste Mal probiere ich weiter.

Immerhin: Bei einer Untersuchung von Ökotest im Jahr 2010 konnten die Leipziger „Ganos Melange“ mit einem „sehr gut“ punkten. Verglichen wurden die Röstprodukte kleiner und mittlerer Röstbetriebe im Vergleich zu den großen Platzhirschen. Auffallendes Ergebnis der Tester damals: „Wir sind zufrieden – vor allem mit den Produkten der kleinen Röster. In der überwiegenden Zahl der Kaffees waren nur sehr geringe Schadstoffmengen.“ Dabei geht es etwa um den potenziell krebserregenden Schadstoff Acrylamid – der beim Rösten entsteht – auch bekannt aus Chipstüten und Pommesfriteusen. Die Diskussion, was nun „potenziell“ für den Alltag bedeutet, führe ich hier allerdings nicht.

Ganos im Echtbetrieb

Ganos-Tasse in der Rösterei, 2015

Ganos-Tasse in der Rösterei, 2015

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Espresso in Nürnberg: Kaffino

Auf dem Weg zum Nürnberger Planetarium habe ich einen Schlenker durch die Altstadt gemacht und bin auf das Kaffino Kaffee & Maschinen (N, Karl-Grillenberger-Straße 20) gestoßen. Auf die Schnelle gab es einen Izzo-Espresso im Ausschank. Fachmännisch zubereitet, haselnussbraun mit einer schönen Crema in einer Mokarabia-Tasse.

Innen saß nur ein entspannter Zeitungsleser beim Cappuccino, ich habe die Sonne vor der Tür genutzt. Da gibt es vor dem Fenster nur einen Balken, um Wasserglas und Tasse abzustellen. Zum Hocken und Plauschen ungeeignet, für einen ordentlichen Espresso mit Zigarette (oder auch ohne) immer wieder besuchenswert. Zum Mäkeln gibt es natürlich auch etwas: Um 18 Uhr wird leider dicht gemacht, sonntags ist komplett zu. Schade.

"Außenbestuhlung" des Kaffino in Nürnberg. Für einen Espresso reicht es locker.

„Außenbestuhlung“ des Kaffino in Nürnberg. Für einen Espresso reicht es locker.

Auch so einen Espresso bekommt man in Nürnberg. Das Kaffino gehört allerdings eher zu den positiven Ausnahmen

Auch so einen Espresso bekommt man in Nürnberg. Das Kaffino gehört allerdings eher zu den positiven Ausnahmen

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